Integriert statt abweisend
Rathausumbau von Bolwin Wulf Architekten in Kassel
Die Vorderseite der Stadtverwaltung Kassel bildet der repräsentative, historistisch dekorierte Rathausbau von 1909 mit Freitreppe und symmetrisch gelagerten Querflügeln nahe dem Friedrichsplatz. Auf der Rückseite wurde die Anlage in den 1970er Jahren durch einen lang gestreckten, neungeschossigen Erweiterungsbau an der Oberen Karlsstraße ergänzt, den sogenannten „K-Flügel“. 2017 schrieb die Stadt einen Wettbewerb für dessen Generalsanierung aus, der die Neuplanung der Gebäudehülle sowie eine städtebauliche Aufwertung des Rathaus-Ensembles mit einschloss. Den 1. Preis gewannen Bolwin|Wulf Architekten (Berlin) mit ihrem Entwurf für den K-Flügel, der nach vierjähriger Bauzeit im März 2022 wieder eröffnet wurde.
Lediglich die grundsätzliche Struktur des über 110 Meter langen Gebäuderiegels wurde beibehalten. Die neuen Fassaden bestehen aus großformatigen, horizontal gelagerten Fensterelementen. Ihre hellen Metallrahmen ragen – von oben nach unten zunehmend – in den Außenraum und verleihen dem strengen Baukörper durch ihre Plastizität einen neuen Rhythmus. Der je nach Lichtsituation von altrosa bis rostrot changierende Mineralputz harmoniert mit den Sandsteinfassaden des historischen Rathausbaus der Jahrhundertwende.
Auf der Südseite des K-Flügels befindet sich das verglaste Eingangsfoyer zum neuen Bürgerservice der Stadt Kassel. Auf 14.000 Quadratmetern Geschossfläche sind Büros sowie die Räume der Stadtbibliothek untergebracht. Im Bereich der Aufzüge an den Gebäudeenden öffnen sich jeweils sogenannte Geschosslobbies als Rahmung der langen Behördenflure mit verglasten Türen. Einige Originalelemente – so etwa die Treppengeländer aus den 1970er Jahren – wurden in die Neugestaltung integriert.
Die neue Nordostfassade am Karlsplatz gibt diesem Gebäudeteil nun das Erscheinungsbild eines Kopfbaus. So sind die oberen drei Etagen zu einer Fensterfläche mit öffentlich zugänglichen Balkonen zusammengesetzt, die einen weiten Blick auf den Stadtkern und die Kasseler Berge bieten. Diese Neuorientierung des Gebäudes zur historischen Achse Richtung Friedrichsplatz mit dem Friedericianum hin integriert die – ehemals abweisende – Seitenfassade des K-Flügel nun in das Stadtgefüge. (uav)
Fotos: Michael Moser
Das Problem Kassels sind aber weniger die Gebäude, seien es nun Juwele oder Sünden, sondern die absolute Dominanz der in der Nachkriegszeit angelegten Straßenräume, die bis heute ware Schneisen in den Stadtkörper schlagen und deren teils beschämende Unwirtlichkeit nur zu selten thematisiert wird. Wenige Ausnahmen, wie der Umbau der Goethe- und Friedrich-Ebert-Straße leuchten schwach, angesichts eines wahren Autobahnrings um die historische Altstadt.
Gerade am Rathaus ist die Fünffensterstraße das beste Beispiel für das Unvermögen einer Stadt, dem Autoverkehr auch nur die geringsten Abstriche machen zu können. Keine Radwege, kaum Bäume, kaum Querungen - ein seelenloses Stück banale Infrastruktur !
Das neue Neue Rathaus unterscheidet sich kaum von dem alten Neuen Rathaus aus der Nachkriegszeit.
"Integriert satt abweisend" stand als Titel daneben.
Welcher Stadtraum wurde denn jetzt neu integriert im Gegensatz zu vorher?
Es gab einmal im Turm eine Bibliothek. Ist das nun hinter dem überdimensionierten Fenster Richtung Aue? Das wäre immerhin etwas.
Momentan ist der Erdgeschossraum eine geschlossene Ebene. Was wurde für die Stadt verbessert?
Und in der Materialität und Anmutung der Innenräume: Stelle man sich alles in 30-50 Jahren vor.