Niederdeutsches Hallenhaus
Rathaus Bissendorf von Blocher Blocher
Das niederdeutsche Hallenhaus, auch Niedersachsenhaus genannt, wurde jahrhundertelang im ländlich-bäuerlichen Norddeutschland gebaut und prägt noch heute viele Gemeinden. In Bissendorf bei Osnabrück kommt nun in einem Hallenhaus mit Steilgiebel statt Bauer und Vieh der Gemeinderat zusammen. Die Stuttgarter Architekten Blocher Blocher Partners hatten 2013 den Wettbewerb mit 15 Teilnehmern zum Neubau eines Rathauses für die Gemeinde gewonnen. Sie entwarfen das Ensemble aus Verwaltungsriegel und Bürgersaal in Form eines Hallenhauses, welches nun in Nachbarschaft seiner historischen Vorgänger am Bissendorfer Kirchplatz steht. Statt als Fachwerk ist dieses in Beton konstruiert und verklinkert.
Mit seinem markanten Satteldach setzen die Architekten den Bürgersaal als städtebauliches „Gelenk“ zwischen den unterschiedlich qualifizierten Stadträumen des Kirchplatzes und des „Bürgergartens“ ein. Als freistehendes Gebäude kann der zwölf Meter hohe, stützenfreie Raum in Sichtbeton und Eiche nicht nur für Ratssitzungen, sondern auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden, wie das Preisgericht positiv hervorhob. Die „aktive Holzverkleidung“ im Dach soll dabei für eine optimale Akustik sorgen. Die Jury des Niedersächsischen Staatspreises für Architektur 2016 sieht den Saal gar als „Sinnbild eines offen-demokratischen Gemeindelebens“. Zudem wirke die Silhouette des Ensembles aus markanten Giebeln in Verbindung mit dem Turm der neugotischen St. Dionysius Kirche identitätsstiftend. Das Projekt wurde mit einer Nominierung für den Preis geehrt.
Das Verwaltungsgebäude ist klassisch als Zweispänner mit großzügigen Fluren und zentralen Wartebereichen konzipiert. An das Foyer ist über eine Gebäudebrücke das Trauzimmer im historischen „Haus Bissendorf“ angeschlossen. Für 3,7 Millionen Euro hat die 15.000-Einwohner-Gemeinde ein beispielhaftes Rathaus und zugleich ein lebendiges Zentrum erhalten. Die Analogie zur traditionsreichen Bauform trägt zur selbstverständlichen Wirkung der öffentlichen Raumsituation bei. (dd)
Fotos: Christian Richters
Sehr qualifiziert. Es ist damit leicht, dünne Bretter zu bohren und sich den Anschein zu geben, auf der Höhe der Zeit zu sein.
- die Einschnitte wirken unbeholfen (und sind voll Nullerjahre-mäßig) - Eine Glasfuge straight aus den 80ern - das billige Blechdach - die Bürofassade, weder Loch- noch Bandfassade bb kann bei gewerblicher architektur bleiben - regionale Architektur können andere besser (und viele schlechter, jammern auf hohem niveau, blabla, I know)
Sehr gelungen und sehr souverän - sogar die kostenbewußten Behördenflure mit Nadelfilzbelag wirken hier angenehm frisch. Wer da den Kritiker spielt, hat leider die Relationen verloren.