Leise Originalität
RIBA Royal Gold Medal 2026 für Níall McLaughlin
Níall McLaughlin erhält die RIBA Royal Gold Medal 2026. Das hat das Royal Institute of British Architects (RIBA) heute bekanntgegeben. Dabei betonte die britische Architekt*innenvertretung, die traditionsreiche Ehrung gehe ausdrücklich nicht nur an einen hervorragenden Entwerfer. Vielmehr habe der irische Architekt auch als Denker, Schreiber und Pädagoge großen Einfluss in der Disziplin.
Damit zeigt sich einmal mehr die Ausrichtung der Royal Gold Medal, die seit 1848 im Namen der britischen Majestät verliehen wird. Die Auszeichnung versteht sich nicht als Projektpreis, sondern stellt das ganzheitliche Wirken von Einzelpersonen oder Teams im Sinne der Profession und Baukultur heraus.
Das ändert allerdings nichts daran, dass das gebaute Werk des 1962 in Genf geborenen McLaughlin bemerkenswert ist. In Dublin aufgewachsenen und ausgebildet, gründete er sein Büro 1990 in London. Die Bauten von Níall McLaughlin Architects sitzen oft wie selbstverständlich in ihrem jeweiligen Kontext. Charakteristisch sind die starken Geometrien, die immer wieder mit zeitgenössischen Interpretationen des Arts and Crafts Movement oder klassizistischer Elemente arbeiten. „Mein Team und ich betrachten Architektur als eine Kontinuität der Praxis über Generationen hinweg“, so McLaughlin.
Als ein Masterpiece des Büros darf in dieser Hinsicht ihr Backsteinstrukturalismus in Cambridge gelten. Unser Autor hob damals die verschiedenen stilistischen Anleihen der noch recht jungen New Library Magdalene College (2021) heraus, die 2022 den Stirling Prize gewann. Dass McLaughlin eine allzu eindeutige Handschrift ablehnt, zeigt sich etwa an Projekten wie dem Auckland Castle Faith Museum mitsamt dem Auckland Tower (2021) oder der Bishop Edward King Chapel in Oxford (2013) mit ihrer feingliedrigen Holzkonstruktion. „Originalität im Bauen liegt selten in der Art und Weise, wie es verpackt und verkauft wird“, so der Architekt, „manchmal ist es das Unauffällige an einem Projekt, das originell ist.“
Die Jury um RIBA-Präsident Chris Williamson würdigte zudem McLaughlins Arbeit für die Londoner gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Peabody. Das Quartier Darbishire Place (2014) bezeichnet sie rückblickend als eines der „relevantesten Projekte für die Zukunft der Architektur in Großbritannien“. Auch wird in der Pressemitteilung des Büros die Rolle McLaughlins, der seit über 25 Jahren im akademischen Betrieb tätig ist, „als Stimme für transparente Arbeitsbedingungen und einen offenen Umgang mit mentaler Gesundheit im Berufsalltag“ betont.
Neben Williamson bestand die Jury aus Kazuyo Sejima von SANAA, die Preisträger*innen der Royal Gold Medal 2025, Anna Liu von Tonkin Liu, Architekturjournalistin Isabel Allen und Architektin Victoria Farrow. 2024 wurde Lesley Lokko ausgezeichnet, 2023 Yasmeen Lari. (mh)



