Das ganz neue Frankfurt
Quartiersplanung des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst
Im 2008 gegründeten Deutschen Institut für Stadtbaukunst wird gerne leidenschaftlich proklamiert und hitzig debattiert. Im letzten Jahr mischte das von Christoph Mäckler und Wolfgang Sonne geleitete An-Institut der TU Dortmund die hiesige Planerszene beispielsweise mit der „Düsseldorfer Erklärung“ auf. Insbesondere die Forderung nach einem „prinzipiellen Entfallen der Dichteobergrenzen“ sorgte für Widerspruch. Kritiker*innen interpretieren sie als Baustein einer Deregulierung, die letztlich zu Lasten der Allgemeinheit gehen würde.
Vor dem Hintergrund dieser theoretischen Debatte lässt eine Meldung aus Frankfurt am Main aufhorchen. Die Stadt gab letzte Woche bekannt, dass sie zusammen mit dem Deutschen Institut für Stadtbaukunst das Quartier Römerhof bauen möchte, in dem auf circa elf Hektar Fläche um die 2.000 Wohnungen entstehen sollen. Bauherrin ist die privatwirtschaftlich agierende Wohnungsbaugesellschaft der Stadt ABG Frankfurt Holding, in deren 53.000 Wohnungen fast ein Viertel der Frankfurter Bevölkerung lebt.
Für Fachleute ist das keine Überraschung, da bereits seit einem großen, interdisziplinären Workshop im Jahr 2018 an dem Projekt in Bockenheim gearbeitet wird, das erklärtermaßen neue Wege der Quartiersplanung gehen möchte. Nun haben die Verantwortlichen die ersten beiden Visualisierungen veröffentlicht, da das städtebauliche Konzept vorliegt, damit auch die Arbeit am Bebauungsplan läuft und – ganz entscheidend – eine Ausweichfläche für den Omnibusbetriebsbahnhof gefunden ist, der auf einem Großteil des Geländes liegt.
Auf weiteres Planmaterial muss man noch etwas warten, da laut Mark Gellert vom Dezernat Planen wichtige Planungsparameter noch offen sind. Die grundsätzliche Stoßrichtung ist jedoch klar. Die Akteure wollen beweisen, dass das vielfach proklamierte Konzept der „Europäischen Stadt“ im 21. Jahrhundert auch etwas außerhalb der Kernstadt funktioniert.
Das Projekt Römerhof ist Teil des Forschungsprojekts „Stadt 2020“ am Deutschen Institut für Stadtbaukunst. Über den planerischen Anspruch der in diesem Kontext entstehenden Modellprojekte schreibt das Institut: „Dabei sind die Grundlagen erfolgreicher Stadtteile, Nutzung- und Funktionsmischung, Differenzierung öffentlicher und privater Räume, soziale Vielfalt und Vielfalt der Generationen, urbane Dichte, unterschiedlichste Stadtteile und Gebäudetypen mit funktionierenden und wohl proportionierten Stadträumen und Parkanlagen weiterzuentwickeln und mit den neuen Herausforderungen und Anforderungen aus dem Klimawandel und der Mobilitätswende sowie den veränderten Logistik- und Versorgungsformen zusammen zu bringen.“
Inwiefern die programmatische Fokussierung des Instituts auf „bewährte Bautypologien“ und „harmonische Ensembles, die von den Bewohnern als lebenswert und schön empfunden werden“ den passenden räumlichen Rahmen für die Lösung der zukünftigen Herausforderungen der Städte geben können, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Im Frühjahr und Sommer 2021 soll der B-Plan öffentlich ausgelegt werden, ein Jahr später der Satzungsbeschluss vorliegen. Danach sollen auch Realisierungswettbewerbe für einzelne Bauten oder Areale des Projekts ausgelobt werden. Kritische Aufmerksamkeit und lebhafte Debatten um das Wesen des Städtischen dürften dem Projekt Römerhof noch über viele Jahre garantiert sein. (gh)
Kann sein, dass das in Frankfurt genauso wird. Aber warum sollte man einem solchen Quartier nicht einmal eine Chance geben und neben den negativen Dingen auch mal die positiven sehen, differenzieren anstatt nur polemisch dagegen zu reden. Die ganzen emotionalen "ich fühle mich hier persönlich auf den Schlips getreten" Reaktionen bringen uns doch nicht weiter.
Ich erlebe ständig belanglose neue Quartiere mit langweiligen Kisten. Die sind dann völlig in Ordnung. Aber wehe irgendwas könnte historisieren, dann ist aber was los hier. Dann wird man vors Gericht der Architekturmoral gestellt. Mich interessiert diese Debatte gar nicht mehr. Ich will wissen, ob etwas im Einzelfall Qualität hat. Dann ist mir auch egal ob es aussieht wie aus dem neuesten Scincefictionfilm oder eher klassisch und traditionell daherkommt.
Das Ding in Frankfurt sieht mir auch nicht nach Architektur- oder Städtebaupreis aus. Aber vielleicht ist es ein ernstzunehmender Beitrag zu der Frage, wie wir mal ein stinknormales Alltagsquartier für stinknormale Leute in dicht und urban bauen, ohne uns wegen klassischen Formen gleich in die Hose zu machen.
Aber jetzt mal Tacheles:
Mir ging es darum, welches Bild hier gezeichnet wird. Das muss man schon ernst nehmen. Immerhin kommt es nicht von einem Investor, der das Projekt nur unter dem Renditeblick betrachtet, sondern vom Deutschen Institut für Stadtbaukunst. Und denen geht es doch angeblich um unsere Lebensräume von Morgen. Wenn auf dem Bild aber die heile Welt der 50er Jahre gemalt wird, sollte man sich schon fragen, wie das zu verstehen ist. Entweder man möchte ernst genommen werden oder eben nicht. Was darfs denn sein?
Zum Thema Stadträume:
Es gibt in Frankfurt zwischen Schirn und dem Museum vom Arno, in der Saalstraße, eine wunderbare Häuserreihe aus den 1980ern. Da kann man Dichte, Urbanität, menschlichen Maßstab und ästhetische Heterogenität auf kleinen Parzellen besichtigen, und das Ganze auch noch ohne Historismus und Wurstsalat. Ist alles etwas kleinmaßstäblicher als das hier geträumte, aber im Ansatz für die Zukunft des städtischen Bauens in meinen Augen deutlich wegweisender.
Wo sehen Sie die Preise der Kleider?
Wo sehen Sie die Preise der Taschen?
Wären auf dem Bild nur Männer würden Sie sich auch aufregen und hieße es dann, dass alle Frauen in der Küche sind?
Woran sehen Sie, dass das alles Deutsche sind?
Haben die Deutschen ein Patent auf die weiße Haut?
Woher wissen Sie, dass alle Frauen im Bild heterosexuelle CIS-Frauen sind, deren Männer Geld verdienen?
Wie Sie sehen kann man Ihre schwachsinnige Logik auch in die andere Richtung führen.
zum Thema:
Als Ansatz sehr interessant, ich hoffe und denke dass da noch eine tiefere Detaillierung der Fassaden kommt. Dass der durchschnittliche Architekt in einem grauen Betonbunker leben will, ist durchaus bekannt. Die Allgemeine Bevölkerung hingegen zieht es in dichte Quartiere.
vorerst passiert dieses unter säulenpappeln wahlweise mit schreberlaubengrillduft von nord oder bahnschinengleisromantik, gen süd.
stadtbaukunst, visionär, genial.
was nun soll hier erreicht werden?
wurde hier falsch beraten? wurde hier falsch verstanden? steckt hier etwa noch ganz viel potenzial drin? wohin die reise? sind die orte drumherum nur zwischenstadt, halbwertzeit überschritten? das neue quartier: mann auf dem mond? quartier-idee des 20. jahrhunderts für das 21., macht das sinn? an diesem ort?
welche motivation steckt man dort rein, für was?
was soll erreicht werden, für wen?
für wen?
zu was ist unsere branche eigentlich noch im stande?