MNAC-Erweiterung in Barcelona
Pläne von Christ & Gantenbein und Harquitectes
Die Region Katalonien erweitert das Museu Nacional d’Art de Catalunya (MNAC) auf dem Montjuïc in Barcelona. Dafür wird der benachbarte historische Ausstellungs- und Veranstaltungsort Palau Victòria Eugènia genutzt und mit dem bestehenden Haus verbunden. Der Entwurf stammt von Christ & Gantenbein (Basel) in Zusammenarbeit mit Harquitectes (Barcelona). Im Wettbewerb, der bereits im März 2025 entschieden wurde, setzte sich das Team unter anderem gegen BIG, Nieto Sobejano, Dominique Perrault und h3o durch. Öffentlich vorgestellt wurden die Pläne jedoch erst kürzlich, nachdem Einsprüche eines unterlegenen Büros geklärt werden mussten, wie in der Lokalpresse nachzulesen ist.
Anfang des 20. Jahrhunderts war der Montjuïc noch weitgehend vom übrigen Stadtgebiet abgeschnitten. Erst mit der Weltausstellung 1929 wurde der Hügel zu einem Ort der katalanischen Hauptstadt. Heute zählt er zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten – nicht zuletzt auch wegen des MNAC, das eine umfassende Sammlung katalanischer Kunst vom Mittelalter bis zur Moderne zeigt. Die Stadt investiert nun rund 113 Millionen Euro in dessen Erweiterung, womit die Ausstellungsfläche nahezu verdoppelt werden soll. Der dafür genutzte, von Puig i Cadafalch für die Weltausstellung entworfene, Palau Victòria Eugènia liegt etwas unterhalb des jetzigen Museums. Die Eröffnung des dann zusammenhängenden Komplexes ist für 2029 geplant, passend zum 100-jährigen Jubiläum der Weltausstellung.
Parallel zur Vergrößerung des MNAC entsteht mit der Erweiterung des Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA) ein vergleichbares Projekt, das sich derzeit im Bau befindet. Die Pläne kommen ebenfalls von Christ & Gantenbein mit Harquitectes. Nicht nur die Visualisierungen ähneln sich, auch haben die beiden Museumserweiterungen einen grundlegenden Aspekt gemeinsam: einen neuen Durchgang, der eine passageartige Schnittstelle zum öffentlichen Raum bildet.
Entlang dieser Passage, die den Palau Victòria Eugènia mit dem MNAC verbinden wird, finden sich der Eingangsbereich mit Café und Auditorium an der Plaça Carles Buïgas, ein Museumsshop sowie öffentliche Bereiche an der Plaça Puig i Cadafalch. Ergänzt wird die Verbindung durch einen darüberliegenden, mit Glasbausteinen gepflasterten Weg, der Tageslicht in die darunterliegenden Räume bringt und einen Ausblick auf die Stadt bietet.
Der neue Haupteingang ist im Palau Victòria Eugènia vorgesehen, dessen Sockel sich großzügig zur Plaça Carles Buïgas öffnet. Über diesem Zugang soll ein „digitales Fries“ installiert werden. In die bestehende Struktur wollen die Architekt*innen so wenig wie möglich eingreifen. Konstruktiv setzt das Team auf recycelten Beton – als Referenz an den historischen Bau, einen der ersten Betonbauten Barcelonas. Im Inneren des Palau Victòria Eugènia sollen in den historischen, denkmalgeschützten Hallen zwei große, flexibel nutzbare Flächen für temporäre und permanente Ausstellungen entstehen. Ein einfaches Belüftungssystem soll den Höhenunterschied von 42 Metern zwischen den beiden Bestandsbauten nutzen, um eine natürliche Luftzirkulation zu ermöglichen.
Die Jury lobte, dass der Entwurf das Museum als offenen, publikumsnahen Ort überzeugend weiterdenke. Besonders gelungen sei die Art und Weise, wie das Haus künftig stärker mit seinem städtischen Umfeld verknüpft werde. Der Baubeginn ist für 2028 vorgesehen. (dsm)