Hochhaus am Alexanderplatz
Pläne aller neun Wettbewerbsteilnehmer
Auch wenn Sauerbruch Hutton Architekten (Berlin) seit Freitag als Gewinner des Hochhauswettbewerbes für das prominente Baufeld D3 am Alexanderplatz feststehen, ist es dennoch spannend, sich alle Einreichungen der neun geladenen Teilnehmer anzusehen, um über die Entscheidung der Jury nachzudenken. Zur Erinnerung: Bauherr des Projektes ist das französische Unternehmen Covivio, dem auch das benachbarte Park Inn Hotel gehört.
Angestrebt für das Baufeld D3 ist eine Mischnutzung aus Einzelhandel, Büros und – ein Novum direkt am Alexanderplatz – Wohnungen. Die maximale Höhe des Hochhauses darf 130 Meter betragen. Zudem ist ein Sockelbau mit halböffentlich zugänglichem und begrüntem Dach vorgesehen. Bei der Bewertung der Jury spielte die städtebauliche und ästhetische Einbindung ins Gesamtensemble Alexanderplatz, die Flächeneffizienz sowie die Genehmigungsfähigkeit und Realisierbarkeit eine wichtige Rolle.
Nach der ersten Jurysitzung vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Markus Allmann zwei zweite und einen dritten Preis. Sauerbruch Hutton Architekten (Berlin) und Diener & Diener Architekten (Basel) wurden zur Überarbeitung aufgefordert. Das Pariser Büro Jean-Paul Viguier et Associes Architecture et Urbanism bekam den dritten Preis. Betreut wurde der Wettbewerb vom Berliner Büro phase1. Außerdem mit dabei waren folgende sechs Büros:
- Barkow Leibinger Architekten (Berlin) legten einen modernistisch strengen und zugleich spektakulären Entwurf aus vier gestapelten Baukörpern vor.
- Baumschlager Eberle Architekten (Hamburg) flogen mit ihrem sauber und stilvoll gestuften Gebäudeensemble bereits im ersten Rundgang raus.
- ingenhoven architects (Düsseldorf) schlossen an Arbeiten der letzten Jahre an und lieferten den wohl grünsten Beitrag im Wettbewerb.
- Prof. Kollhoff Generalplanungs GmbH (Berlin) konnten mit ihrem im oberen Bereich gestaffelten Glasturm, wie er typisch für Hans Kollhoff ist, die Jury nicht überzeugen.
- Dominique Perrault Architecture (Paris) schlugen ein Projekt vor, das bei jedem Blick ein wenig exzentrischer wirkt, mit trichterartigem Zugang am Alexanderplatz und schuppiger Fassengestaltung im Turmbereich.
- Snøhetta Architects (Oslo) hätten mit einem schwarzen, steil emporsteigenden Gebäude einen wahrlichen Hingucker geschaffen. (tb)
Alle Wettbewerbsbeiträge sind noch bis kommenden Mittwoch, 31. Oktober 2018 in der Stadtwerkstatt Berlin, Karl-Liebknecht-Straße 11, 10178 Berlin zu sehen. Die Ausstellung ist Montag bis Freitag von 12–20 Uhr und am Samstag und Sonntag von 10–18 Uhr geöffnet. Ausführliche Informationen zum Wettbewerb finden sich auch auf der Projektwebseite des betreuenden Büros phase1.
Der Alexanderplatz muss über die östliche breite Straße bis zur gegenüberliegenden Bebauung fluten, wie er es an den anderen Kanten auch macht bzw. versucht (er ist mehr ein Platzgewebe wie etwa auch der Rote Platz in Moskau). Der Neubau bildet hier sozusagen die Skulpturale Mitte die beides vereint. Das benachbarte Hotelhochhaus kann sich so wieder von der geplanten Hochhausparade befreien. Eine symmetrische Polarität aus Turm und Wohnzone gemäß Vorgabe (pardon:Hühnerfickermotiv, Symmetrie ist tückisch) ist hierbei zu kleinkariert und kontraproduktiv. Da leistet das alte Kaufhaus der DDR in seiner Einheitlichkeit mehr für den fließenden Platz.
Der Vorschlag unter 13 wäre eine mögliche Lösung in diesem Sinne. Mehr Maßloses unter zenodo search: Thomas Seyler
Der Platz ist ein extrem räumliches Gebilde und bietet dadurch auch wieder Raum für Individualitäten. In ihn fließen alle Einflüsse von allen Seiten ein. Die Zwiesprache seiner Bestandteile offenbahrt sich am schönsten vom hochgelegenen S- Bahnhof. Hier und in Zusammenspiel mit dem Fernsehturm in seiner möglichen dritten Dimension. Der Platz muß sozusagen in die Stadt ausufern (nicht die Stalinallee). Vielleicht ist ja die gesamte Hochbahntrasse eine Erlebnisklammer für großartige Gebäude (Skytrain Bangkok). (gut das es die schon gibt, heute wäre sowas undenkbar).
Stadtentwicklung im Schneckentempo oder highway to Bedeutungslosigkeit, Berlin hat den Kampf um architektonsiche Relevanz verloren.
Warum nicht einfach den schwebenden Wohnring weiter oben zum Büroturmwinkel auf beliebiger Ecke reduzieren und das alles durchgehend in Behrensraster? (analog Chicago Tribune von Gropius, oder Büchereck der Bibliothek in Paris)
-less facade is more space- weg mit der DDR Alufassade. Das wäre dann auch ein echter Sauerbruch. Hier trifft sich Sauerbruch mit Behrens. Das greift den Alexanderplatz als Ganzes in seiner Größe, als Formhybrid und seiner Vielzahl.
Keine Kollhoff-türmerei, raumgreifen statt verdrängen.
Das wäre ein L aber über Eck, eine Körper-Raumverbindung die über die eigene Höhe hinausgreift und vielleicht als Raum mit dem Fernsehturm korrespondiert.
Erst die Diagonale des Gesamtgebäudes bildet mit der Höhe der Turmzone das Quadrat.
Blöd, das erst angesichts der Varianten und in der Hitze der Debatte der Groschen fällt, aber Investoren sind ja bewegliche Bauherren.
Barkow Leibingers Beitrag wäre mal etwas gewesen was Berlin an dieser Stelle hätte gebrauchen können. Mit Sauerbruchs Entwurf haben wir ein weiteres tristes und langweliges Gebäude in Berlin. Auch Snohetta und Baumschlager Eberle wären meiner Meinung navch besser gewesen...
1. Snohetta
2. Barkow-Leibinger
3. Baumschlager-Eberle
So geht Groszstadt!
Armes Berlin...