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24.10.2018

Von Drama bis Komödie

Hochschule für Schauspielkunst von Ortner + Ortner in Berlin


Von Friederike Meyer

Einen Ort schaffen, an dem sichtbar wird, wie Theater funktioniert. Das war der Plan von Architekt Roland Duda und Projektleiter Tobias Ahlers. Für das Büro Ortner & Ortner Baukunst (Berlin, Köln, Wien) haben sie die ehemaligen Opernwerkstätten in der Zinnowitzer Straße in Berlin-Mitte zur Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch umgebaut. Der Altbau wurde 1941 begonnen und 1951 fertig gestellt. Seitdem entstanden jahrelang im heute nicht mehr vorhandenen Malsaal unter einem Sheddach die Prospekte und Kulissen für die Bühnenspektakel der Stadt. 

Nach dem Umbau bestimmen drei Teile die äußere Erscheinung des Ortes: Bühnenturm, Mensa und Altbau. Der ertüchtigte Altbau mit seinen Lochfenstern und der getünchten Fassade wirkt so massiv und belanglos wie die dicht stehenden, umliegenden Büroneubauten. Die verglaste Mensa hingegen, die an die Altbauflanke herangeschoben ist, gibt dem hermetischen Riegel im Eingangsbereich etwas Luft. Der 24 Meter hohe, holzverkleidete Bühnenturm wiederum, der sich in den Bestandsbau einklinkt, soll das Gesicht nach außen wahren und mit seiner transluzenten Unterhaut vor allem im Dunklen neugierig auf das Geschehen machen.

Scheinbar liederlich geflickter Bestandsbeton, verspachtelte Gipskartonplatten und lange Gänge dominieren das Haus im Inneren. Zumindest oberhalb einer imaginären Linie auf 2,30 Meter Raumhöhe. Hier treffen, so heißt es von den Architekten, Rohes und Verfeinertes sowie Altes und Neues zusammen. Nach dem Motto „Nichts ist besser als das, was schon da ist“ wollten sie alles im vorgefundenen rohen Zustand belassen und darunter über Glaswände Einblicke in die Arbeits- und Probenräume bieten. Dabei mussten sie lernen, dass gerade beim Schauspielunterricht Intimität ein wichtiges Gut ist. Außer an der verglasten Bibliothek und dem Fundus bedecken nun stattdessen Tafelflächen die Wände, Kreidebotschaften sind erwünscht.

Werkstattcharakter hin oder her – die in den Gängen und Räumen entstandene Mischung aus Shabby Chic, Béton Brut und feinem Holz wirkt unentschieden. Da helfen auch das von den Architekten als Referenz erwähnte Teatro del Mondo von Aldo Rossi auf der Biennale in Venedig 1979 und Shakespeares Globe Theatre in London nicht weiter. Die Holzverkleidung des Bühnenturms hätte mehr Detailrafinesse verdient und so manche Oberfläche am Bestand dann doch ein wenig mehr Beachtung.

Grund zum Jubel haben Lehrende und Studierende dennoch. Denn mit dem Eröffnungsfest am kommenden Freitag, 26. Oktober 2018 geht nun eine lange Baugeschichte endlich zu Ende. Obwohl bereits seit 2009 entschieden ist, dass die Hochschule für Schauspielkunst die ehemaligen Opernwerkstätten in der Zinnowitzer Straße umnutzen wird, war lange unklar, ob die bisher auf vier verschiedene Standorte in der Stadt verteilten Sparten von Schauspiel über Regie bis Choreographie jemals zusammen in das Gebäude ziehen würden. Nachdem die Architekten 2011 einen vom Berliner Senat ausgelobten Wettbewerb gewonnen hatten, überlegte es sich der Senat wieder anders und stoppte die Baupläne. Erst nach tagelangen Protesten seitens der Studierenden und zahlreicher überregionaler prominenter Unterstützer revidierte ein Ausschuss den Beschluss.

Am Freitag, 26. Oktober ist das neue Haus ab 20 Uhr für alle zum Fest geöffnet. Mehr dazu auf der Seite der Hochschule.


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Markantes Neubauteil: Der holzverkleidete Bühnenturm

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In den Altbau sind neue Holzfenster gesetzt.

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Schnittkante zum Annex / Verwaltungstrakt

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Der neue Campus liegt inmitten eines inzwischen dicht bebauten Blocks unweit des Nordbahnhofs und des BND-Gebäudes.

Der neue Campus liegt inmitten eines inzwischen dicht bebauten Blocks unweit des Nordbahnhofs und des BND-Gebäudes.

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