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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Piet-Blom-Wuerfel_in_Rotterdam_umgebaut_3301367.html

04.09.2013

Aus dem Gefängnis in den Kubus

Piet-Blom-Würfel in Rotterdam umgebaut


Rund dreißig Jahre stand der dritte, innen unvollendete Superkubus in Piet Bloms Rotterdamer Baumhaus-Siedlung leer. Während die anderen beiden ebenfalls zeitweise ungenutzten Großkuben schon 2009 in ein Hostel verwandelt wurden (siehe BauNetz-Meldung vom 17. 8. 2009), deutet sich nun weiteres Happy-End an – für den Würfel wie für seine künftigen Bewohner. Unter der Regie des Rotterdamer Büros Personal Architecture entstand hier eine Wohneinrichtung für Häftlinge in der abschließenden Phase des offenen Vollzugs.

Auf den ersten Blick wurde mit der inneren Struktur des Gebäudes nicht zimperlich verfahren. Wo Blom eine strenge Geschosstrennung mit entsprechend tiefen und dunklen Grundrissen vorsah, verbindet jetzt ein großzügiger vertikaler Luftraum die unterschiedlichen Ebenen. So werden nicht nur die Nachteile von Bloms Entwurf kompensiert, sondern auch seine Vorteile gestärkt, in dem die Offenheit des obersten Geschosses nun bis hinunter zum Eingang wahrnehmbar ist.

Oben mündet der Luftraum in einer Art Haus im Haus, das die Küche der Einrichtung beherbergt und die unterschiedlichen Zonen des Aufenthaltsbereichs gliedert. Auf dessen Dach befindet sich außerdem eine kleine Lounge, von der aus sich Bloms Baumhaus-Metapher nun plötzlich auch im Inneren erschließt. Als läge man in den Wipfeln, lassen sich hier durch die großzügig verglasten Schrägen des Superkubus' die niedrig dahinziehenden niederländischen Wolken beobachten.

Ein Hostel, eine Wohneinrichtung? Man kann davon ausgehen, dass der 1999 verstorbene Piet Blom darüber nicht unglücklich gewesen wäre. Zwar waren die Superkuben ursprünglich als soziale und kulturelle Mittelpunkte der zwischen 1982 und 1984 errichteten Siedlung vorgesehen. Aber sein Versuch, im Sinne des Strukturalismus den Menschen durch kleinteilige Architektur vor Entfremdung und Vereinsamung zu schützen, dürften Reisende ebenso zu schätzen wissen wie ehemalige Gefangene.

Fotos: René de Wit


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