Barcelona ist bekannt für einen vorbildlichen Sozialwohnungsbau, der nicht nur auf Masse setzt, sondern mit architektonischer Klasse punktet, wie etwa in BauNetz WOCHE #598 dargelegt. Mit dabei in dieser vielgelesenen Ausgabe aus dem Jahr 2022 waren natürlich auch Peris+Toral Arquitectes. Das Büro hat in den letzten Jahren einige teils preisgekrönte Projekte umgesetzt, unter anderem in den nordöstlichen Vororten El Besòs i el Maresme und Bon Pastor sowie Cornellà de Llobregat im Südwesten.
Im Auftrag der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Institut Municipal de l’Habitatge i Rehabilitació IMHAB bauten Peris+Toral nun auch in Poblenou, das sich vom einstigen Industrieareal zum beliebten Wohnviertel entwickelt hat. Ihr Projekt Greenh@us steht im sogenannten Distrikt 22@, wo alte Fabriken zu Wissens- und Technologiestandorten transformiert wurden.
Der kompakte Block mit circa 15.400 Quadratmetern Bruttogrundfläche ist der bislang größte Sozialwohnungsbau, den das Büro realisiert hat. Das achtgeschossige Volumen beherbergt 140 Ein- und Zweizimmerwohnungen, die für unterschiedliche Gruppen gedacht sind. Im Erdgeschoss befinden sich Wohnungen für eine vorübergehende Unterbringung geflüchteter Menschen. Dann folgen Mietwohnungen, ab dem fünften Obergeschoss handelt es sich dabei um Wohnungen für Senior*innen. Der achte Stock nimmt ein Gemeinschaftsprogramm auf, darunter eine Waschküche, Mehrzweckräume und Gemüsegärten. Die Wohnungen sind durch diagonale angeordnete Räume gegliedert, verfügen über eine Terrasse und kommen ohne Flure aus.
Als langgezogener Riegel mit Rasterfassade ausgeführt, wurde der Baukörper in eine für Barcelonas neuere Stadtstruktur typische, abgeschrägte Straßenecke gesetzt. Aufgrund seiner Höhe und Tiefe legten die Architekt*innen ein zentrales, der Erschließung dienendes Atrium an, das den ganzen Bau durchzieht und auch die unteren Geschosse mit ausreichend Luft und Licht versorgt. Mit Grünpflanzen ausgestattet, soll es zugleich zum sozialen Begegnungsraum für die Bewohner*innen werden. Rechts und links des passagenartigen Atriums liegen pro Geschoss 20 Wohnungen. Fünf kleine Höfe gliedern ihn in der Länge, nach oben hin weitet er sich trichterförmig auf.
Zur Konstruktion betonen die Architekt*innen, dass die Verwendung von Fertigbeton dank der Gebäudegeometrie auf ein Minimum reduziert werden konnte. Zum Einsatz kam auch Holz, unter anderem an der Tragstruktur, auf der das Glasdach des Atriums ruht. Dieses lässt das Atrium im Winter als Wärmespeicher und im Sommer als Solarkamin wirken. Das Budget des Bauvorhabens lag bei rund 1.335 Euro pro Quadratmeter. (da)
Fotos: José Hevia
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Arcseyler | 06.01.2026 14:27 Uhr.de
Die gelungene Reduktion auf das Spiel der Zwischenräume des Geländers und der Holzgitter, bis hin zu dem, in dem wir uns befinden.Its the space, stupid !