Wettbewerbsinitiative Berlin
Offener Brief pro junge Büros
Über das Wettbewerbswesen in Deutschland wird unter Architekten nicht erst seit gestern geklagt. Mehr Transparenz und eine gleiche Behandlung aller Teilnehmer fordert nun eine Berliner Initiative in einem offenen Brief an das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, die Bundesarchitektenkammer und die Architektenkammer Berlin.
Aus dem offenen Brief: „Bereits seit einigen Jahren ist festzustellen, dass die Zugangskriterien zu den Vergabeverfahren der Öffentlichen Hand in einer nicht nachvollziehbaren Art und Weise verschärft werden, so dass es vor allem jungen und kleineren Büroorganisationen mittlerweile nahezu unmöglich gemacht wird, an den Vergabeverfahren der eigenen Stadt teilzunehmen.
So werden zur Bewerbung für die Teilnahme an öffentlichen Verfahren zunehmend quantitative Aspekte wie Bilanzen, Mitarbeiterzahlen, Erklärungen über Gesamtumsätze und Versicherungspolicen sowie Referenzlisten mit bereits abgeschlossenen vergleichbaren Dienstleistungen abgefragt, die dem Grunde nach keinerlei wertbare Aussage zur entwurflichen und baulichen Qualität des Büros geben, sondern lediglich immer wieder diejenigen Büros bevorzugen, die bereits zuvor zum Zuschlag gekommen sind.“
Mehr zur Wettbewerbsinitiative Berlin, zur aktuellen Liste der Unterzeichner und zum Unterzeichnen des offenen Briefes: www.wettbewerbsinitiative.de
Ebenso erschreckend ist jedoch das von vielen Kollegen Wettbewerb und VOF Verfahren immernoch als alternative Verfahren angesehen werden. Dem ist nicht so. Ein Wettbewerb ist immer teil eines VOF Verfahrens. Jenes kann (richtig gestaltet) unserem Berufsstand durchaus zum Vorteil gereichen. Kein Architekt kann Wettbewerbe mit 200 Teilnehmern gutheisen. bedeutet dies doch das 199 Kollegen für den Papierkorb arbeiten, was für ein volkswirtschaftlicher Unsinn.
Als es noch mehr offene Wettbewerbe gab lagen die Teilnehmerzahlen bei 20-30. Die Chancen waren reell und der Arbeits- und Kostenaufwand für den Auslober geringer.
Verhandlungsverfahren sollten die Ausnahme werden, die Wettbewerbe offen. Der Markt wird es dann regulieren.
Viel sinnvoller wäre es, die Energie darin zu stecken, den Wettbewerb als "das" Regelverfahren in der VOF und das reine Verhandlungsverfahren als Ausnahme über das BMVBS hinzubekommen, dazu bedarf allerdings nicht nur die "Kammern" (das sind wir i.Ü. alle miteinander), sondern vor allem die Berufsverbände, aber die schlafen.........
es ist für die öffentlichen bauherren nur bequemer.
aber genauso wäre es für die hochbauämter auch bequemer, immer dieselben wohlbekannten, zuverlässigen baufirmen/handwerker zu beauftragen, auch bei millionenaufträgen. das gilt dann als korrupt und böse und schmierig-mauschelig.
aber wenn die zulassungskriterien so scharf formuliert werden, dass sie bundesweit nur auf eine handvoll büros zutreffen, dann soll das völlig legitim sein.
letzteres glaube ich nicht.
von daher: aufstehen lohnt sich.