Von Raumzelle bis Rhombusleiste
Oberschule von Kaden+Lager in Leipzig
Leipzig wächst. Um gut 4.000 Einwohner im Jahr 2020, trotz Corona-Pandemie, die ja für viele den Weg ins Umland bedeutete. Und weil mit der steten Bevölkerungszunahme auch die Anzahl der Schüler*innen steigt, brachte die Stadt Leipzig 2018 ein Schulbauprogramm in Höhe von 145 Millionen Euro auf den Weg. Einer der vier Neubauten des Programms ist die Oberschule am Barnet-Licht-Platz von Kaden+Lager. Gemeinsam mit dem Unternehmen Kaufmann Bausysteme aus Reuthe in Österreich hatte das Berliner Architekturbüro ein Bieterverfahren der Stadt gewinnen können. So entstand im Bundesland Sachsen die erste Schule in Holzbauweise, wie das Büro angibt.
Genauer gesagt: in modularer Holzbauweise. Denn die hölzernen Module bestimmen das Projekt in vielen Facetten, das dank der Vorfertigung in nur einem Jahr umgesetzt werden konnte. Holz ist bei diesem Schulneubau nicht nur struktureller Baustoff, wie etwa bei Münsters erstem Holzhochhaus, sondern auch in unterschiedlichster Verarbeitung im Innen- und Außenausbau sichtbar. Seit Beginn des noch laufenden Schuljahres ist die Oberschule am Barnet-Licht-Platz mit der charakteristischen Rhombusleistenfassade auch in Betrieb – soweit es die Pandemie eben zulässt. Kaden+Lager konzipierten die 8.100 Quadratmeter Bruttogrundfläche für insgesamt 672 Schüler. Die Schulneubau umfasst Klassen-, Fachunterrichts- und Aufenthaltsräume sowie eine Mensa.
In die starke Rasterung der Fassade – ein Effekt, der zwangsläufig durch den Einsatz der Module entsteht – brachten Kaden+Lager etwas Spiel: Auf der Platzseite ließen sie ein- und zweiflüglige Fenster alternieren und im Innenhof setzten sie Brüstungen vor die Fenster. Lamellen für den Sonnenschutz stechen außerdem an allen Seiten farblich hervor. Die Fensterformate richten sich jeweils nach der Nutzung und der Konstruktion mit den Raummodulen. Durch eine Holz-Pfosten-Riegel-Fassade an der Gebäudeecke zum Platz lösten die Architekt*innen die sonstige Rasterung auf und markierten mit großen Glasflächen den zentralen Zugang der Schule.
Den U-förmigen Baukörper positionierten die Architekt*innen so auf dem Grundstück, dass der Barnet-Licht-Platz als Vorplatz für das Schulgebäude dient. Auf der vom Platz abgewandten Seite entstand dadurch zugleich ein ruhiger Pausenhof. Mit seinen vier Vollgeschossen vermittelt das Schulgebäude in einer städtebaulich heterogenen Gegend nahe der Alten Messe zwischen hohen Häusern der Gründerzeit und niedrigeren Gewerbebauten nordöstlich der Schule. (sj)
Fotos: Bernd Borchardt
Kasernenhof bleibt Kasernenhof egal aus welchen Material. Soll das eine zeitgemäße Schule für das 21 JH. sein? Flure ohne Rückzugsmöglichkeiten, keine Räume für kleine Lerngruppen, Kreidetafeln !=?!? (Dafür kann der Architekt nichts, aber es steht sinnbildlich sehr schön für ein Gesamtkonzept aus dem letzten Jahrtausend) Sorry, aber ,dass hier Kollegen das Projekt so loben erschreckt mich. Hat keiner bis zu den Grundrissen geklickt? Was soll der Vorteil der Modulbauweise gegenüber Skelettbau sein? Möglichst hoher Materialverbrauch bei möglichst geringer Flexibilität? Die vergeigten Grundrisse kann man nur noch duch Abriss ändern, das ist nicht nachhaltig. 1 Jahr Bauzeit ist auch mit anderen Bauweisen machbar. Dass das Projekte im Bieterverfahren entstanden ist, zeigt, dass wir weiterhin dringend offene Wettbewerbsverfahren brauchen!
Holz. Wunderschön. Nützt aber rein sowas von absolut gar nichts, wenn die Architektur dadurch ins Hintertreffen gerät. Innen wie außen. Allein die Flure. Tote Fläche. Dunkle Fläche. Gefängnis. In Modulen kann man auch anders entwerfen. Hier sollte es wohl von vorneherein keine Hybridbauweise sein, dennoch: das Modul an sich ist schon mal daneben gegangen (Beispiel Fensteröffnung wie Brüstungshöhe wie Proportion an sich). Ich mag ja das Büro sehr, aber gute Entwerfer scheinen denen noch zu fehlen.......wenn ich das bemerken darf....siehe etliche ältere Projekte von denen inkl.(!) Heilbronn.
Das formalistische Dilemma setzt sich in der gewollten grafischen Organisation des Schulhofs fort. Da stimmt leider nichts. Hatten die Architekten einen Landschaftsarchitekten? Nun, ein guter Außenraum hätte die Schwäche der Architektur diesmal auch nicht retten können.