Bollwerk am Steilhang
Museum und Kulturforum von Bez + Kock in Arnsberg
Interessant ist, was man nicht sieht: 200 Mikropfähle zum Beispiel, die auf einer Länge von 1,5 Kilometern bis zu 15 Meter tief im Fels stecken und die bis zu 8.570 Tonnen tragen können. Oder die 500 Tonnen Beton, die zusammen mit 850 Quadratmetern Baustahlmatten und 300 Metern Drainage verbaut wurden. Alles, um das Wasser, das sich nach Regengüssen im Fels sammelt, abzuleiten und damit den 45 Grad abfallenden Steilhang, auf dem der Landsberger Hof steht, statisch zu sichern – und Platz zu schaffen für den Erweiterungsbau. Schließlich galt es, den denkmalgeschützten Hof, der seit 1937 das Sauerland-Museum beherbergt, nicht nur zu sanieren, sondern – um einen Neubau ergänzt – zum Museums- und Kulturforum Südwestfalen zu erweitern.
Umgesetzt hat die Sanierung im ersten und den Neubau im zweiten Schritt das Stuttgarter Büro Bez + Kock Architekten . Es stehen nun insgesamt 3.533 Quadratmeter Bruttogrundfläche zur Verfügung. Die Landschaftsplanung übernahm das Landschaftsarchitekturbüro Wiederkehr aus Nürtingen. Ganze 20 Meter liegt der Eingang zum Erweiterungsbau nun unter dem Eingang des Altbaus von 1605. Ein brückenartiger Verbindungsbau führt vom Untergeschoss des Bestands ins Obergeschoss des Neubau. Das entspricht auch dem Weg der Besucher*innen, der Zugang zum Museum erfolgt nämlich weiterhin ausschließlich über den Altbau.
Im Vergleich zum Wettbewerb, in dessen Anschluss die zweitplatzierten Bez + Kock 2012 im Vergabefahren den Zuschlag erhielten, erfuhr das Projekt eine vollständige Umplanung. Der ursprüngliche Entwurf sah einen in den Hang integrierten Neubau und eine Verbindung beider Gebäude über einen Tunnel vor, wurde aber auf Wunsch des Bauherrn, dem Hochsauerlandkreis, nach zwei Jahren Planungszeit noch einmal komplett überarbeitet. Zu teuer drohte die komplexe Baugrube zu werden, bei der sonst allein die Hälfte des Budgets vergraben worden wäre, so Martin Bez.
Gut für die Englische Promenade – der historische Fußweg unterhalb des Landsberger Hofs konnte auf diese Weise erhalten werden. Er führt nun unter der Brücke hindurch zur öffentlichen Dachterrasse des Neubaus. Dieser bietet 530 Quadratmetern zusätzliche Ausstellungsfläche und gliedert sich in drei Teile: einen großen Ausstellungssaal im Erdgeschoss, einen darüber liegenden Multifunktionssaal und ein geräumidges Treppenhaus mit Blick auf die Ruhr. (kat)
Fotos: Brigida González
Das war bestimmt ein spannender Prozess. Für mich sieht es so aus wie eine Fusion aus allen Preisträgern. Der Neubau kommt mit Körper und Erschließungsidee in meinen Augen dem 3. Preis am nächsten. :-----) Etwas zu wuchtig finde ich den Neubau, da er doch aus einigen Blickrichtungen das Schloss (zu sehr) verdeckt, aber der Neubau ist ja nun der Türsteher des Schlosses.
www.competitionline.com/de/beitraege/52959
ich finde es gelungen, schöne räume, eigenständiger bau