Geschichten unterm Riesenrad
Museum in Wien von Michael Wallraff
Ein Standort direkt unter dem Riesenrad im Wurstelprater, der das gesamte Areal im Blick hat: In Wien erzählt ein neues Museum die Geschichte des ältesten noch erhaltenen Vergnügungsparks der Welt. Auf dem frei zugänglichen Panoramabild im Erdgeschoss sieht man zudem die weitläufige Wald- und Wiesenlandschaft, die ebenfalls zum Prater gehört. Entworfen und umgesetzt haben das Projekt der Wiener Architekt Michael Wallraff und sein Team.
Wie das gesamte Areal ist auch das Pratermuseum als Standort des Wien Museums in kommunalem Besitz. Schon lange gibt es eine umfangreiche Sammlung mit zahllosen Objekten aus der Vergangenheit des Praters. Im regulären Betrieb des Stadtmuseums war für diese Geschichte allerdings immer zu wenig Platz. So entstand die Idee für ein eigenes Gebäude direkt vor Ort. Der Dreigeschosser wurde unmittelbar an der Straße des 1. Mai errichtet, einer der Hauptachsen des Wurstelprater. Zuvor befand sich dort eine Spielhalle.
Mit seiner zurückhaltenden Architektur soll sich das Gebäude bewusst von der grellen Umgebung absetzen. Ein entscheidender Aspekt des Entwurfs war das Thema Zugänglichkeit. Das Volumen ist durch die Zeile hindurchgesteckt, was zwei gleichwertige Eingänge ergibt. Dadurch können Besucher*innen auch einfach nur das Foyer des Museums durchqueren und das bereits erwähnte Wandbild von Olaf Osten bewundern. Städtebaulich wäre noch zu erwähnen, dass das Volumen rückwärtig in sanftem Schwung abfällt, um mehr Aussicht auf das Riesenrad zuzulassen – eine Vorgabe des Magistrats.
Im Inneren erwartet Besucher*innen zunächst des Foyer mit umlaufender Galerie. Eine gerade Treppe führt von dort in die beiden Ausstellungsgeschosse. Dort entfaltet sich auch der besondere Zauber des Ortes „voller wunderlicher Dinge, räumlicher Erlebnisse, Widersprüche und bunter Geschichten“, so Wallraff, ein „geordnetes Durcheinander aus Bildern, Objekten, Filmen, Texten, Treppen, Durchblicken, Einsichten, Berührungen, Fragmenten und Überraschungen“. Oben angekommen, können die Besucher*innen auf einen kleinen Balkon treten und einen Blick auf die reale Prater-Umgebung werfen. Darüber hinaus gibt es noch ein kleines Kino.
Umgesetzt wurde das Haus überwiegend als Holzbau, wenn man vom Aufzugskern, dem Fundament, Teilen der Erschließung und den Bodenbelägen absieht. An den Wänden und Decken geben außerdem sogenannte Klimapaneele des jungen Wiener Unternehmens abaton einen Hinweis auf das alternative Haustechnikkonzept. Die wasserführenden Paneele in Kombination mit einer Quelllüftung erlauben eine gleichzeitige Kühlung und Entfeuchtung der Räume, was insbesondere in einem Museum zu einer deutlichen Reduktion des Energieverbauchs führen kann. (sb)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Michael Wallraff
- Team:
- Michael Wallraff, Patrick Bayer, Lukas Allner
- Tragwerksplanung:
- ghp gmeiner haferl&partner
- TGA-Planung:
- TB Obkircher
- Brandschutz:
- Norbert Rabl
- Projektsteuerung und ÖBA:
- bau-control
- Auftraggeber:
- Museen der Stadt Wien
- Fläche:
- 400 m² Nutzfläche








