Ein Haus wie ein Möbel
Movable House von Rahbaran Hürzeler in der Schweiz
Mobil sollte das Haus sein, wie ein Möbelstück, dass sich einfach auf- und wieder abbauen lässt. Ein kleines, bewegliches Haus, geeignet für alle möglichen Umgebungen, Wald, Wiese und Stadt. Unter dem Titel „Movable House“ entwarfen Rahbaran Hürzeler Architekten aus Basel ein eben solches Haus: leicht, zerlegbar, gut zu transportieren und dennoch kein Provisorium. Es passt auf zwei Lastwagen.
Die Idee ist nicht neu. Sie heißen Portable Houses, Mobile Homes oder Tiny Houses, sind inspiriert von Zelt, Wohnmobil oder Hausboot. Kleine, aufs Nötigste reduzierte, transportable Häuser wurden und werden überall auf der Welt entwickelt, viele aber schaffen es über den Zustand eines Prototypen nicht hinaus. Oder bleiben am Ende doch als Fertigteilhaus an Ort und Stelle.
Rahbaran Hürzelers Entwurf ist Architektur ohne Ort, konzipiert ohne räumliche Referenz. Auch weil es anfangs gar kein Grundstück gab. Inzwischen steht der gläserne Pavillon in einem Reihenhausquartier im schweizerischen Riehen. Aufgebaut im elterlichen Garten des Bauherrn, der mit Familie einzog. Der Bauherr, Nico Ros, Partner bei ZPF Ingenieure und unter anderem bei der Planung des Kinderspitals von Herzog & de Meuron in Zürich tätig, war an der Tragwerksplanung seines Hauses mitbeteiligt.
Der 100 Quadratmeter große, quadratische Grundriss gliedert sich in vier sogenannte Kerne, verbunden durch eine Rotunde. Wohnen, Schlafen, Arbeiten, Kinderzimmer – die Nutzung der Räume ist flexibel. In den innenliegenden Elementen sind Bad, Gästetoilette und Küche untergebracht. Die ganze Konstruktion beruht auf vier tragenden Holkernen, die sich aus Furnierschichtholz aus Baubuche zusammensetzen. Gedämmte Fichtenholzelemente und dreifachverglaste Holzfenster bilden die Außenhaut.
Die auskragenden Dachelemente sind, um Gewicht zu sparen, nur sechs Zentimeter dick, bestehen aus fünf vorfabrizierten Betonelementen, ebenso die Bodenplatte. Alles ist lose: Die Bodenplatten liegen nur auf, Schrauben halten die Dachelemente zusammen. Wachs- und Salzmodule im Boden speichern Wärme und Kälte, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt Strom, eine Wärmepumpe mit Wärmetauscher die Wärme.
Alles an diesem Haus ist reduziert und minimiert, nichts ist verkleidet oder verputzt, Leitungen liegen sichtbar auf den Wänden, es gibt weder Fußleisten noch Tapete oder Gipskarton. Der zehn mal zehn Meter große Grundriss ist optimiert: 97 der 100 Quadratmeter sind Nutzfläche. Und so ist der Glaspavillon auch ein Experiment: Ein Jahr lang messen Forscher der Fachhochschule Nordwestschweiz den Verbrauch von Heizung, Wasser und Strom und prüfen, ob sich Decken- und Bodenelemente bewähren.
In nur zehn Tagen war das Movable House aufgebaut, rechnet man Erdarbeiten, Kanalisation und Fundament hinzu kommt man auf zwei Monate, trotz fehlenden Kellers. Denn auch ein transportables Haus braucht einen festen Stand, dazu Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss. Umgerechnet knapp 400.000 Euro zahlte der Bauherr für seinen Pavillon, ohne Fundament oder Grundstück. Der Preis für den mitunter teuren Boden käme noch obendrauf. (kat)
Fotos: WEISSWERT, Rahbaran Hürzeler Architekten
Aus heutiger Sicht liegt aber m.E. ein entscheidender Denkfehler vor: der Ansatz suggeriert, dass Orte/Flächen für Häuser in beliebiger Menge frei verfügbar wären. Das Gegenteil ist doch der Fall: Boden ist das knappste und wertvollste Gut. Das Haus sollte in jedem Fall am Ort bleiben, aber die Fähigkeit besitzen, sich zu wandeln. Gesamtökologisch und ökonomisch sicher günstiger, als Häuser auch noch in der Gegend herumzukarren.
ich verstehe nicht wo diese Kosten entstehen sollen, bei den verwendeten Materialien? PV und Wärmepumpen sind mittlerweile Baumarkt-Artikel. bei 2.000 € /m² hätte es eine Chance, so ist es leider reine ästhetische Minimalismus-Spielerei. Dafür kann man ein "normales" Haus bauen. Also warum dann das?
Der Vergleich mit Tiny Houses, Hausbooten etc. hinkt ebenfalls, denn 100qm sind weder tiny noch aus sich heraus mobil. Ab einer gewissen Größe bleibt ein Haus einfach eine Immobilie, also ortsfest.
Außerdem frage ich mich, wie die Demontierbarkeit der Decke im Zusammenspiel mit der sicher flächig verlegten Dachabdichtung funktioniert - und mit dem Kies. Dieser müsste dann ja erst mal vom dach gekratzt werden. Nichtsdestotrotz eine schöne Idee. Vielleicht können bei einem weiteren Bau auch die 400.000,- Baukosten gedrückt werden, die das Haus bei 100 qm doch recht teuer machen.