Campus Deutsche Bundesbank
Morger Partner Architekten gewinnen in Frankfurt am Main
Die Zentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main soll erweitert werden, und das brutalistische Bestandshochhaus von ABB Architekten inspiriert Vorstandsmitglied Johannes Beermann in seiner Einleitung zur Auslobung zu einer schönen Anmerkung: Im Béton Brut komme die Stabilitätskultur der bundesdeutschen Währungspolitik zum Ausdruck. Der Gewinnerentwurf des Basler Büros Morger Partner Architekten brächte nun allerdings die Zukunft aufs Gelände, wie die Jury unter Vorsitz von Arno Lederer anmerkt. Die filigranen Fassaden mit vorgesetzter Metallkonstruktion – man darf ruhig an Egon Eiermann in Stuttgart-Vaihingen denken – bildeten ein interessantes Spannungsverhältnis zur Tradition des Altbaus. Das Ergebnis des nichtoffenen hochbaulichen Realisierungswettbewerbs, an dem fast alle großen deutschen Büros teilgenommen hatten:
- 1. Preis: Morger Partner Architekten, Basel
- 2. Preis: KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt am Main
- 3. Preis: Schenker Salvi Weber Architekten / Franz und Sue, Wien
- 4. Preis: Ortner & Ortner Baukunst, Berlin
- 5. Preis: wittfoht architekten, Stuttgart
- 6. Preis: RKW Architektur + Rhode Kellermann Wawrowsky, Düsseldorf
- Anerkennung: Max Dudler, Berlin
- Anerkennung: Müller Reimann, Berlin
Ziel der Neubautätigkeit auf dem 11 Hektar großen Gelände im Stadtteil Bockenheim ist die Konsolidierung der bisher auf mehrere Frankfurter Standorte verteilten Zentrale der Deutschen Bundesbank. Insgesamt 5.000 Mitarbeiter*innen werden hier in Zukunft arbeiten, wofür ergänzend eine Bruttogrundfläche von rund 100.000 Quadratmetern entstehen soll. Diese Zahl umfasst nicht nur Büros, sondern auch ein Konferenzzentrum, Sportstätten, gastronomische Angebote, Tiefgaragen und eine Kita. Erhalten werden neben dem Haupthaus von 1972 die vorgesetzte viergeschossige Hauptkasse und das Geldmuseum von KSP an der Wilhelm-Epstein-Straße.
Wer mit Blick auf die Wettbewerbsbeiträge eine gewisse Ähnlichkeit hinsichtlich der Anordnung der geplanten Bauten feststellt, der täuscht sich nicht. Alle Entwürfe folgen einem recht detaillierten städtebaulichen Grundkonzept des Frankfurter Architekten Ferdinand Heide, der sich 2018 in einem ersten Wettbewerb durchsetzen konnten. Die prämierten Projekte unterscheiden sich denn auch vor allem hinsichtlich ihrer Genauigkeit in der Umsetzung dieser Vorgaben und natürlich der konkreten architektonischen Ausgestaltung. Dabei fällt auf, dass das erstplatzierte Projekt von Morger Partner insbesondere im westlichen Teil des Geländes die Volumen lockerer arrangiert. So erhält beispielsweise die Hauptkasse ein bauliches Gegenüber, was den Campusgedanken des Projekts stärkt. Nicht nur dies gefiel der Jury, sondern auch die geplante Umsetzung der drei obligatorischen Hochhäuser quer zum Bestandsriegel in einer Holzhybridbauweise mit viel Glas.
Der zweitplatzierte Entwurf von KSP Jürgen Engel Architekten steht mit einer starken repräsentativen Geste im deutlichen Kontrast zum angestrebten Campuscharakter. Die mittige Erschließungsachse wird hier von Kolonnaden gesäumt, die allerdings die Hauptkasse verstellen. Auch die Außengestaltung, die bei Morger Partner parkähnlich konzipiert ist, wird hier mit einer kurz getrimmten Vegetation dem Sichtbezug von der Straße aus unterworfen.
Das drittplatzierte Projekt von Schenker Salvi Weber Architekten und Franz und Sue aus Wien überrascht wiederum mit der größten Abweichung zum städtebaulichen Rahmenplan. Nur zwei deutlich gedrungener Hochhäuser sind hier gesetzt, von denen das eine noch dazu um neunzig Grad gedreht ist. Die reduzierten Hochhausflächen werden durch eine viergeschossige Sockelbebauung kompensiert. Diese Disposition würde das Gelände der Bundesbankzentrale in Zukunft deutlich verdichteter wirken lassen.
Dem Gewinnerprojekt von Morger Partner kann Vorstand Johannes Beermann übrigens auch mit Blick auf die heutige Rolle der Bundesbank etwas abgewinnen: „Die neue Architektur spiegelt mit dem Haupthaus und den drei identischen Scheiben rechtwinklig davor die Deutsche Bundesbank auch in ihrer Entwicklung wider: Unabhängig und stark aus Tradition, Teil des Eurosystems mit anderen nationalen Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank.“
Welche architektonischen Aspekte des Entwurfs schließlich realisiert werden, ist derzeit aber noch offen. Explizit wird in der Pressenotiz der Bundesbank noch einmal darauf hingewiesen, dass mit der Realisierung der einzelnen Gebäude auch verschiedene Büros beauftragt werden können – ein Verhandlungsverfahren soll nun bald Klärung verschaffen. Ab sofort sind die Entwürfe für das umfangreiche Vorhaben auch in einer Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum zu sehen. (sb)
Ausstellung: 16. Juli bis 18. Oktober 2020
Ort: DAM, Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main
www.dam-online.de
Natürlich kenne ich die Stelle, ich wohne im Westend. Anscheinend kennen Sie den Standort aber nicht. Darf ich Sie bitten einmal Google Maps oder vergleichbares zu öffnen und nachzusehen an welcher Stelle die Bundebank Ihr Gebiet hat? Mitnichten "vor" der Stadt sondern mitten im Norden der Stadt. Im Grunde ähnlich gelagert wie die EZB, bzw. deren Hochhaus, das an dieser Stelle eigentlich auch nichts zu suchen hat. Das ist gar keine andere Situation. Deren Turm war nicht vorgesehen im Hochhausrahmenplan der Stadt und wurde trotzdem genehmigt, der eigenen Bundesbank verneint man aber ein Hochhaus. Glauben Sie mal nur nicht, dass es Herrn Josef um das Stadtbild ginge. Und selbstverständlch hat es Hochhaus-Entwurfsideen gegeben die hinter den Langbau sogar komplimentiert hätten und sehr wohl auch zum Ginnheimer Spargel (Fernsehturm) gepasst hätten. gerade ein mittig plazierter Turm in ähnlicher Formensprache hätte Wunder gewirkt. Das Europaviertel hat mit der Thematik der Bundesbank rein gar nichts zu tun und es ist ein Rätsel warum Sie das anbringen. Aber mma, es bringt nichts weiter zu sprechen, denn das Ergebnis entspricht ja Ihrem Gusto und daher sollte doch alles gut für Sie sein. Beste Grüße
Der Planungsdezernent Josef und die Stadt haben dies aus dubiosen Gründen nicht gestattet, man munkelt dass die EZB (mit Ihrem Turm von 181m) keinen Gegenspieler in der Architektursprache haben wollte. So kam es zu den engen Vorgaben um die gewünschte qm² Zahl zu erreichen. Eine Stadt der Hochhäuser lässt ein absolut wichtiges Prestigehochhaus nicht zu und beruft sich dabei auf einen nicht juristisch bindenden Hochhhausrahmeplan. Es wurden in den letzten Jahren genug Hochhäuser an Stellen errichtet die nicht im Plan vermerkt waren. Komisch ist es dann nur immer wenn das Planungsdezernat dann sagt ein Turm können hier oder da nicht gebaut werden da er ja nicht im Plan vorgesehen sei. Man dreht es sich immer hin wie man will und wie es politisch gewollt ist. Das traurige belanglose Ergebnis kann man ja hier nun betrachten.
Weder die Wettbewerbsaufgabe noch die Ergebnisse bieten Anlass für diese ausführliche Dokumentation, weniger ist manchmal immernoch mehr.
aus meiner westlichen ostplattenerfahrung waren diese Siedlungen wie auch oft im Westen von innen durchaus brauchbar aber von außen nicht fertig, weil der Freiraum, die Nähe nicht gestaltet war. Ein gut durchgestaltetes Raster kombiniert mit gestaltetem Freiraum ist durchaus wohnlich. Privat schätze ich aber durchaus die Erdung durch einen Altbau, gerade bei einem Kopfberuf. Das Behnischufo ginge auch. Komisch das das wurst ist bei aller Gegensätzlichkeit. Hauptsache der Nahbereich ist hell mit viel Außenbezug