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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Mixed-Use_in_Bordeaux_von_Marjan_Hessamfar_-_Joe_Verons_und_Moon_Safari_8096332.html

07.12.2022

Zwei Gesichter am Kai

Mixed-Use in Bordeaux von Marjan Hessamfar & Joe Verons und Moon Safari


Im Sommer 2017 überschlugen sich die Meldungen zu Fertigstellungen in den Bassins à flot nördlich der Innenstadt von Bordeaux regelrecht. Einstmals waren die an der Garonne gelegenen Hafenbecken ein wichtiges Handelszentrum und dementsprechend geprägt von maritimer Infrastruktur, bis der Hafen in den 1980er Jahren flussabwärts verlegt wurde. Seit 2010 treiben die Stadt, der Gemeindeverband Bordeaux Métropole und die lokale Hafenbehörde auf den umgebenden Arealen daher ein breitangelegtes Stadtentwicklungsprojekt voran. Den Masterplan lieferten ANMA Agence Nicolas Michelin & Associés gemeinsam mit dem Atelier des Bassins. Seither entstanden rund um die Docks auf etwa 160 Hektar Brachfläche große neue Stadtbausteine, die das zuvor hauptsächlich gewerblich geprägte Gebiet mit diversen Nutzungen anreichern.

Finden sich nordöstlich der Hafenbecken zuvorderst verschiedene Wohntypologien wieder – darunter auch mehr oder weniger gemeinschaftliche Angebote – vereint der 2021 von Marjan Hessamfar & Joe Vérons architectes associés zusammen mit Moon Safari architecture & urbanisme fertiggestellte Komplex auf der gegenüberliegenden Kaiseite mehrere Funktionen in sich. Auf zusammengenommen etwa 115.000 Quadratmetern Geschossfläche werden rund 5800 Quadratmeter Büroräume, 2900 Quadratmeter für Geschäfte im Erdgeschoss sowie 6500 Quadratmeter für zwei Hotels geboten.

Formal suchen die Architekt*innen Anschluss an die industrielle Vergangenheit des Areals, was sich bei einem Blick auf die übrigen Gebäude ringsum als bereits häufig bemühtes Motiv herausstellt. So sollen die Giebelformen des in mehrere Baukörper aufgeteilten Volumens an die ehemaligen Fabriken und Warenhäuser erinnern, und auch die verwendeten Materialien spiegeln den Kontext wider. Präsentiert sich das Gebäude straßenseitig mit einer Fassade aus dunklen handgeformten Terrakotta-Ziegeln und tiefen Fensterlaibungen in robust urbanem Auftreten, wirkt es in Richtung der Hafenbecken fast entmaterialisert. Die Hülle aus hellem Aluminium-Gewebe nimmt hier sicher auch Bezug auf die vielen Metallfassaden in der Nachbarschaft.

An den beiden Stirnseiten des Baus markieren ihn weithin sichtbar je zwei versetzte, hochaufragende Scheiben, von denen jeweils eine das Treppenhaus aufnimmt. Die Hotelzimmer verteilen sich im westlichen Teil ringsum einer Terrasse im ersten Obergeschoss, die Büroräume befinden sich mitsamt einem zweiten, zum Wasser hin geöffneten Hof in der anderen Gebäudehälfte. Die Zugänge zu den ebenerdigen Geschäften sind vom Kai aus organisiert, die übrige Erschließung erfolgt von der Straße aus. Gestaltet sich das Projekt in der Außenansicht durchaus ansprechend und dem Ort angemessen, sind in Sachen Konstruktion (Stahlbetonskelett), Grundrissaufteilung und Klimagerechtigkeit keine nennenswerten Ansprüche zu erkennen.

Zusammen mit vier weiteren Blöcken entlang der Rue Lucien Faure ist der Bau Teil des Sanierungsprogramms Quai des Caps. Direkt nebenan wurden bereits ein Parkhaus, ein Kino sowie weitere Geschäfte, Büros und Hotel fertiggestellt. Insgesamt gehört es zwar zum erwähnten kommunalen Stadtentwicklungsprojekt Bassins à flot, verantwortlich für die Umsetzung dieses Abschnitts sind hier aber die privaten Immobilienunternehmen Fayat Immobilier und Pitch Promotion. Die Baukosten werden mit rund 21,8 Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer) angegeben. (mh)

Fotos: Ivan Mathie


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