Kraftpaket
Mensa in Greifswald von MGF Architekten
Kreuzungsfreie Erschließung, das klingt nach Verkehrsplanung, und ganz falsch ist diese Assoziation bei der neuen Mensa des Universitätsklinikums Greifswald nicht. Hier gehen nämlich nicht nur ein paar Studenten essen, auch das gesamte Krankenhaus wird von hier aus bekocht. Großküche ist da nicht mehr der richtige Begriff, bei 6.000 Essen pro Tag handelt es sich um eine innerstädtische Produktionsanlage. Errichtet haben das Gebäude MGF Architekten aus Stuttgart, die 2008 den Wettbewerb gewinnen konnten.
Die räumliche Entzerrung der verschiedenen Nutzergruppen erfolgt durch die geschickte Verteilung der Funktionen auf zwei Geschosse. Individuellere Angebote wie Restaurant und Cafeteria sind im Erdgeschoss zu finden und werden direkt vom Platz aus erschlossen, auf dem im Sommer auch gegessen werden kann. Die Produktionsküche samt dem Speisesaal mit seinen 600 Plätzen – also die eigentliche Mensa – befindet sich im Obergeschoss.
Deren Erschließung erfolgt über getrennte Auf- und Abgänge, die in einer zentralen Halle münden. Diese ist durch Zugänge im Norden und Süden erschlossen, so dass die Mensa städtebaulich zu einem Bindeglied zwischen Bibliothek und Klinikum wird. Die Anlieferung erfolgt dagegen ungestört mittels überdachter Rampen im westlichen Teil des Gebäudes, während das Klinikum die fertigen Mahlzeiten über einen unterirdischen Versorgungstunnel erhält.
„Eine Mensa ist mehr als ein Dach über dem Essenstablett. Sie ist ein Ort der Kommunikation“, verkündete Thomas Behrens, damals Kanzler der Universität, schon anlässlich des Wettbewerbs. Die Architekten haben diese Idee auf wohltuend nüchterne Art umgesetzt, ohne auf eine steinerne Ästhetik zurückzugreifen, die weder der Campus-Umgebung noch der Bauaufgabe entsprochen hätte. Das industrielle Ambiente ist außerdem ideal für eine weitere wichtige Nutzung: Am Wochenende wird die Mensa zum minimalistischen Partyraum, der einem zeitgenössischen Club in nichts nachsteht. (sb)
Fotos: Christian Richters
Aber wenn ich das richtig verstehe, steht die in Deutschland mit einer EnEV. Wie geht denn das eigentlich ohne geschlossene Wände und ohne außenliegenden Sonnenschutz?
Da keine Öffnungelemente zu sehen sind, ist ja eh eine Lüftungsanlage nötig, die allerdings auch gleich die Kühlung übernehmen muss.
In der Beziehung ein Bau des letzten Jahrhunderts, aber schick gemacht!
Das gleiche gilt für die Außenraumgestaltung. Undefiniertes Abstandsgrün gibt es in der Umgebung genug. Die großzügigen Kies- und Pflasterflächen bieten Raum für Aneignung und vielfältige Aktivitäten.
Glückwunsch zum aufrechten Gang, MGF.
@peebee:
"Messerscharfe Detaillierung und hochwertige Ausführung":
Mag sein, dass hier technisch & funktional alles richtig gemacht wurde. Aber was nützt es, wenn gestalterisch das Thema verfehlt wurde? Natürlich ist eine Mensa letztlich AUCH ein Zweckbau. Ein in jeder Richtung abweisender Solitär, kalt wie eine Hundeschnauze, ohne erkennbare städtebauliche Bezüge...
Beim Anblick des kahlen Platzes friert man förmlich. Aufenthaltsqualität gleich null.
Die bösen Spitznamen der Nutzer für diesen Bau sind da nur verständlich und irgendwie auch treffend. Studentenleben war schon mal lustiger.
nur Interessehalber - weiss jemand obs da natürliche Belüftungsmöglichkeiten des Speisesaales gibt? So als ein wesentlich "nachhaltiger" Aspekt für jedwede Typologie, und insbesondere von der öfftl. Hand immer eingefordert...
und hier beschweren sich die Architektenkollegen??