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16.03.2016

Wilde Postmoderne

Mediathek in Angouleme


Gestapelte Baukörper, gefächerte Konturen, eine piranesi-eske Freitreppe zieht Diagonalen durch den Raum, ein Treppenhaus hängt als geschlossener Kubus von der Decke – Loci Anima (Paris) haben einen wilden Bau in die südfranzösische Stadt Angoulême gesetzt. Die neue Mediathek liegt direkt am Bahnhof in einem ehemaligen Industriegebiet. Als neues, aufregendes Bildungszentrum soll das Gebäude das Stadtviertel aufwerten.

Das Pariser Büro hat sich für das Gebäude mit seinen zahlreichen, spitz zulaufenden Achsen und Fluchten auch ein phantasiereiches, metaphorisches Programm ausgedacht. Fünf gestreckte Quader haben die Architekten so gestapelt und versetzt, dass sie ein A bilden. Es soll das griechische Alpha nachbilden, das gleichsam als Symbol für das Universum fungiert. Die Baukörper mit ihren Fassadenverkleidungen aus fünf verschiedenen Materialien versinnbildlichen Planeten, die Loci Anima mit Eigenschaften der Bildung und des Lesens in Verbindung bringen: Anthrazit steht für Saturn und soll mit dem Schaffen verbunden werden, Silber symbolisiert den Mond, der wiederum die Fähigkeit zu begreifen vermitteln soll, Bronze soll Jupiter darstellen, der auf die Einbildungskraft verweist, Kupfer ist der Stoff für Mars sowie die Handarbeit und schließlich steht Gold für – wie kann es anders sein – die Sonne. Sie ist das Sinnbild für die Vorstellung vom Jenseitigen.

Diese üppig beladene Symbolik des Gebäudeäußeren lösen Loci Anima im Inneren mit Humor und Verspieltheit auf. Möbel ersetzen sie durch überdimensionierte Wäscheklammern oder Reißzwecken. Einzeltische isolieren sie mit Holzrahmungen zu kleinen Studierzellen, wohingegen Riesentische für Gruppen gestaltet wurden. Auf jeder Etage weiten die Architekten den Innenraum über bepflanzte Terrassen nach außen hin aus. Um individuelle Aneignung eines öffentlichen Baus und Imagination soll es hier gehen. Einmal die bombastische Planetenmetaphorik und dann eine Alice-im-Wunderland-Phantasie. Etwas unentschlossen scheint das Team um Architektin Françoise Raynaud zu sein, in der Attitüde aber schön fein postmodern. (sj)

Fotos: Philippe Le Roy


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