Ein Alien im Wunderland
Masterplan für New Town in China vorgestellt
Im Südwesten der Volksrepublik China in der Nähe des „Provinzstädtchens“ Guiyang wird ein städtisches Experiment geplant: Mitten in der Landschaft soll das neue Stadtzentrum Huaxi entstehen – eine New Town, die sich in die Landschaft einfügt. Seit letztem Sommer arbeitet an dem Projekt Huaxi city centre eine Architektengarde elf international renommierter Büros:
- Atelier Manferdini (Los Angeles)
- Bjarke Ingels Group BIG (Kopenhagen)
- Dieguez Fridman (Argentinien)
- Emergent Tom Wiscombe (Los Angeles)
- HouLiang Architektur (Shanghai)
- JDS (Kopenhagen)
- MAD (Peking)
- Mass Studies (Seoul)
- Rojkind Arquitectos (Mexiko)
- Serie (UK/Indien)
- Sou Fujimoto Architects (Japan)
MAD koordinieren das gesamte Planungsprojekt und haben in Zusammenarbeit mit dem Shanghai Tongji Urban Planning and Design Institute den Masterplan für das Gebiet erstellt. Laut MAD werde die Stadt nicht länger von der verbliebenen Logik der industriellen Revolution bestimmt, sondern sie folge in Zukunft den instabilen Gesetzen der Natur. Ihr städtisches Experiment in China sei aber noch lange keine Realität und soll zunächst ein Anstoß für neue Konzepte und Überlegungen sein.
Da jedes Büro für die Planung eines bestimmten Teils zuständig war, ist eine Serie individueller, organischer Gebäude entstanden, die allesamt aus der Landschaft zu wachsen scheinen. Wir finden, die chinesische New Town könnte ein idealer Drehort für einen Film mit dem Titel „Ein Alien im Wunderland“ sein. Die ersten Ergebnisse aller futuristischen Gebäudeskulpturen sind in unserer Bildergalerie zu sehen.
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Eigentlich ein interessanter Ansatz, der mit den vorgestellten bisherigen Ergebnissen hoffentlich nicht den Abschluss findet. Eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem Thema Natur bzw. genius loci und neuen Wohnformen scheinen mir nur die Ideen von mass studies und serie zu verfolgen. Die verschiedenen Hochhäuser wachsen nicht wie behauptet aus dem Boden, sondern sind genauso aufgesetzt (und deplatziert) wie die bekannten Kisten. Ein bischen Drehung hier, ein wenig Schiefes dort und das Bemühen um notwendigerweise nicht vorhandene "natürliche Labilität" durch organische Formen machen noch keinen neuen Typus, weder in architektonischer noch in städtebaulicher Hinsicht - das ist zugegebener Maßen, um es vorsichtig zu formulieren, auch nicht einfach. Wie gesagt: Der Ansatz als solcher in allen Ehren - hoffentlich bleibt es nicht dort stecken.
Trotz der Betonung des vorläufigen Experimentalcharakters: die von fujimoto architects "weggeworfenen Pommes" , die niemand mehr essen mochte, sind auch als Studie ein Schlager der üblen Sorte.
Und in der Realitaet wird folgendes passieren: 1. Der Buergermeister und die Kommunistische Partei sind ganz begeistert und fangen sofort an, das Strassennetz zu bauen; 2. Die so entstehenden Landparzellen werden zu exorbitanten Preisen an lokale Developer verkauft; 3. Die Developer stellen fest, dass die Architekturentwuerfe unbaubar sind; 4. Die Parzellen werden nach Schema F mit 30-stoeckigen Wohnhochhaeusern und vielleicht ein paar Villen bebaut - so wie ueberall in China auch; 5. Von den dargestellten Entwuerfen wird NICHTS gebaut werden - garantiert! Wenn ueberhaupt, dann ueberlebt vielleicht das Strassennetz (siehe Punkt 1.) - aber das war ja vielleicht nicht direkt die grosse Staerke von MAD's Entwurf....