Bündnis bezahlbarer Wohnraum
Maßnahmenpaket vorgestellt
Das Bündnis bezahlbarer Wohnraum hat sich auf ein gemeinsames Maßnahmenpaket geeinigt, das gestern von Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundesbauministerin Klara Geywitz im Bundeskanzleramt vorgestellt wurde. Das Ende des angestoßenen Prozesses sei erst erreicht, wenn 400.000 Wohnungen im Jahr gebaut werden können, betonte Geywitz im Rahmen der Pressekonferenz. Für mehr Tempo bei der Umsetzung soll auch das serielle und modulare Bauen sorgen.
Von Sara Lusic-Alavanja
Ausgearbeitet wurden die Maßnahmen für eine Bau-, Investitions- und Innovationsoffensive vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und 35 Bündnispartnern, bestehend aus Ländervertretungen und kommunalen sowie Wohnungs-, Bauwirtschafts- und Branchenverbänden. Das Erreichen der Klimaziele, so Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), dürfe nicht wegführen „von dem Ziel, bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen“. 14,5 Milliarden werden dafür vom Bund für die Förderung des sozialen Wohnraums bis 2026 zur Verfügung gestellt. 100.000 öffentliche geförderte Wohnungen sind weiterhin das ausgesprochene Ziel. Dabei sei es wichtig, Stück für Stück voranzukommen. Zusätzliche Mittel müssten die verantwortlichen Länder beisteuern.
Den Spagat zwischen Klimazielen auf der einen und der Notwendigkeit, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen auf der anderen Seite macht nicht zuletzt die Auffächerung des Maßnahmenpaketes in 187 Punkte deutlich. Wie schon beim Bündnis-Auftakt im April verlautbart, gelte die Priorität im Erreichen der Ziele der Nachverdichtung, den Aufstockungen, Sanierungen und Umnutzungen sowie der Reaktivierung von Leerständen. Bereits im nächsten Jahr soll ein KfW-Darlehen dabei den Eigentumserwerb als Mittel zur Altersvorsorge fördern. Derweil gerät die Bezahlbarkeit des Wohnens aufgrund der hohen Gas- und Strompreise und den Konsequenzen der Inflation zusätzlich in Bedrängnis.
Neben milliardenhohen Investitionen steht auch die Verkürzung von Planungsprozessen und Bauzeiten durch seriellen Wohnungsbau auf der Agenda. Das Maßnahmenpaket sieht dabei eine Ausweitung der Typengenehmigung auf alle Länderverordnungen, eine im kommenden Jahr umzusetzende Nachfolgevereinbarung des Rahmenvertrags „Serielles und modulares Bauen“ und die Einrichtung einer Geschäftsstelle und eines Runden Tisches zum Thema im Laufe der Legislaturperiode vor. Gefördert werden sollen zudem Bauprodukte, die sich besonders im Hinblick auf ihren Lebenszyklus als nachhaltig erweisen, um die zunächst höheren Kosten des Einsatzes auszugleichen. Hierzu gehören etwa Bau- und Dämmstoffe sowie Gebäude- und Heiztechnik mit „besonders treibhausgas-, aber auch energie- und ressourcenarmer Lebenszyklusbilanz in Bezug auf das gesamte Bauwerk“.
Weiter an Bedeutung gewinnen soll das Erbbaurecht: Die Sozialbindung könne, so heißt es im Papier „mit dem Grundstücksnutzer über die gesamte Laufzeit eines Erbbaurechtvertrags und somit über einen deutlich längeren Zeitraum als bei einem Grundstücksverkauf vereinbart werden“. Vorgesehen ist zudem eine Verstärkung der Vergabe von kommunalen Grundstücken im Konzeptverfahren. Immerhin lässt sich hier durch den „Fokus auf die Bezahlbarkeit des Wohnraums sowie den sozialen und ökologischen Nutzen“ langfristig Einfluss auf die Planung nehmen.
Die Reaktionen der Verbände fallen indes unterschiedlich aus. Während der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie aufgrund der aktuellen Lage „mehr Wucht im Wohnungsbau“ fordert, zeigt sich die Bundesarchitektenkammer angesichts des Maßnahmenkatalogs optimistisch und sieht Spielraum gegeben: „Experimentierklauseln sollen in der Bauordnung den Weg für dringend notwendige Innovationen jenseits des strengen regulatorischen Korsetts frei machen. Dies wird ein Anknüpfungspunkt für die BAK-Initiative zum ‚Gebäudetyp E‘ sein“, heißt es in einer heute veröffentlichten Stellungnahme. Ebenso finde sich im Maßnahmenpaket die eingebrachte Forderung wieder, Baugenehmigungsverfahren zu digitalisieren.
Der Maßnahmenkatalog, so Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD), sei allerdings erst ein Zwischenschritt auf dem Weg zu mehr bezahlbarem Wohnraum. Bereits im Dezember soll die nächste Sitzung des Bündnisses stattfinden.
Zu den Maßnahmen für eine Bau-, Investitions- und Innovationsoffensive: bmwsb.bund.de.
Am Dienstag, 8. November 2022 findet im DAZ in Berlin ein BDA-Politik-Talk mit Bundesbauministerin Geywitz zum seriellen Sanieren und Bauen statt. Mehr Info unter bda-bund.de
Wirtschaften heisst vor allem Wettbewerb. Um gute Ideen, um Standorte, um die besten Köpfe und Mitmacher. Geldraushauen kann jeder Idiot. PS.: Oje. Alles im Leben ist für die, die es sich leisten können. Alles andere ist Nonsense.
Oder ich Ihren Sarkasmus nicht erkannt habe. Denn die Aussage "Dann gehen die Leute auch aufs Land!" beinhaltet mehrere Punkte: 1. Städte sind für die, die es sich leisten können 2. Unverholene Glorifizierung der Gentrifizierung 3. Förderung der Lebenszeitverschwendung durch lange Arbeitswege für die gewünschte "Landbevölkerung" 4. 0,0 Kenntnis über Lebenswerte Städte (Próspera in Honduras ist/wird das Ergebnis des zu Ende gedachten Gedankens Ihres Satzes) Ich möchte mal sehen wie die Ihre "Steuerung" bei Gebäuden wirken soll an denen ich täglich vorbeifahre. Zum einen stehen in einem großen Neubaugebiet (Fertigstellung in den letzten 3 Jahren) massiv Wohnungen leer, welche nie oder zu horrenden Preisen auf den Wohnungsmarkt kommen. Und dies weil Unternehmen diese zum Teil als reine Spekulationsobjekte gekauft haben (keine Mutmaßung - ich weiß es aus erster Hand). Um hier Ihren Schlusssatz abzuwandeln: Es gibt keinen Anspruch auf Rendite! Bewusste Provokation: Lebenswerte Stadt > Rendite Zum anderen stehen alte sanierungsbedürftige Gebäude (welche teilweise auch einem verdichtenden Neubau platz machen könnten) leer, weil Erbengemeinschaften sich nicht entscheiden können in privaten Kleinkriegen verlieren. (auch keine Mutmaßung, sondern Wissen) ...
Hoch lebe die segregierte Stadt!!