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22.03.2019

Schärfe und Unschärfe

Marcel Meili ist tot


Seit heute morgen erscheint ein schwarz-weißes Portrait von Marcel Meili auf der Webseite seines Zürcher Büros: Er lehnt an einer Wand, trägt Jackett und Hemd mit offenem Kragen, Zigarette in der Hand und wirft einen direkten, nachdenklichen Blick in die Kamera, als grübelte er im Moment der Aufnahme noch über die Formulierung in einem seiner Artikel, die Titel wie „27 Gedanken zum Thema Serendipity“ (2010) oder „Stilpluralistische Schärfe“ (2013) tragen. Unter dem Bild auf der Internetseite ist nichts weiter vermerkt als: „Marcel Meili, 1953–2019“

Der Schweizer Architekt, ETH-Professor und Autor zahlreicher architekturtheoretischer Texte ist am Montag, 18. März 2019, verstorben. Nur wenige Tage zuvor hatte Meili noch die Nachricht erhalten, gemeinsam mit seinem Büropartner Markus Peter mit dem Prix Meret Oppenheim ausgezeichnet zu werden. In Empfang kann er den Preis im Juni nun nicht mehr nehmen.

Meili plante und baute mit seinem Büro Meili, Peter Architekten (Zürich, München) größtenteils in der Schweiz: Sie stellten 2000 das Wissenszentrum der Swiss Re in Rüschlikon fertig, in Zürich 2004 das Park Hyatt Hotel und 2014 das Hochhaus Zoelly. Meilis Architektur vermittle „eher ungefähre Ahnungen als glasklares Verständnis“, beschreibt Axel Simon für die Zeitschrift Hochparterre das Gefühl, ist man einmal mit Meilis starken Gebäudefiguren und ihrer ausformulierten Tektonik konfrontiert. Durchaus aneckend ist auch der Erweiterungsbau seines Büros für das Sprengel Museum in Hannover aus dem Jahr 2015. Ganz aus dunklem Beton und mit einer Tendenz zu den radikalen, großformatigen Formen des historischen Brutalismus wurde das Gebäude in der Lokalpresse schnell als „Bunker“ oder „Brikett“ bezeichnet. Ein genauer Blick auf die Setzung der Fenster und die Komposition des Innenraums zeigt aber, dass diese Architektur alles andere als schwer ist.

Meili war immer auch Autor und Lehrer. Zwischen 1987 und 1999 war er Dozent an der Internationalen Sommerakademie in Berlin, Gastdozent an der Harvard Universität Cambridge USA und an der ETH Zürich tätig. 1999 wurde er zum ordentlichen Professor an der ETH Zürich berufen, seine Antrittsvorlesung hielt er über die unscharfen Konturen des Architektenberufs, dessen Aufgabe sich „wie
bei einem Virus am klarsten über Antikörper“ beschreiben ließe. Zusammen mit Jacques Herzog, Pierre de Meuron, Roger Diener und Christian Schmid leitete er das ETH Studio Basel / Institut der Stadt der Gegenwart in Basel. In diesem Zusammenhang trat Meili 2005 auch als Ko-Autor von „Die Schweiz. Ein städtebauliches Portrait“ auf – mittlerweile ein Standardwerk zur Entwicklung des Alpenlandes.

Mit Markus Peter gründete Marcel Meili 1987 das Büro. Im Jahr 2016 entstand das zusätzliche Büro Meili, Peter & Partner Architekten unter der Leitung von Markus Peter, Patrick Rinderknecht und Alice Hucker. (sj)


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