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16.01.2026

Prolog zum Einfamilienhaus

Lagerhalle von Meier Unger Architekten bei Altenburg


Seit circa vier Jahren tauschen sich Meier Unger Architekten mit einem privaten Bauherren in Altenburg aus, der sich von den Leipziger Architekt*innen ein Einfamilienhaus bauen lassen möchte. Corona-Nachwehen und andere Faktoren führten dazu, dass aktuell zwar ein Entwurf vorliegt, der Bau in einem Dörfchen nahe der ostthüringischen Kreisstadt aber noch nicht begonnen hat.

Dafür konnten die Architekt*innen am Rande des Grundstücks im November letzten Jahres eine kleine Lagerhalle fertigstellen. Die Bestandsertüchtigung samt Erweiterung kann als Prolog zum großen Neubauprojekt verstanden werden, der dem Bauherren anschaulich vor Augen führte, wie Meier Unger aus einer maximal schlichten Aufgabe ein kleines, feines Stück Architektur schufen.

Aufgabe war es, zwei bestehende Schuppen aus DDR-Zeiten zu ertüchtigen, sodass sie als (unbeheizte) Lagerräume genutzt werden können. Einer der beiden Bestandsbauten stellte sich jedoch im Planungsverlauf als zu marode heraus. Er wurde schließlich durch einen Neubau ersetzt, der direkt an den bestehenden gesetzt wurde. Den Neubau realisierten die Architekt*innen als Holzständerbau auf einer Bodenplatte, die wiederum im hinteren Bereich wegen der leichten Neigung des Grundstücks aufgebordet wurde.

Offensichtlich liegt der architektonische Spielraum bei einem solchen Projekt vor allem in der Gestaltung der Fassaden. An der langen Front entschieden sich die Architekt*innen für maximale Praktikabilität und arbeiteten durchgehend mit Schiebetoren. Nur an der linken Ecke blitzt ein Stück des Bestands hervor. Hier und an der angrenzenden Schrägseite wurden die DDR-Betonsteine weiß gestrichen, um sie mit feinem Verfremdungseffekt in Szene zu setzen. Die Fensterscheibe an dieser und der gegenüberliegenden Schmalseite sind pragmatisch mit Metallwinkeln und einer abdichtenden Gummilippe vor den Wandöffnungen installiert.

Die Schmalseite des Neubauteils überrascht mit einer Verkleidung aus leicht versetzten Holzplatten. Das sieht sehr nach Re-Use aus, was sich in den unterschiedlichen Längen des Materials widerzuspiegeln scheint. Doch dieser Eindruck trügt, erklärt Lena Unger. Tatsächlich geht der große Versprung auf eine gestalterische Entscheidung im Zusammenhang mit der Aufbordung der Bodenplatte zurück. Und der Versprung unterhalb des Fensters ergibt sich daraus, dass die Architekt*innen nach dem Arbeitseinsatz des Holzbauers entschieden, die restlichen Bretter nicht auf das Maß unterhalb des Fensters einzukürzen.

Damit zeigt sich hier im kleinen, was die Bauten von Meier Unger immer wieder auszeichnet: eine spielerische Balance zwischen handwerklichem Pragmatismus und architektonischer Gestaltung, die die strengen Sehgewohnheiten der Disziplin immer wieder mit Nonchalance herauszufordern weiß. (gh)

Fotos: Philip Heckhausen, Meier Unger Architekten


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