Maggie in Aberdeen
Krebshilfezentrum von Snohetta eröffnet
„Menschen mit Krebs brauchen Orte wie diese“ – das ist der Wahlspruch der Maggie's Cancer Caring Centres, die von einer Stiftung überall im Vereinigten Königreich errichtet und betrieben werden. Diese Zentren sind an Krankenhäuser angegliedert, sind aber selbst keine Behandlungseinrichtungen. Sie dienen Krebskranken zur Kommunikation und Begegnung und bieten ihnen Hilfe und Unterstützung an.
Ein Merkmal dieser Krebshilfezentren ist, dass sie auch von namhaften Architekten entworfen werden, so von Richard Rogers in London, von OMA in Glasgow, von Kurokawa in Wales und jetzt auch von Snøhetta (Oslo) im schottischen Aberdeen. Das dortige Zentrum wurde letzten Montag offiziell eröffnet.
Kjetil Thorsen, Prinzipal von Snøhetta, sagte zu dieser Bauaufgabe, das Gebäude sei „zwar klein von der Größe, jedoch unvergleichlich viel größer von seinem Inhalt“. Es steht auf einer bisherigen Freifläche am Foresterhill Hospital in Aberdeen am Rande des Westburn Field, es ist damit einerseits mit dem Krankenhaus verbunden, hält sich andererseits aber baulich unabhängig. In einer Reihe von bestehenden Bäumen angeordnet, öffnet sich das Gebäude zum Feld und empfängt Sonnenlicht von Süden und Westen.
Das Zentrum ist als Pavillon im Park konzipiert. Eine „weiche“ äußere Form umhüllt das gesamte Zentrum und begrenzt den Garten im Innenhof. Die äußere Schale bestimmt den räumlichen Rahmen für das Zentrum, während die holzverkleideten inneren Volumen die intimeren Räume beherbergen. Hauptsächlich im Erdgeschoss gelegen, hat das Zentrum kleinere Mezzaninflächen für Büronutzungen im Obergeschoss.
Der Innenhof bildet einen laut Architekten „verführerischen“ Außenraum und ist mit einer Mischung aus harten und weichen Oberflächen ausgestattet. Ein Rand aus Sichtbeton-Fußboden lässt in der Mitte ein Pflanzbeet frei, auf dem ein Kirschbaum wächst.
Fotos: Philip Vile
2. Gute Architektur ist nicht per se teurer als schlechte. Aber durchgeplante Details sind teurer als Standardlösungen. Geschmack kann sich nicht durch Geld kaufen, wird aber oft versucht, daher kann auch schlechte Architekur sehr teuer sein. Die Planungskosten sind indes immer höher bei engagierten Projekten. Diese werden dann aber nicht auf den Bauherren umgelegt sondern gehen zu Lasten der Architekten. 3. Es ist DRINGEND notwendig menschenwürdigere Krankenhäuser, Pflege- und Beratungsstationen zu bauen. Sie müssen nicht bis Schottland fahren, um das einzusehen.
Umso notwendiger sind solche, als sich immer wieder zeigt, dass es einigen üblichen Verdächtigen hier offensichtlich nur um ein reflexhaftes bashing der vermeintlichen "Elitearchitekten" (was auch immer das sein soll) geht. Selbst private-karitative und in der Sache ehrenwerte Anliegen werden mit alberner Polemik überzogen, nur weil es Bauherren und Architekten wagen, den Anspruch zu formulieren, dass ästhetisch anspruchsvoll gestaltete Räume und Orte durchaus Genesungsprozesse kranker Menschen fördern oder die Palliativmedizin unterstützen können. Apodiktische und durch keinerlei Empirie unterlegte Behauptungen wie "Elitearchitekten sind für teure Bauwerke bekannt" offenbaren entweder eine gewisse Praxisferne oder ein allgemein so großes Unverständnis von der Arbeit und dem Selbstverständnis von Architekten, dass es einen schon wundern kann. Ich selbst kenne einige der - wahrscheinlich gemeinten und gescholtenen - Kollegen ganz gut und habe tatsächlich nie erlebt, dass es diesen darum gegangen wäre, sich auf Kosten des Bauherren zu profilieren oder das Budget in die Höhe zu treiben. Im Gegenteil. Meist sind die guten und gelungenen Projekte - weil sorgfältig und mit großer Fachkenntnis und Leidenschaft geplant - sogar günstiger zu haben der vermeintlich billige Schrott. Die Vorstellung, dass gute Architektur zwangsläufig teurer sei, als schlechte, ist bedauerlicherweise ein unter Laien weit verbreiteter und offensichtlich unausrottbarer Mythos.
Bemerkenswert ist auch, dass sowohl Gehrys Bau in Dundee (2003) als auch Hadids Centre in Kirkaldy (2006) die jeweils ersten Gebäude dieser Architekten in Großbritannien waren. Frank Gehry hat auf sein Honorar für die Arbeit am Maggie Centre verzichtet (ob andere der Star-Architekten das auch getan haben entzieht sich meiner Kenntnis). Ich würde kritisch einwenden, dass die Architektenauswahl der laufenden Maggie Centre Projekten zu sehr in Richtung Star-Architekten tendiert, aber schließlich ist die Organisation als private Charity frei in ihrer Auswahl weil nicht mit öffentlichen Geldern unterstützt. Förderung junger Architekten ist nicht ihre Aufgabe (auch wenn das ein schöner Nebeneffekt wäre). Immerhin sind mit Reiach & Hall und Nord Architecture bei den laufenden Projekten wieder zwei schottische Büros am Start. Wenn Sie einmal Zeit in einem schottischen NHS Krankenhaus verbracht haben, werden Sie Ihre Aussage, es sei fraglich ob Krebspatienten Wert auf solche Bauwerke legen, wahrscheinlich umgehend revidieren. Ich stimme zu, dass sicherlich nicht nur Elitearchitekten so etwas planen können und dass es schön wäre, wenn der 'Maggie Keswick Jencks Cancer Caring Trust' auch Architekturwettbewerbe ausloben würde oder junge Büros fördern sollte - vorschreiben kann man es ihnen aber nicht.