Acht Kilometer Hainbuchen
Kö-Bogen II von ingenhoven architects in Düsseldorf
Düsseldorfs Innenstadt ist seit Kurzem um acht Kilometer Hainbuchhecke reicher – und das in äußerst kompakter Form: Die über 30.000 Pflanzen bilden keinen herkömmlichen Park, sondern die gegenwärtig größte Grünfassade Europas. In langen Reihen umhüllen sie den Kö-Bogen II, einen neuen Büro- und Geschäftskomplex nach Plänen des ortsansässigen Büros ingenhoven architects .
Mit der Fertigstellung des Gebäudes am Gustav-Gründgens-Platz kommt die umfangreiche städtebauliche Neugestaltung in Düsseldorfs Mitte zum Abschluss. Wichtige Etappen dieses Stadterneuerungsprozesses waren Daniel Libeskinds 2013 realisierter Kö-Bogen und der im selben Jahr erfolgte Abriss der „Tausendfüßler“ genannten Hochstraße. Letzteres veränderte den Raumeindruck dermaßen, dass der Wettbewerb für den zweiten Abschnitt des Kö-Bogens, den ursprünglich das Kölner Büro Molestina Architekten gewonnen hatte, 2014 neu entschieden wurde – zugunsten des Entwurfs von Christoph Ingenhoven, der schon seit den 1990er Jahren immer wieder Impulse für die Neukonzeption dieses zentralen Bereichs seiner Heimatstadt geliefert hatte.
Der nun realisierte Gebäudekomplex, bestehend aus zwei Volumen mit insgesamt knapp 41.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche für Einzelhandel, Gastronomie und Büros sowie weiteren 23.000 Quadratmetern BGF in der Tiefgarage, entspricht einem Nachhaltigkeitskonzept, das der Düsseldorfer mit seinem Büro schon lange verfolgt und für das er sich den Begriff supergreen® schützen ließ. Dahinter steht der Gedanke, der Stadt so viel Grün wie möglich zurückzugeben. Dass die Wahl in Düsseldorf dabei auf die bei vielen Gärtnern beliebte Hainbuche fiel, ist kein Zufall. Es sollte eine heimische, laubhaltende Pflanze sein, die den Kö-Bogen ummantelt.
Die Hecke bedeckt das Bauwerk allerdings nicht ganz: Die 27 Meter hohe und 120 Meter lange Fassade des fünfgeschossigen Hauptgebäudes an der stark frequentierten Einkaufsmeile Schadowstraße ist vollständig verglast, ebenso die zwei Seitenwände des kleineren, dreieckigen Gegenübers mit begehbarem Schrägdach. Dessen Rasenfläche, unter der sich ein Foodcourt verbirgt, bietet eine Liegewiese für die Pause während der Shoppingtour. Zwischen den beiden grünen Volumen öffnet sich eine Schneise, für die im Volksmund schon der Begriff „Ingenhoven-Tal“ kursiert. Sie soll den Blick auf den Gustav-Gründgens-Platz freihalten, den das Nachkriegsmoderne-Ensemble aus Dreischeibenhaus (HPP Architekten, 1960) und Schauspielhaus (Bernhard Pfau, 1970) prägt – letzteres wird übrigens gerade auch von ingenhoven architects saniert.
Trotz des Zuwachses an Stadtgrün, den das Projekt liefert (und der laut Pressetext dem ökologischen Nutzen von circa 80 ausgewachsenen Laubbäumen entspricht) war das Projekt schon während des Bauphase nicht unumstritten. In einem 2018 verfassten Kommentar zum Kö-Bogen II hatte Uta Winterhager das „grüne Mäntelchen“ des Geschäftshauses als investorenfreundliche „Verkörperung des Zeitgeistes“ und als „Social Media Architektur“ charakterisiert – eine ideale Selfie-Kulisse. In einem 2019 veröffentlichten Interview, das Winterhager mit Christoph Ingenhoven führte, stand zudem die Frage der Langlebigkeit des Gebäudes im Raum. „Wir werden mit unserer grünen Fassade viel lernen“, so der Architekt, „und das muss auch erlaubt sein, es ist ein gebautes Experiment.“ (da)
Fotos: HG Esch
Ingenhoven ist die Nr 1. keiner hat sich je soweit vorgewagt, nicht mal die Heckenschere wird da ran kommen. Auf Bild 1 wird klar: Hier entsteht nix. hier wird ausgestellt. Gelegenheit war. Radikalität verwächst sich leider nicht. Ingenhoven bekommt eine Sonne in sein Portfolio gemalt, sehr umtriebig, aber doch ein bischen verstrahlt vom eigenen Glanz. Hätte durchaus gut werden können....
wenn Sie sich schon an Schwurbel-Kommentaren wie von STPH versuchen, dann doch bitte mit SATZBAU und nicht diese aneinandergereihten Parolen mit sinnlosen Punkten dazwischen.Wenn Sie Denkpausen brauchen schreiben Sie doch den Text nicht so schnell, dann kann man die Gedanken auch gleich sorieren . Man versteht Sie kaum.....
Schade, dass in keinem der Fotos der Städtebau auch von Kö-Bogen 1 dargestellt ist. Alle benannten Punkte hier sind sicher stimmig: Ingenhoven macht High Tech mit grünem Anstrich, Wartung und Pflege der Hainbuchenhecken werden enorm teuer und aufwändig. Die grüne Schräge erinnert an den Hypar Pavillon der Lincoln-Center Revitalisierung in New York City von den dortigen High-Line-Reaktivisten Diller, Scofidio + Renfro. Die hängenden Gärten der Semiramis waren wahrscheinlich dereinst auch vielfältiger bewachsen. Und der Hypar-Pavillon ist auch eleganter. Dennoch: nachdem Libeskind mit seiner seltsam manieristischen Festung Kö-Bogen 1 städtebauliche Bezüge und Sichtachsen zwischen der Platzfolge Gustaf-Gründgens-Platz, Schadow- und Jan-Wellem-Platz eher verbaut hat und auch die Chance, mit Arkaden zum Hofgarten hin eine wettersichere Raumstaffelung verspielt hat ist hier endlich mal Städtebau an diesem prominenten Ort in der laut Lore Lorentz "wunderschönen Scheißstadt" am Rhein geleistet worden.
böse vermutung: das haus ist alles andere als nachhaltig, klassischer fall von effekthascherischem greenwashing. gut kann so eine architektur erst dann sein, wenn sich der urheber auch über diese unbequemen themen gedanken gemacht hat und zu einer lösung gekommen ist.