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Klosterumbau in Belgien von LAVA Architecten
Am südlichen Rand der Altstadt im belgischen Leuven steht ein ehemaliges Kloster aus den 1930-Jahren. Mit den Entwürfen dafür hatten die Herz-Jesu-Missionare 1937/1938 den damals erst 30 Jahre alten, flämischen Architekten Victor Broos (1908–1980) beauftragt. Er gilt heute als einer der wichtigsten Vorreiter der Backstein-Moderne in Leuven, die – zeitgleich wie die Amsterdamse School in den Niederlanden – mit expressionistischen und Jugendstil-Elementen arbeitete.
1982 verkaufte die Bruderschaft das Kloster an die Stadt. Diese nutzte es fortan zwar für allerlei Volksbildungskurse, baute es dafür jedoch nie umfassend um. Das führte 2011 zu einer Initiative, in deren Resultat nicht nur der ehemalige Klostergarten als Paul van Ostaijen-Park neu gestaltet wurde. Auch das Kloster sollte endlich sorgsam renoviert und modernisiert werden. Zusammen mit dem Flämischen Baumeister lobte die Stadt einen Open Oproep-Wettbewerb aus, den LAVA Architecten aus Leuven gewannen.
In den folgenden Jahren änderten sich die Nutzungsideen für das Kloster mehrfach, sodass LAVA die Pläne immer wieder anpassen mussten. Letztlich dauerte es 14 Jahre, bis das Kloster neu eröffnen konnte: Es ist nun Heimat für einen Teil des Leuvener Konservatoriums und der renommierten städtischen Zirkusakademie, bietet neue Räume für Kurse in Musik, Gesang, Tanz und Akrobatik.
Das Hauptgebäude verlängerten LAVA nach Süden in den Park hinein mit einem Anbau, der die Form des Altbaus mit dem hohen Dach exakt nachzeichnet. Mit den Fassaden aus rohen roten Backsteinen und ohne jede Ornamentik wirkt er jedoch wie eine abstrakte Version. Zu beiden Seiten stehen weitere kleine Satteldachhäuser ebenfalls aus rotem Backstein. Darin fanden der neue Tanz- und Konzertsaal sowie eine Sporthalle Platz.
Beeindruckend ist der Saal der früheren Mönchskapelle im Obergeschoss des Hauptgebäudes. Unter den schweren, spitz zulaufenden Backsteinbögen setzten LAVA eine schlichte Holztribüne ein, sodass der Saal nun für verschiedene öffentliche Veranstaltungen genutzt werden kann. Damit erfüllten LAVA zwei Wünsche an den Umbau: den Vereinen und Institutionen der Stadt zeitgemässe Unterrichts-, Proben- und Aufführungsräume zu bieten und sicherzustellen, dass sich das Kloster zu einem Kultur- und Bildungszentrum für verschiedene Bevölkerungsgruppen entwickelt.
Die Architekt*innen betonen, dass beinahe jeder Raum im Gebäude mehrere Funktionen oder Programme aufnehmen kann. Zugleich ist das Kloster durch die Anbauten, die vielen Ein- und Ausgänge und die Verlängerung in den Park jetzt deutlich besser mit den öffentlichen Räumen ringsum verbunden. (fh)
Fotos: Isabelle Pateer, Stijn Bollaert, Sebastien Adriaensen
- Architektur:
- LAVA Architecten
- Bauherrschaft:
- Stad Leuven
- Statik und Tragwerksplanung:
- AB Associates
Über das Open Oproep-Verfahren und den Einfluss auf die flämische Architekturszene geht es in der BauNetzWOCHE #557 „Das Wunder von Flandern“.
Also, Rundbögen sind nicht nur in der Zeit der Romanik (der Name sagt ja schon, dass diese Form etwas länger in Gebrauch war), sondern sozusagen architektonische Konstanten und wurden auch im 20. Jahrhundert verwendet. Der Rundbogen als solcher ist zeitlos. Da werden hier ein paar sehr ignorante Axiome aufgestellt, die auf eine etwas historistische Auffassung von dem, was "modern" sei, zurückgehen, wie sie komischerweise immer noch an deutschen Architekturhochschulen gelehrt wird. Als hätten wir diese komischen normativen Ideen der Moderne nicht schon lange hinter uns gelassen, Und wenn es um die "Ehrlichkeit der Konstruktion" ginge (deswegen wurde in der Bauhaus-Moderne der Rundbogen ja abgelehnt, weil eine Fassade nicht mehr tragen musste (siehe Le Corbusier's Vers un architecture), dann dürfte man auch Backstein nicht mehr als Fassadenmaterial benutzen. Formal stellt der Rundbogen ja eher einen Gegensatz zur geometrischen Art-Déco-Fassade dar und evoziert einen interessanten Kontrast, der durch die Dekorationsarmut des Neubaus noch verstärkt wird. Ich finde es schick!
Ich bitte um Entschuldigung, aber mein Deutsch ist leider nicht gut genug, daher werde ich Ihnen auf Englisch antworten. Thank you for your response, you raise an interesting topic – the question of arches. To understand our facade drawings, I should invite you for a tour to our building and show you our study of the archival drawings by architect Broos. Or, invite us for a lecture in your neighborhood; we could easily spend an hour discussing this. I'll give you a sneak peek. Broos's 1937 monastery was itself an extension of another monastery built in 1887 for missionaries engaged in proselytizing in Congo. We demolished this older monastery, in consultation with the city's heritage services, for various reasons. Almost all the materials were recycled. We then designed a rear facade inspired by Broos' architecture, using a simple extrusion: our round arches are an extension of existing round arches that shaped the original corridors on each floor. If you look closely, you'll also see round arches in the facades and elsewhere in the interior. The new windows are set very deep, making mobile sunshades unnecessary, even on the south side. We then decided to design all the gable ends with round arches of various sizes. The longitudinal facades were given square windows of exactly the same size as the windows of the former monastery by Broos. The facades are by no means a gimmick to imitate monastic architecture. We recently celebrated the official opening of the building with speeches and performances. During the drinks afterward, a 90-year-old man suddenly approached me, who turned out to be the son of Victor Broos. I could have asked him if he was actually influenced by Berlage or Mackintosh. Broos graduated 10 yuears after their death, so he probably knew their work. But don't forget, architects operated very locally and weren't influenced by any reference like us. The monastery was certainly his first major project, which he completed at the age of 29. Sometimes this young age manifests itself in capriciousness, for example, in the use of arched windows and arched details in the brick architecture – with the exception of one door, which has a neo-Gothic form. We have certainly come to love the building, and we hope this will be reflected in our extension to his building. Sometimes, however, architecture continues to walk a tightrope, just like the circus artists who are now bringing our project back to life. Greetings, Thomas