Das Wunder von Flandern
BAUNETZWOCHE#557
Das Wunder von Flandern
BAUNETZWOCHE#557

- 20 Jahre Open Oproep: Wie das öffentliche Bauen in Flandern dank eines klugen Wettbewerbsformats neu erfunden wurde.
- Pionierin in der Kleinstadt: Die Architektin Judith Segall hat als eine der ersten Frauen eine Synagoge errichtet. Das Gebäude aus den 1930er Jahren steht noch heute weitgehend unverändert in der israelischen Stadt Hadera im Bezirk Haifa.
- Nachhaltiger Hocker: Gute Gestaltung für den Kleinbalkon statt Allerweltsware aus dem Möbel-Discounter.
Titelprojekt: Brücke über den Albert-Kanal von Ney & Partners in Zusammenarbeit mit Jozef Legrand, Foto von Stijn Bollaert
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Bei uns regiert leider oft das VOF-Verfahren mit Punktelisten, welches anonyme Megabürostrukturlaichen züchtet mit ewigen Realisierungslisten. In diesen Maschinen dienern dann die jungen Architekten. Überhaupt ein System was die Frage nach der besseren Lösung systematisch außer Kraft setzt und die Suche nach neuen Lösungen und Büros verhindert. Großstrukturen in Büros und Verwaltung erdrücken eigenverantwortliches mutiges Handeln, der Koloss erdrückt sich selbst. Wie in Belgien muss hier die Unzufriedenheit den Deckel sprengen. Notfalls durch subsidäre Sezession. Ich habe die "Umsetzung" des VOF erlebt als willige Verantwortungsabgabe an Punktelisten. Strukturen von oben wirken wie Gift und züchten bestenfalls Mittelmaß. Besser also Strukturen immer von unten sich selbst geben.
Ich sehe das deutsche WB-Wesen insgesamt aber auch nicht so schlecht. Ich frage mich, was passieren würde, wenn man die ergebnisse aller eingeladenen Wettebwerber oder Workshop-Verfahren öffentlicher Bauherren aus den letzten 20 Jahren in D zusammentragen würde. Was würde dabei herauskommen? Etwas vergleichbares? Okay, klar, D ist größer. Also vielleicht die Wettbewerbe aus NRW? Vielleicht wäre es nur etwas mühsamer, die Informationen zusammen zu tragen?
Wichtig erscheint mir das vor allem im Vergleich mit dem Deutschen System, bei dem regelmäßig 30 und mehr Büros unentgeldlich viel Geld verbraten, ohne dass dadurch eine durchschnittlich bessere Bauqualität entsteht. Bei uns verteidigt selbst die Architektenkammer dieses selbstausbeuterische System, mit der Begründung, dass nur so junge Büros eine Chance haben und hohe Bauqualität erreicht werden kann. Dabei sind die einzigen Nutznießer die Auftraggeber, die für verhältnismäßig wenig Geld viel Leistung bekommen. Dabei verdienen Planer im Schnitt eh' schon relativ wenig und verlieren durch die Billigmasche auch noch an Ansehen. Genauso wichtig ist es aber auch, zu sehen, dass in Belgien durchschnittlich weniger für Planungsleistungen gezahlt wird. Da muss man also gut haushalten und nach dem Wettbewerb Abläufe und Veränderungen bedacht und kontrolliert planen.