Heilende Nischen mit Gipfelblick
Klinik von J2M Architekten in Liechtenstein
Depression soll eine der häufigsten Erkrankungen weltweit sein. Doch sie ist heilbar. Und Wissenschaftler*innen sind sich heute einig, dass das entsprechende Umfeld der Betroffenen den Heilungsprozess positiv beeinflusst. Werden im Planungsprozess der Gesundheitsbauten die Erkenntnisse des „Healing Environment“ ausdrücklich miteinbezogen, spricht man von einer „Healing Architecture“. Nun entwickelte das Münchner Architekturbüro J2M Architekten eine neue Privatklinik zur Behandlung von schweren Depressionen und Erschöpfungszuständen aus diesen Konzepten der heilenden Räume und Umgebung heraus.
Das Clinicum Alpium liegt im Norden von Triesenberg in Liechtenstein, 1500 Meter über dem Meeresspiegel. Der Neubau steht auf einer Hochebene, umgeben von Almwiesen und steilen Berghängen und ist nur durch eine Straße erschlossen. Bereits im 19. Jahrhundert stand hier ein Kurhaus mit 100 Betten, das erst in den 1970er Jahren modernisiert und 2005 abgerissen wurde. Für die Architekt*innen war „die besondere Lage des Orts mit seiner Topografie, der Almwiese, dem Bergwald, den Felsen des Alpspitz im Rücken und dem großartigen Panoramablick ins Rheintal“ für die Planung der insgesamt 35.000 Quadratmeter großen Klink von Bedeutung. Dabei entwarfen die Münchner einen zurückhaltenden Bau, der die Landschaft die (ästhetische) „Arbeit machen lässt“.
Der Neubau besteht aus einem massiven Sockel und einem oberen kubischen Körper, der mit hölzernen Lamellen verkleidet ist. Die Nutzungen sind optisch und organisatorisch klar separiert. Der Sockel folgt der Topografie und ist als offener Raum mit Lobby, Restaurant und Saal organisiert. Dabei strukturieren mehrere massive Inneneinbauten – die Architekt*innen bezeichnen sie als „Findlinge”– diese Ebene. Sie beherbergen unter anderem Küche und Erschließung und dienen dabei als tragende Elemente für die obere Schicht. Auch die Therapie- und Spa-Bereiche mit großzügigen Terrassen befinden sich im Untergeschoss des Sockels.
Im oberen Volumen verteilten J2M Architekten insgesamt 50 Gästezimmer auf zwei Ebenen sowie Verwaltung und Mitarbeiterapartments. Dieser Gebäudeteil soll in Material, Bauart und Charakter Bezüge zu den ortstypischen Wirtschaftsgebäuden herstellen. Mehrere Nischen, Bänke und Rückzugsorte sollen den Patient*innen vor allem Geborgenheit vermitteln und vielfältige Blickbeziehungen anbieten. Laut Konzept werden dann jährlich rund 300 Menschen von acht bis zwölf Wochen im Clinicum Alpium behandelt. (mg)
Fotos: Bruno Klomfar und Alpiger Holzbau
dieses unwillig getröpfelte Licht in die tiefen Räume kommt von einer afrikanischen Schattenarchitektur a la Corbusier.
bei kompakten Baukörpern wie hier ist Licht das kostbarste Gut, zumal bei Depression.
damit die form mal wieder der Funktion followt.
siehe bild nummer 5.....
und es ist WIRKLICH elegant wenn man sie wegrückt und verdeckt, dann sieht man sie weniger.....
Die Parkplätze wurden elegant aus dem Blick gerückt oder durch Bäume verdeckt. Wir wissen ja, das Fotos meistens nicht die ganze Wahrheit zeigen, trotzdem erstaunt es mich immer wieder.
Feundliche Grüsse und besten Dank für Ihren Newsletter den ich regelmässig anschaue.
Christian Hagmann