Das Haus als Turm
Kleinod im Emmental
2.500 Quadratmeter Grundstück für ein Einfamilienhaus? Das „tönt“, wie man in der Schweiz sagt, erst einmal üppig. Doch am Ende blieben unter Berücksichtigung baurechtlicher Abstandsregeln und angesichts des Bauherrenwunsches, aus Lärmschutzgründen abseits der Kantonalstraße zu bauen, nur noch ein vergleichsweise winziges Baufeld von 70 Quadratmetern übrig. Darauf errichtete das junge, deutsch-schweizerische Büro Translocal Architecture GmbH (Dresden/Bern) mit Opus Architekten AG ein Wohnhaus für eine Familie mit 198 Quadratmetern. Das Haus steht in Sumiswald im Emmental (Kanton Bern).
Es war ein besonderes Anliegen der Bauherren, das vorhandene große Plateau auf der Kuppe des Hügels als Garten und Freisitz in den Lebensalltag einzubinden. Dies führte die Architekten dazu, das Haus gleichsam als Treppe zu verstehen, die das Eingangsniveau am Fuß des vorhandenen Burghügels mit dem Garten auf dessen Kuppe verbindet.
Der Fußabdruck des Hauses entspricht in etwa dem maximal möglichen Baufeld. Pro Etage konnte neben der durchgehenden Treppe ein Zimmer sowie ein Nebenraum untergebracht werden. Dennoch wirkt der Innenraum an keiner Stelle beengt, was durch die mittige Aufweitung des fünfeckigen Grundrisses und die geschossübergreifenden Lufträume begünstigt wird. Die umlaufenden Fenster gestatten jedem Raum einen Ausblick in mehrere Himmelsrichtungen, wodurch die Sonne im Tagesverlauf vielfältige Lichtstimmungen schafft.
Das Raumprogramm ist gestapelt und bietet im Eingangsgeschoss ein Büro, in der ersten Etage das Zimmer des Sohnes, darüber den Wohn-, Ess- und Küchenbereich und im Dach das Schlafzimmer der Bauherren. Alles wird verbunden durch die von unten nach oben durchgehende „Bibliothek“ in Form eines Buchregals, das mit der hölzernen Treppe zu einem Möbel zusammenwächst.
Der Sichtbeton in der Fassade und in den Decken wird durch weiß geputzte Wände und einen einfachen Bodenanstrich ergänzt. Fichtenholz zieht sich vom Eingangs- zum Dachgeschoss durch das Gebäude. Eine einfache Brücke aus verzinktem Stahlblech verbindet das oberste Geschoss mit dem Garten, der einen Weitblick über das Emmental bietet.
Obwohl das Bauregelement der Gemeinde (erlaubt sind zwei oberirdische Geschosse plus Satteldach) genau eingehalten wurde, erscheint das Haus wegen der ansteigenden Topographie als Turm.
Fotos: Jakob Severin
anscheinend nicht schlecht gemacht, jedoch finde ich das markante Bücherregal und vor allem auch den wannenartigen Balkon als eher unpassend. Der Kollege Nr. 6 mit der Bauleitungserfahrung spricht wohl dennoch ein wahres Wort: ein harter Kampf, von viel Idealismus getragen ... ehe es so fertig dasteht.
schade.
so wird aus einer oft gezeigten manchmal bewundernswert (pseudo-)einfachen architektur dann doch ein ziemlich banal dahergestelzter geschlechterturm-eben aus beton.
bei so viel weniger-weniger muß eben alles passen.
nein, auch oberflächlich betrachtet ist dies für mich kein ansehenswertes kleinod.
Sauber geplant und gebaut. Die Verwendung weniger homogener Materialien und die dadurch entstehende ruhige Einheit empfinde ich als sehr gelungen. Auch bezogen und eingerichtet wird es dem Haus wohl eine solide Identiät geben können.
Ob es für ein Wohnhaus Beton sein muss und dieser dem Ortsgeist entspricht, mag ich nur anhand der Fotos nicht beurteilen wollen.
@ Schilda
Bitte bewahren auch Sie sich das Auge und Mass, andere als von Ihnen bevorzugte Architektur ihr Existenzrecht zu belassen.
Auch über Mario Botta gab es in der Vergangenheit durchaus kontroverse Debatten.
Ich kritisiere hiermit ausdrücklich nicht Ihre Meinung zu Proportion und Stil. Diese sei Ihnen belassen.