1950er im gotischen Gehäuse
Kirchensanierung in Rathenow von Krekeler
Gravitätische Backsteingotik, gepflegte Nachkriegsmoderne und protestantische Zurückhaltung passen mitunter hervorragend zusammen. Das beweist die im April abgeschlossene Sanierung der St. Marien-Andreas Kirche im brandenburgischen Rathenow. Krekeler Architekten Generalplaner, die im nahen Brandenburg an der Havel ihren Hauptsitz haben und Dependancen in Berlin und Braunschweig unterhalten, sorgten dafür, dass das Innere des Sakralbaus endlich wieder als Einheit erfahrbar ist.
Wie bei den meisten Kirchen ist auch bei St. Marien-Andreas die Baugeschichte kompliziert – mit dem Zweiten Weltkrieg als harter Zäsur. Damals wurde das auch als Stadtkirche bezeichnete Haus im Herzen der Altstadt Rathenows schwer zerstört. Winfried Wendland sorgte in den 1950er Jahren dafür, das Langhaus wieder als Sakralraum nutzbar zu machen. Unter anderem gestaltete er Kanzel, Taufbecken, Altar und Westempore neu. Der Triumphbogen zwischen dem Langhaus und dem großzügigen Hallenumgangschor aus dem 14. Jahrhundert wurde zugemauert. Erst nach der Wende ging man die weitere Wiederherstellung der Kirche an.
Außen zeigt sich die Kirche schon seit Längerem wieder im Vorkriegszustand. Doch das Innere sei durch die sukzessiven Umbauten von Brüchen geprägt gewesen, die ästhetisch und funktional nicht überzeugten, schreiben Krekeler. Beispielsweise hatte man den Chor in den 1990er Jahren als eigenständigen Gemeinderaum konzipiert, dessen Bodenniveau deutlich unterhalb von dem des Langhauses lag.
Eine durchgehende Fußbodenebene, das rekonstruierte Sterngewölbe im Chor, zwei Emporen in den Seitenschiffen und ein Tresen erlauben es, dass man die gotische Hallenkirche nun endlich wieder als Ganzes erfahren und darüber hinaus besser nutzen kann. Denn die beiden Emporen zielen darauf, den Kirchenraum stärker kulturell zu nutzen – etwa für Konzerte oder Lesungen, die die Gemeinde organisiert. Die Gestaltung der Emporenbrüstungen und des Tresens orientiert sich dabei bewusst an Wendlands Gestaltung aus den 1950er Jahren.
Das Projekt umfasste auch restauratorische Maßnahmen, doch diese standen eher im Hintergrund. Denn insbesondere die Einbauten aus den 1950er Jahren waren in einem sehr guten Zustand. Wichtiger war es, den Chor wieder als liturgischen Raum zu aktivieren. Deshalb wurde Wandlands Altar wieder an seine historische Position im Chor aufgestellt, wo er mit dem böhmisch beeinflussten Altarretabel aus dem späten 14. Jahrhundert eine schöne Einheit bildet, die in der Weite des schlichten Umgangschores zu neuer, voller Wirkung kommt. (gh)
- Fertigstellung:
- April 2026
- Objekt- und Tragwerksplanung:
- Krekeler Architekten
- TGA:
- KWH Ingenieure
- Bauherrschaft:
- Evangelische Kirchengemeinde St. Marien-Andreas




