Flexibles Zelt aus Beton
Kirchensanierung in Ingolstadt von meck architekten
Von umgenutzten Kirchen berichten wir des Öfteren. Dass der Rückgang von Mitgliederzahlen nicht zwangsläufig im Kulturzentrum oder Wohnungsbau enden muss, zeigt die 2025 fertiggestellte Sanierung der Kirche St. Augustin durch meck architekten (München) in Ingolstadt. Der denkmalgeschützte Bau mit rund 1.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche wurde liturgisch neu geordnet und technisch ertüchtigt, ohne seine eigentümliche architektonische Strenge preiszugeben.
Der Bestand bringt dafür beste Voraussetzungen mit. 1959 nach Plänen von Hans Zitzelsperger errichtet, spannt sich eine zeltartig wirkende Stahlbetonkonstruktion über einen quadratischen Grundriss. Die Fassade aus kleinteiligen Betonfertigteilen mit Glaseinsätzen schwingt zwischen Tektonik und Ornament. Und dennoch: Der Sanierungsbedarf war erheblich. Technische Mängel, spätere Eingriffe ohne Rücksicht auf den Denkmalwert und nicht zuletzt eine drastisch geschrumpfte Gemeinde stellten die Zukunft des Hauses infrage. Ursprünglich für 450 Gläubige konzipiert, versammeln sich heute etwa 80 Personen zu den Gottesdiensten. Die seitlichen Gestühlsblöcke verloren ihre Funktion, die Distanz zwischen Altar und Gemeinde wuchs.
Die Antwort der Architekt*innen ist keine Verkleinerung, sondern eine Präzisierung. Eine neue lineare Mitte verbindet nun die südliche Empore mit Orgel – unter ihr liegt der Eingang – mit dem bestehenden Altarpodest im Norden. Das liturgische Zentrum rückt näher an die Gemeinde heran, ohne den Raum zu zerteilen. Ein neu eingefügtes, raumgreifendes Kreuz akzentuiert das Podest. Unter der Empore sorgt eine teilbare Holzwand für räumliche Fassung: Im Alltag lenkt sie zu den seitlichen Rückzugsräumen, zu Hochfesten öffnet sie sich und bindet diese an den Hauptraum an. Die starren Bankreihen wichen einem flexiblen Gestühl aus 150 Stühlen. Regulär achsensymmetrisch angeordnet, erlaubt es unterschiedliche Konfigurationen – vom Sonntagsgottesdienst bis zur Andacht im kleinen Kreis. Die ehemalige Seitenkapelle wurde zur Taufkapelle umgestaltet.
Ein Großteil der Ausstattung wurde wieder- oder weiterverwendet. Hinzu kommen Spolien aus der nahegelegenen, 2024 profanierten Kirche St. Monika: Altar, Tabernakel und Figuren fanden hier einen neuen Kontext. Künstlerisch ergänzt wurden diese historischen Schichten durch den Bildhauer Matthias Larasser-Bergmeister. Sein Kreuzfächer aus vergoldeten Bronzeblechen, eine Kerzenbank sowie der neue Ambo setzen warme, metallische Akzente im kühlen Betongefüge. Die Interventionen wirken präzise gesetzt, ohne in Konkurrenz zur Tragstruktur zu treten. Auch die neuen Holzeinbauten – Türen und Sakristeimöbel – erzählen vom Weiterbauen im Bestand: Sie wurden aus dem Mahagoniholz der ehemaligen Kirchenbänke gefertigt. Die hellen Solnhofener Natursteinplatten blieben erhalten.
Konstruktiv erfolgte eine substanzielle Ertüchtigung. Die Dachelemente aus Porenbeton wurden durch Brettschichtholzplatten ersetzt, während Primär- und Sekundärkonstruktion aus Stahlbeton bestehen blieben. Die Deckenverschalung erhielt eine neue, hellere Holzoberfläche. Die Betonfertigteile wurden mittels Trockeneisstrahlverfahren von späteren Beschichtungen befreit und zeigen sich nun wieder in ihrer rohen Materialität. Auch die Bronzeportale wurden demontiert, geprüft und instand gesetzt. Rund fünf Millionen Euro (netto) investierte die Katholische Pfarrkirchenstiftung Ingolstadt St. Augustin in das Projekt, das in direkter Nähe zum Stadtteiltreff Augustin steht. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- meck architekten
- Team Architektur:
- Axel Frühauf, Vivien Krieg, Sofie Langenscheidt, Jan Schäfer, Franziska Schidlo, Stefan Zöls (Projektleitung)
- Baumanagement (LPH 6-9):
- meck ingenieure gmbh, Thomas Machate (Projektleitung)
- Kunst:
- Matthias Larasser-Bergmeister, Akademischer Bildhauer
- Bauherrschaft:
- Katholische Pfarrkirchenstiftung Ingolstadt St. Augustin
- Fläche:
- 1.060 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 5.020.000 € netto
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