Bedeutungsschwer in Leichtbeton
Kirchenneubau in Wien
Als „Bauplastik“ oder „Skulptur“ beschreiben Veit Aschenbrenner die Architektur dieses Sakralbaus im Bezirk Wien-Penzing. Für die Neuapostolische Kirche Österreich hat das Wiener Büro dort ein Gemeindehaus gebaut, das als Siegerentwurf aus einem Wettbewerb von 2011 hervorgekommen war. Ein Monolith aus Leichtbeton ersetzt nun den baufälligen Vorgängerbau von 1972.
Mit ihrem Neubau interpretieren Veit Aschenbrenner historische Kirchenarchitektur um. An das klassische Westwerk mit Glockenturm angelehnt, steigt an der Schauseite ein schräg geschnittener Block aus der Fassade hoch heraus. Er legt sich auch horizontal über den Bau und betont dabei den Kirchensaal mit seinen 145 Sitzplätzen.
Dieser ist das Zentrum des Kirchenbaus. Ein breites Oberlicht ist auf seine geneigte Wand hinter dem Altar ausgerichtet. Solch eine symbolistische Lichtführung setzen die Architekten in diesem Saal für den Gottesdienst fort: Ein Fensterband über der Empore soll die Decke „lösen“ und den Raum „öffnen“, so die Beschreibung von Veit Aschenbrenner.
In den oberen Geschossen gibt es Räume für die Kinder und für die Verwaltung, außerdem Zimmer für den Religionsunterricht. Dem Gemeindesaal mit 75 Sitzplätzen ist ein direkter ebenerdiger Freibereich zugeordnet, der halbgeschossig herabgesetzt ist.
In den Betonkörper haben die Architekten nur wenige Einschnitte gesetzt. Den niedrigen Eingangsbereich, die Fensterbänder zu Unterrichts- und Verwaltungsräumen sowie die eingesenkte Fensterfront des Gemeindesaals haben Veit Aschenbrenner entschieden und zurückhaltend gewählt. Sakralität, ein skulpturaler Ansatz und die Symbolik des Lichtes – trotz hoher Bedeutungsansprüche ist diese Kirche dezent in eine Wiener Wohnsiedlung gesetzt. (sj)
Fotos: Hertha Hurnaus
Beton und Glaube: Patrick Voigt hat Berliner Kirchen der Nachkriegsmoderne fotografiert, Nikolaus Bernau hat darüber geschrieben. Mehr dazu in der Baunetzwoche#370 „Beten in Beton“
Spiegelt sich Spiritualität wirklich nur durch die Ästhetik einer Mönchszelle wider, die hier einer provisorisch umfunktionierten Lagerhalle gleicht?
Bei einer Mönchszelle begründet sich die spartanische Gestaltung ja noch ähnlich der einer Gefängniszelle darauf, dass man in sich kehren soll und dementsprechend äussere Einflüsse nur ablenken.
Der Meldungstext fällt auch dementsprechend trocken aus. Die im Schlusssatz beiläufig erwähnte Sakralität kann sich ja nur auf den meditativen Mönchszellencharakter beziehen.
Eine Kirche ist aber kein Kloster.
Es geht um Gemeinschaft und festliches Zusammentreffen. Eine Messe wird gefeiert. Selbst bei einer Beerdigung handelt es ich um eine Trauerfeier. Wenigstens die Orgel wurde nicht wegreduziert, aber heiraten oder Weihnachten feiern möchte ich dort trotzdem nicht.