Ziegel trifft auf Metall
Kino und Museum von Antonio Virga in Südfrankreich
Schon einmal hat Antonio Virga im südfranzösischen Cahors gebaut, vor drei Jahren, als das Pariser Büro eine massive Jugendherberge nur einen Steinwurf entfernt von der berühmten Pont Valentré realisierte. Etwa einen Kilometer weiter westlich, auf der gegenüberliegenden Seite der vom Lot in einer Schleife umflossenen Altstadt, hat Virga nun abermals ins Stadtbild eingegriffen. Le Grand Palais heißt der Bau, in dem ein Kino mit sieben Sälen und Platz für 1.051 Zuschauer*innen und, in der obersten Etage, das städtische Widerstandsmuseum untergebracht sind. Vergangenen Dezember wurde das Gebäude fertiggestellt.
Das von der Stadt und der Société Cadurcienne d’Exploitation Cinématographique in Auftrag gegebene Ensemble ist Teil einer größeren Umstrukturierung in deren Zuge der Place Bessières, ein früheres Militärgelände im Norden der Altstadt, fußgängerfreundlich umgestaltet wurde. 8.500 Quadratmeter umfasst das Areal, das bislang als Parkplatz diente, begrenzt von einer Polizeistation, einem Sportkomplex und dem Kongresszentrum Espace Clément Marot. Der Neubau seinerseits sollte die Symmetrie der bestehenden Kasernenanlage wiederherstellen, indem es den Platz des Ostflügels einnimmt, der 1943 bei einem Brand zerstört wurde.
Die Architekt*innen nahmen dabei Bezug auf die Tradition der großen Militärkomplexe und öffentlichen Einrichtungen des 19. Jahrhunderts, deren Gebäude und Außenräume einer strengen Ordnung und Nivellierung unterlagen. Und so folgt das Projekt dieser strengen Logik, schließlich gelten die beiden noch bestehenden Kasernenflügel in Cahors als Wahrzeichen. Aber „auf der Suche nach einer zeitgenössischen Ästhetik geht die Architektur des Kinos über die vom Auftraggeber gewünschte Rekonstruktion der Morphologie der ehemaligen Kaserne hinaus“, so Antonio Virga.
Der 8,6 Millionen teure Neubau mit einer Fläche von 3.653 Quadratmetern gliedert sich in zwei Volumen: eines aus Ziegelstein, das andere aus perforiertem Aluminiumblech, pulverbeschichtet in Gold. Basis ist eine Konstruktion aus Stahlbeton. Das Ziegelvolumen, das Bezug nimmt auf die Gebäude der ehemaligen Kaserne, soll als Neuinterpretation des Bestands fungieren, eine Verbindung zur Geschichte der Stadt herstellen. Durchlässig wird der monolithische Bau mittels traditionell islamischer Gitterstrukturen, sogenannte Moucharabieh. Dieser Wechsel von Festkörpern und Hohlräumen folgt einer funktionalen Logik. Tagsüber erweckt die perforierte Fassade die Innenräume mit einem Licht- und Schattenspiel zum Leben, nachts erzeugt sie kleine Lichtblitze.
Das Programm setzt sich im goldenen Volumen fort, nur der visuelle Kontrast erzeugt den Eindruck zweier Gebäude, eines historisch, eines modern. Anders als bei der Jugendherberge, 15 Gehminuten entfernt, sollen diesmal Materialien und Farben, das geneigte Dach, Backstein als Material – an Fassade und Dach – und die Verwendung von Lehmziegeln weithin sichtbar an die lokalen Bautraditionen anknüpfen. (kat)
Fotos: Luc Boegly, Pierre Lasvenes
huuuh is mir schwindelig...erstmal an der fassade entlangtasten, huch, was´n hier drin? n´kino? alles so glatt konform hier, so übergestülpt, hicks! ...wollte den platz sch...sch..scho...schon wieder verlassssss´n, in die stadt ins kino gehhhn....
außen
einfügend, ergänzend, dennoch nicht nach außen sprechend, spricht nicht mit, stellt sich stumm. ein baustein für den platz, flanke schließend, warum das metal, das gold? die uniformität des platzes hätte auch einen sprechenden vertragen...
innen das foyer:
so hell, kein bezug nach draußen: ok, kino findet für die meisten eher am abend statt. warum so aber so tag-hell? warum so vehement nicht nach außen? ...die kinowelten entstehen hier an dem wunderbaren blauen saalzugängen. den kontrast verstehe ich nicht: ist doch das gebäude der zugang in die filmwelt, der platz leistet doch schon die arbeit des foyers, müsste das foyer nicht vermittler sein, einen weichen übergang geben, deffus?
um mal einen - hicks! hinkenden vergleich hinzuzuziehen: die puffige foyeratmosphäre des baseler stadtcasinos von hdm (baunetz 5.08.2020) schafft dieses als katalysator sehr treffend, fast schon bieder vertraut, steigt ganz sanft in die gefühlswelt ein...
aber schönere übergänge haben sie hinbekommen!
Und ich fordere eine trinkhalle auf dem Vorplatz, an der man in 1,5-Meter-Abstand gemeinsam einen heben könnte.