Münchner Moderne
Sep-Ruf-Pfad eingeweiht
Münchens Verhältnis zur Moderne ist zwiespältig, und teilweise auch vom klischeehaften Außenblick geprägt. Mit der bayerischen Hauptstadt verbindet sich – imposanter Barock, Spielarten des Klassizismus in den Stadterweiterungen und die großflächige Rekonstruktion der Altstadt nach dem Zweiten Weltkrieg – mächtiges Traditionsbewusstsein. Höchstens die Olympia-Bauten fallen vielen Architekturlaien vielleicht noch ein, als prägendes Ensemble der jüngeren Zeit. Dabei hat die Stadt einige wichtige Nachkriegsarchitekten im Repertoire, sei es Hans Döllgast oder Josef Wiedemann. Sep Ruf (1908–82) war wohl der „modernste“ – damit gewiss nicht der beliebteste – unter den Münchner Architekten nach 1945. Ihm hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung in Kooperation mit der Sep Ruf Gesellschaft nun einen eigenen Architekturspaziergang samt zugehöriger Publikation gewidmet.
Der „Sep-Ruf-Pfad“ bietet einen Überblick über seine 15 Bauten in München plus zwei seiner Häuser im Vorort Grünwald – eines davon Rufs persönliches Atelier. An manchen Gebäuden läuft man im Zentrum zwangsläufig vorbei, zum Beispiel dem Geschäfts- und Verwaltungsneubau mit dem erhaltenen Turm der alten Herzog-Max-Burg aus der Spätrenaissance (mit Theo Pabst, 1952–57) oder der feinen Wohnscheibe an der Theresienstraße; verstecktere Hauptwerke sind der lichtdurchflutete Lesesaalanbau der Bayerischen Staatsbibliothek oder die für die Bayerische Vereinsbank entworfene Zentrale im Tucherpark. Andere Bauten gilt es dank der Initiative wieder zu entdecken: Etwas ab vom Schuss liegt die 1960 geweihte Pfarrkirche St. Johann von Capistran, ein unaufgeregter Rundbau, der im Inneren eine wahrlich sakrale Atmosphäre schafft. Und verborgen in einem kleinen Garten in der Schellingstraße findet man die Hauskapelle Marienheim. Der nur 36 Quadratmeter große Andachtsraum diente dem katholischen Mädchenschutzverein.
Auch wenn der „Sep-Ruf-Pfad“ kaum als zusammenhängender Spaziergang abgelaufen werden wird, macht er – und insbesondere das Begleitheft mit kurzen Beschreibungen zu allen Bauten – Rufs Werk in der Stadt wieder ein gutes Stück sichtbarer und zugänglicher. Nach Leo von Klenze (2009) und Gabriel von Seidl (2013) ist der neue Spaziergang übrigens erst der dritte Pfad in der Reihe. Die ist zum Download, aber auch gedruckt in der Stadtinformation im Rathaus erhältlich. Was sagt uns das? Längst hat sich das zu Rufs Zeiten noch konservativ geprägte Umfeld der Stadt gewandelt, und auch in die Amtsstuben ist eine Wertschätzung für die Nachkriegsarchitektur eingezogen. (stu)
PDF-Download der Broschüre über das offizielle Stadtportal: www.muenchen.de
Sehr wohl ist es wichtig, dass in den letzten Jahren verstärkt die Autoren von Architektur und Kunst einer gleichen Revision unterzogen werden wie länger schon die von Literatur. Erst dadurch wird eine differenzierte Betrachtung des Werkes erst möglich. Am wenigsten hilft ein reduktiver Diskurs über Formalismen. Mir fällt außerdem noch ein herrliches Zitat von Jan Müller aus einem aktuellen Podcast ein: "Der Deutsche kann einheitliche Gestaltung einfach nicht ertragen." Das als Brandrede gegen die Provinzialisierung von Städten.
Polarisierung hilft hier gestalterisch nicht weiter, schon garnicht nach 80 Jahren. Ich finde die nachgeborene Generation hat ein anrecht zu differenzieren, auf einen eigenen zugang zur gestalteten Vergangenheit und damit auch zu sich selbst. Polarisierung ist hier Verarmung. Instrumentalisierung darüber hinaus wäre noch schlimmer. Interessant ist doch der Schrägdachphobie auf den Grund zu gehen. Hier geht der Bruch sogar durch die Biographien. Scharoun hat über das Schrägdach seine Nachkriegsarchitektur entwickelt.
Sepp Ruf war einer von vielen Architekten (wie Eiermann und so weiter), die sich da mit den Nazis arrangiert haben. 1945 war halt dann doch nicht die Stunde Null. Also, das soll Rufs Oeuvre nicht schmälern, aber so unkommentiert kann man das aber (hallo Baunetz) nicht durchschicken und von moderner Tradition schwafeln, ohne den Kontext zumindest zu benennen, und reichlich naiv (Hallo R.M.Fischer und STPH!) den historischen Kontext ignorieren.
Diese Sicherheit und Kultur ist dahin, sodass der B-Plan glaubt nachhelfen zu müssen ähnlich einer Schrebergartensatzung, die ja auch zu keiner sich entwickelnden Baukultur führt. Was ist da los?