Steine sammeln
Junge Architekten stellen Bibliothek in Kolumbien fertig
Jeder, der schon mal eigenhändig mit Gabionen gearbeitet hat – also diesen mit Steinen gefüllten Drahtkörben, die in der (Landschafts-) Architektur spätestens seit der Dominus Winery von Herzog & de Meuron so trendy sind – weiß, wie schwierig es ist, die Dinger in Form zu halten. Insofern zollen wir den Erbauern der neuen Bibliothek in Villanueva/Casanare in Kolumbien, die von einer Gruppe junger kolumbianischer Architekten im Rahmen eines Wettbewerbs entworfen wurde, schon mal Respekt. Das Projekt wurde nämlich vorwiegend im Eigenbau von den eigens angelernten Bewohnern der Stadt errichtet. Die Architekten (alle unter 27 Jahre jung) heißen Miguel Torres, German Ramirez, Alejandro Pinol und Carlos Meza und diplomierten an der Universität Javeriana in Bogotá.
Zugunsten der leichten Baubarkeit des Gebäudes wurde auf eine elaborierte Formensprache verzichtet. Das kubisch gehaltene Gebäude besteht hauptsächlich aus regionalen Materialien wie Holz und in einem nahe gelegenen Fluss gefundenen Steinen, um die Transportkosten niedrig zu halten. 3.000 Quadratmeter umfasst das Haus, zum Raumprogramm gehören neben den Lesesälen ein Auditorium, eine Kinderbibliothek, Personalräume und ein großer offener Raum als Treffpunkt und Kommunkationsraum. Die Bibliothek soll der Bildung der Bevölkerung in der Region dienen, die wie viele andere in weiten Teilen des Landes mit Bildungseinrichtungen nicht gerade reich gesegnet ist. Sie ist quasi ein Entwicklungskatalysator. Den Architekten war es wichtig, dass trotz der Einfachheit der Kubatur der Kontrast zwischen Textur der Oberfläche und Klarheit der Volumen deutlich wird.
in die landschaftsarchitektur eingeführt - zumindest in deutschland - hat es meines wissens erstmals hans loidl (der ja aus österreich kommt), der schon mitte der achziger jahre in berlin (z.b. im rahmen der iba) damit experimentiert hat: terrassierung, einfassung, freistehtend etc.
neben der stabilität ist natürlich die kostenersparnis ein wesentlicher vorteil, denn auf eine teure, geschalte betonfundamentierung kann verzichtet werden.
noch ein vorteil: die gabione ist der wirksamste graffity-schutz. vorwiegend glatte, hermetische flächen laden zum comic oder zur parole ein (die es natürlich auch geben muss...)
ich persönlich finde es sogar gerade spannend, daß man nich von der verpackung auf das innere schließen kann. und ob die lose geschüttelten steine es nun verdient haben gambione genannt zu werden oder nicht, ist mir schlußendlich völlig latte. ich finde es echt sexy!!
In diesem Sinne frohes Schaffen!