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15.02.2022

Halbzeit in Stuttgart

IBA’27 stellt Zwischenstand vor


Knapp fünf Jahre sind vergangen, seit das Organisationsteam der Internationalen Bauausstellung 2027 der StadtRegion Stuttgart (IBA’27) seine Arbeit aufgenommen hat. Und noch fünf Jahre verbleiben bis zum offiziellen Ausstellungsjahr, wenn zeitgleich auch die Weißenhofsiedlung in Stuttgart ihr 100-jähriges Jubiläum feiert. Das Erbe der Moderne ist eines der zentralen Themen der Bauausstellung, doch bei Weitem nicht ausschließlich Es gelte damals wie heute, so Architekt und künstlerisch-inhaltlicher Leiter der IBA’27, Andreas Hofer, darüber nachzudenken: Sind wir relevant, reagieren wir auf die richtigen Trends in der Gesellschaft, setzten wir uns mit zukunftsfähiger Bautechnologie auseinander?

In der Folge dieser Sichtweise gehören zu den Schwerpunkten der IBA die Entwicklung lebenswerter Quartiere mit Nutzungsmischung von Wohnen und Arbeiten, der Blick in die Region, nicht nur in die Stadt, die explizite Einbindung partizipativer und kommunikativer Prozesse, die Auseinandersetzung mit Klimakrise, Technologiewandel, Mobilitätskonzepte, Bestandserhalt und Nachnutzungen sowie Materialentwicklungen und Kreislaufwirtschaft. All das geht die IBA’27 bewusst mit offenen internationalen Wettbewerben an, aus denen bereits junge Ideen und vielversprechende Projekte resultieren.

150 Bewerbungen aus 179 Kommunen der Region gingen ins Rennen, davon wurden 90 Projekte in das Netzwerk der IBA aufgenommen. Die Qualifizierungsinstanz wählte daraus wiederum 16 offizielle Projekte aus, die in Wettbewerben mündeten mit dem Ziel einer Realisierung bis ins Jahr 2027. Doch bei der Anzahl wird es nicht bleiben, es sollen noch einige dazukommen.

Ein beispielhaftes Projekt, das die Absichten der IBA’27 bündelt, ist die Entwicklung eines neuen Quartiers in Winnenden. Statt eines reinen Gewerbegebietes soll hier ein Mischgebiet entstehen, das 70 % Produktions- und 30 % Wohnnutzung beinhaltet. Auf eine Nutzungsmischung und damit höhere urbane Qualität setzt auch das Ersatzneubauprojekt „Am Rotweg“ in Stuttgart. Hierfür hatten sich 110 Büros beworben, davon entwickelt nun der Sieger des Städtebau-Wettbewerbs gemeinsam mit zwei weiteren ausgezeichneten Büros ein Viertel für etwa 500-600 Menschen. So soll trotz reiner Wohnnutzung ein Zentrum mit belebter Erdgeschosszone und Raum für soziale Infrastruktur entstehen. Aus den meisten IBA-Wettbewerben gingen teils unbekanntere Büros als Gewinner hervor, die etwa bei geladenen Verfahren nicht dabei gewesen wären – das stimmt zuversichtlich.

Eines der größten IBA-Projekte befindet sich in Backnang-West, wo sich auf den 17 Hektar eines ehemaligen Gerberviertels an der Murr die Innenstadt quasi verdoppeln wird. Weitere Konversionsprojekte finden sich in Stuttgart am Stöckach oder aber weit östlich der Landeshauptstadt in Salach, Landkreis Göppingen, wo denkmalgeschützte Industriebauten und Neubauten ein Quartier für 800 Bewohner*innen bilden sollen. Zu den geplanten Projekten gehört außerdem der Versuch einer vertikalen Community in einem 60 Meter hohen Holzturm, der das Stadttor zum Postareal Böblingen bilden soll, oder aber der bereits eröffnete Demonstrator der Universität Stuttgart. Dabei handelt es sich um ein Forschungshochhaus in Stuttgart-Vaihingen, das adaptive Konstruktions-, Fassaden- und Innenausbauelemente untersucht. Die Erschließung von Naturräumen wie die des Neckars und seiner Zuflüsse sind ebenfalls Teil des Programms. Außerdem werden derzeit weitere potenzielle IBA-Projekte in Esslingen, Untertürkheim, Uhingen, Sindelfingen und Stuttgart-Münster dem Qualifizierungsprozess unterzogen.

Das Team sei von der Fülle der Einreichungen überrollt worden, doch zeige sich im Zuge der Realisierungen auch deutlich eine Schwachstelle im System. So bräuchte es professionelle Strukturen in den Kommunen für schnellere Genehmigungsverfahren oder etwa vorhabenbezogene Bebauungspläne, um die Projekte im straffen Zeitrahmen auch wirklich voranbringen zu können. Die IBA sieht sich dabei als Ausnahmezustand auf Zeit, die nicht nur Ausstellung sein will, sondern genauso Motor für innovativere Planungs- und Bauprozesse. Wichtig für das weitere Vorankommen der IBA sind auch höhere Beiträge der Gesellschafter sowie die Gründung eines Fördervereins, den IBA Friends.

Und schließlich lief Ende letzten Jahres nun auch der Ideenwettbewerb zur städtebaulichen Weiterentwicklung des gesamten Gebiets rund um die Stuttgarter Weißenhofsiedlung an. So soll ein konzeptioneller Rahmen für mehrere konkrete Bauvorhaben und Hochbau-Wettbewerbe entstehen. Der Plan umfasst etwa ein neues Empfangsgebäude am Weißenhof ebenso wie eine Campuserweiterung an der benachbarten Akademie der Bildenden Künste oder aber die Sanierung und der Umbau der Brenzkirche im erweiterten Areal.

Die für Juni geplante Jurysitzung und damit einhergehende Entscheidung im Ideenwettbewerb wird in ein dreitägiges internationales Fachsymposium münden, das sich mit der Geschichte und Zukunft des Weißenhof-Erbes auseinandersetzt. Zudem sind als wichtige Brücken zur Öffentlichkeit und als Etappenziele bis zum Bauausstellungsjahr für die Jahre 2023 und 2025 größere Festivals geplant. (sab)


Zum Thema:

Einen Überblick über die derzeit feststehenden IBA-Projekte bietet die Website www.iba27.de


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