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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Hotelumbau_in_Cornwall_von_Twelve_Architects_7787803.html

08.12.2021

Urlaub im Knast

Hotelumbau in Cornwall von Twelve Architects


Die Umnutzung leerstehender Gebäude ist grundsätzlich eine gute Sache. Allerdings sollte dabei nicht aus dem Blick geraten, dass ein Bauwerk neben seiner Architektur immer auch eine spezifische Geschichte mitbringt, die einen sensiblen Umgang verdient. Denn die Vergangenheit kann zuweilen finster sein, beispielsweise im Fall eines ehemaligen Gefängnisses in Bodmin in der englischen Grafschaft Cornwall. Dass an diesem Ort nun ausgerechnet ein Viersterne-Boutiquehotel Gäste in ehemaligen Zellenräumen empfängt, mutet dann doch ziemlich makaber an.

Der ungewöhnliche Umbau wurde von Twelve Architects (London, Moskau) im Auftrag des Immobilienentwicklers Mallino Developments geplant. Das Bodmin Jail Hotel ist Teil einer 50 Millionen Pfund teuren Transformation der verfallenen, 7.500 Quadratmeter großen Gefängnisanlage in eine Touristenattraktion. Dazu gehört auch ein 2020 eröffneter, interaktiver Parcours, auf dem Besucher*innen den viktorianischen Strafvollzug „aus erster Hand“ erleben können.

Erbaut wurde das am Rand eines Moores liegende Bodmin Jail 1779. Basierend auf den Ideen des Gefängnisreformers John Howard war es mit Einzelzellen und Warmwasser eine der ersten modernen Strafanstalten im Vereinigten Königreich. Bis zur endgültigen Schließung im Jahr 1927 saßen hier allerdings nicht nur Hunderte Häftlinge ein – es fanden auch mehr als 50 öffentliche Hinrichtungen statt.

Das frisch sanierte, mehrflügelige Bauwerk sieht nicht nur von außen noch recht martialisch aus. Auch im Inneren ist die frühere Gefängnisinfrastruktur gut zu erkennen. Viele ursprüngliche Elemente blieben erhalten, darunter der klassische Mittelgang, die vergitterten Fenster sowie verwitterte Steindecken und Wände, auf denen stellenweise noch Zeichnungen und Notizen einstiger Insassen sichtbar sind. Laut Eigenaussage der Architekt*innen bestand die Entwurfsphilosophie darin, „die einzigartigen Qualitäten des Gebäudes“ hervorzuheben und den Besucher*innen „ein intensives Erlebnis“ zu bieten.

Das Hotel erstreckt sich über vier Stockwerke der beiden Zellentrakte. Jedes der 70 Zimmer umfasst drei frühere Zellenräume. Twelve Architects stützten ihre Planungen auf historische Fotos des Bauwerks, das während des langen Leerstands seine komplette Dachkonstruktion verloren hatte. Ersetzt wurde sie durch zwei lange Oberlichter, die nun die darunterliegenden Atrien erhellen und den imposanten Mittelturm ins Blickfeld rücken. Zum neuen Raumprogramm gehören außerdem ein Restaurant, ein Bistro, ein Essbereich im Freien und eine Cocktailbar. (da)

Fotos:
Jack Hobhouse


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