Weißer Baum in Montpellier
Hochhaus von Sou Fujimoto, OXO, Nicolas Laisné und Dimitri Roussel
Ob die japanisch-französische Koproduktion L’Arbre Blanc in Montpellier nun eher einem Baum oder einem Pinienzapfen gleicht, darüber gehen die Meinungen der Betrachter*innen auseinander – einen Blickfang bildet der 56 Meter hohe Wohnhybrid am Ufer des Flusses Lez auf jeden Fall. Die neue Landmarke im Stadtbezirk Richter ist das gemeinsame Werk von Sou Fujimoto Architects (Tokio/Paris), OXO Architectes (Montreuil), Nicolas Laisné (Montreuil) und Dimitri Roussel (Paris) und entstand im Rahmen des von der Stadt initiierten Projekts „Modern Follies“, das die Architekturlandschaft Montpelliers, die unter anderem von der extravaganten Folly-Architektur des 18. Jahrhunderts geprägt wurde, um mehrere zeitgenössische „Verrücktheiten“ bereichern soll.
Der Entwurf des Teams um Fujimoto gewann den 2013 durchgeführten Wettbewerb für die Follie Richter. Nach der Vorstellung der ersten Pläne und Renderings dieses weißen Baums vor fünf Jahren waren viele Baunetz-Leser*innen gespannt auf das gebaute Ergebnis. Der direkte Vergleich zeigt nun, dass es den Architekten gelungen ist, die projektierte filigrane Leichtigkeit in die Realität umzusetzen: 193 unregelmäßig angeordnete Balkons ragen in alle Himmelsrichtungen aus dem amöbenförmig geschwungenen Baukörper mit weißer Metallfassade wie herausgezogene Schubladen. Jedes der 113 Luxus-Apartments verfügt über mindestens einen solchen Außenraum, dessen Größe zwischen sieben und 35 Quadratmetern variiert. Bewohner der zahlreichen Maisonettewohnungen können gar über eine Außentreppe von einer Terrasse zur anderen gelangen.
Neben der Schaffung großzügiger Open-Air-Wohnflächen, die dem mediterranen Klima in der südfranzösischen Stadt Rechnung tragen, wirkt sich dieses Gebäudekonzept auch positiv auf die Energiebilanz des Turms aus: Die Balkone und Pergolen, die teilweise 7,5 Meter auskragen, sorgen für Verschattung sowie Kühlung und hamonisieren die Windzirkulation. Sie helfen so, die Energiekosten des Baus um bis zu 30 Prozent zu verringern. Der 10.225 Quadratmeter große 17-Geschosser beherbergt im Übrigen neben Wohnungen und drei Tiefgaragendecks auch öffentlich zugängliche Funktionen. Im komplett verglasten Erdgeschoss befinden sich eine Kunstgalerie und ein Restaurant, auf dem Dach lädt eine Rooftop-Bar mit Blick über die Stadt zu einem Besuch ein. (da)
Fotos: Cyrille Weiner, SFA + NLA + OXO + DR
Das ist alles wieder schon Eigenproduktion, wie die Moderne sich von dort ihre Durchdringung von Natur und Kultur abholte und wer weiß vielleicht schon das Barock usw.
Eine simple Autobahnbrücke wäre dann ein Lufthaken als Verbindung von Erde und Himmel, Körper und Raum und entsprechend vielleicht weiter auszudeuten und zu kulturieren.
Kultur wird Naturelement, fügt sich ein, auch körperlich und nicht nur durchdringend, überlagernd, geistig, modern.
Am Camsdorfer Ufer in Jena hat man eigens einen Steg gebaut, damit der Gehweg von der Fahrbahn abschwenken, einem Großbaum ausweichen und dann seine Richtung fortsetzen kann. Vielleicht waren da Japaner am Werk, wer weiß
Baunetz 17.12.2013
Vom Ausschlafen und Zeichnen
Sou Fujimoto im Gespräch
"Typisch ist vielleicht, dass es in meiner Arbeit oft um das Dazwischen geht, das sich zwischen eindeutigen Positionen entfaltet; diese Mehrdeutigkeit ist ziemlich japanisch. Zum Beispiel die Gleichzeitigkeit von Natur und Architektur. Ich möchte, dass sich beides durchdringt, damit etwas Neues entsteht. In diesem Sinne sind fast alle meine räumlichen Konzepte ziemlich japanisch."
Meine ähnlichen überraschenden Erfahrungen habe ich eher beiläufig in Asien und der Gartenkultur gemacht und ich wünsche sie jedem. Diese ist für uns noch nicht ausgewertet.
etwa: eine Pergola weicht einem Baum aus, umgeht ihn und setzt ihre Richtung fort. Beide werden so zur Einheit.
das sind ganz tiefe Kulturbilder, das braucht Zeit. Die Geste, das Dazwischen, der Dialog. Vielleicht können wir ja was ganz neues daraus machen.
- Vielleicht sieht er sich gar nicht in einer von ihnen behaupteten Tradition.
- Vielleicht versteht er 'Kultur' als beweglich, widersprüchlich und hybrid und nicht als festgeschrieben und festschreibbar.
- Vielleicht wird er übellaunig, wenn sein Einfluß in diesem kollaborativen Projekt in dieser kulturalisierenden Art und Weise beschrieben wird.
- Vielleicht hat er gesagt: "Hey, ich will was klassisch Modernes machen" und die anderen haben gesagt: "Nee, lass mal lieber so was machen, was mit zeitgenössischer japanischer Architektur assoziiert wird."
- Vielleicht sollte mal kurz darüber nachgedacht werden, dass das Sprechen von "ethnisch gebundener viel reiferer asiatischer Kultur" eine brandgefährliche, weil orientalisierende Zuschreibung ist.
Hab so immer meine Probleme mit der modernen Japanischen Architektur.
Toll ist, dass aus dem Interesse der frühen Moderne für den Osten, heute ein echter, gleichberechtigter geworden ist. Hier in Form einer Zusammenarbeit.