423 Meter über Manhattan
Hochhaus in New York City von Foster + Partners
423 Meter über Manhattan
Hochhaus in New York City von Foster + Partners
270 Park Avenue lautet die Adresse des neuen Hauptsitzes einer der größten Banken der Welt in New York City. Doch nicht nur die Lage von JPMorganChase lässt aufhorchen. Mit seinen 423 Metern und 60 Geschossen gehört das rund drei Milliarden Dollar teure Gebäude zu den höchsten Türmen Manhattans. Es überrascht nicht, dass Superlative und Widersprüche die Planungsgeschichte begleiten.
Die Pläne kommen von Foster + Partners, die 2018 einen Wettbewerb gewonnen hatten. Möglich wurde der Neubau durch eine 2017 beschlossene Änderung im Flächennutzungsplan, der in Midtown höherwertige Neubauten mit deutlich mehr Geschossflächenzahl ermöglichte. JPMorgan Chase nutzte die Chance, das Vorgängergebäude abzureißen. Um fast doppelt so hoch bauen zu können und 14.000 Arbeitsplätze unterzubringen, erwarb die Bank Luftrechte von den Eigentümern zweier benachbarter Gebäude, dem Grand Central Terminal und der St. Bartholomew’s Episcopal Church.
Der abgerissene Vorgängerbau ist kein geringerer als das 1960 nach Plänen von SOM erbaute Union Carbide Building. Die Bank hatte den Turm erst 2012 umfassend modernisiert. Zwei Jahre dauerte der Abriss, er gilt als höchster abgerissener Wolkenkratzer der Welt. Zum Neubau heißt es aus dem Büro Foster: 97 Prozent der Abbruchmaterialien wurden recycelt, wiederverwendet oder upgecycelt, die Zertifizierungen LEED Platinum v4 und WELL Health-Safety sind angestrebt.
Was als muskulöse Eingangsgeste an der Park Avenue daherkommt, ist das Ergebnis eines ingenieurtechnischen Kraftaktes. Da unter dem Grundstück Bahntunnel und Eingänge zu den Bahnhöfen von Grand Central liegen, können die Lasten nur punktuell abgeführt werden. Die Ingenieure von Severud Associates (New York) entwickelten das Tragwerk in Zusammenarbeit mit der Metropolitan Transportation Authority: eine auskragende Konstruktion mit fachwerkartig diagonal verlaufenden Stahlträgern und Verstrebungen und eine über 40 Zentimeter starke Bodenplatte aus Spannbeton, die die Lasten über den Bahnanlagen auf das Fundament im Westteil des Grundstücks ableiten.
Auf diese Asymmetrie folgt eine symmetrische Turmkubatur, die sich in Rücksprüngen nach oben verjüngt und damit an eine verzerrte Hochzeitstorte erinnert. Zum Raumprogramm gehören 93.836 Quadratmeter Handels- und Büroetagen sowie 26.282 Quadratmeter Konferenzräume, Wellnessbereich, Kundencenter und drei Etagen für Führungskräfte.
Foster + Partners bewerben den Bau als „New Yorks größten vollelektrischen Turm mit Netto-Null-CO2-Ausstoß und einer außergewöhnlichen Raumluftqualität, die die höchsten Standards in Bezug auf Nachhaltigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden übertrifft.“ Praktisch heißt das, die erneuerbare Energie kommt aus einem Wasserkraftwerk im Staat New York, die Gebäudetechnik ist KI-gesteuert, es gibt Wasserspeichersysteme, eine bronzefarbene Vorhangfassade mit reflektierender Dreifachverglasung, automatischen Sonnenschutz und Außenterrassen mit Bepflanzung. Deren Planung übernahm Ken Smith Workshop (New York).
Auf diese Asymmetrie folgt eine symmetrische Turmkubatur, die sich in Rücksprüngen nach oben verjüngt und damit an eine verzerrte Hochzeitstorte erinnert. Zum Raumprogramm gehören 93.836 Quadratmeter Handels- und Büroetagen sowie 26.282 Quadratmeter Konferenzräume, Wellnessbereich, Kundencenter und drei Etagen für Führungskräfte.
Foster + Partners bewerben den Bau als „New Yorks größten vollelektrischen Turm mit Netto-Null-CO2-Ausstoß und einer außergewöhnlichen Raumluftqualität, die die höchsten Standards in Bezug auf Nachhaltigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden übertrifft.“ Praktisch heißt das, die erneuerbare Energie kommt aus einem Wasserkraftwerk im Staat New York, die Gebäudetechnik ist KI-gesteuert, es gibt Wasserspeichersysteme, eine bronzefarbene Vorhangfassade mit reflektierender Dreifachverglasung, automatischen Sonnenschutz und Außenterrassen mit Bepflanzung. Deren Planung übernahm Ken Smith Workshop (New York).
Die Innenarchitekturplanung oblag Gensler, STUDIOS Architecture und SOM (New York), die hier ironischerweise die Trümmer ihres einstigen Entwurfs wiederverwenden durften. Ausreichender Frischluftwechsel, hohe Decken, Außenterrassen und eine auf den Tagesverlauf abgestimmte Beleuchtung sollen den Bankern ein angenehmes, gesundes und produktives Arbeitsumfeld bieten. Hinzu kommen Fitnessstudio, Wellness-Angebote und ein Food Court mit 19 Restaurants – ein Ministadtangebot, das alle möglichst lange im Haus halten möchte.
Jenseits all dieser Ambitionen fand die Fachwelt so einige Widersprüche. Archpaper.com kritisierte den Turm wegen seiner Werbeaussage, ein Netto-Null-Gebäude zu sein, was den CO2-Ausstoß der Baumaterialherstellung ignoriere – kreative Buchführung anstatt kreativer Architektur. Der Guardian-Architekturkritiker Oliver Wainwright verwies in seinem Beitrag mit der Überschrift „ökologische Obszönität“ auf die schiere Menge an 95.000 Tonnen Baustahl. Das sei obszön für ein Gebäude, das bei 423 Metern nur 60 Stockwerke umfasst, also nur halb so viele, wie man bei einem solchen Koloss erwarten würde. Es verbrauche 60 Prozent mehr Stahl als das Empire State Building, das höher ist und mehr Quadratmeterfläche hat.
Kritisiert wird nicht zuletzt auch die Lichtkunstfassade, obwohl diese gemäß den Vorschriften um Mitternacht ausgeschaltet werden muss. Der US-amerikanische Künstler Leo Villareal hat am oberen Teil des Turms 1,5 Millionen programmierbare LEDs anbringen lassen, über die er Botschaften und bewegliche Bilder in den Stadtraum senden kann. Linnaea Tillett, die Gründerin von Linnaea Tillett Lighting Design Associates, wies in den sozialen Medien auf den Widerspruch hin, dass das Gebäude mit einer den menschlichen Biorhythmus unterstützenden Innenbeleuchtung werbe, während seine Lichtkunstfassade die Bedürfnisse der Stadtbewohner*innen nach ungestörtem Schlaf ignoriere. Beeinträchtigt sei außerdem auch der Lebensraum von Vögeln.
Jenseits all dieser Ambitionen fand die Fachwelt so einige Widersprüche. Archpaper.com kritisierte den Turm wegen seiner Werbeaussage, ein Netto-Null-Gebäude zu sein, was den CO2-Ausstoß der Baumaterialherstellung ignoriere – kreative Buchführung anstatt kreativer Architektur. Der Guardian-Architekturkritiker Oliver Wainwright verwies in seinem Beitrag mit der Überschrift „ökologische Obszönität“ auf die schiere Menge an 95.000 Tonnen Baustahl. Das sei obszön für ein Gebäude, das bei 423 Metern nur 60 Stockwerke umfasst, also nur halb so viele, wie man bei einem solchen Koloss erwarten würde. Es verbrauche 60 Prozent mehr Stahl als das Empire State Building, das höher ist und mehr Quadratmeterfläche hat.
Kritisiert wird nicht zuletzt auch die Lichtkunstfassade, obwohl diese gemäß den Vorschriften um Mitternacht ausgeschaltet werden muss. Der US-amerikanische Künstler Leo Villareal hat am oberen Teil des Turms 1,5 Millionen programmierbare LEDs anbringen lassen, über die er Botschaften und bewegliche Bilder in den Stadtraum senden kann. Linnaea Tillett, die Gründerin von Linnaea Tillett Lighting Design Associates, wies in den sozialen Medien auf den Widerspruch hin, dass das Gebäude mit einer den menschlichen Biorhythmus unterstützenden Innenbeleuchtung werbe, während seine Lichtkunstfassade die Bedürfnisse der Stadtbewohner*innen nach ungestörtem Schlaf ignoriere. Beeinträchtigt sei außerdem auch der Lebensraum von Vögeln.
Bautafel
- Bauherrschaft:
- JPMorganChase
- Ingenieure:
- Severud Associates
- Innenarchitektur:
- SOM, Gensler, STUDIOS Architecture
- Freiraumplanung:
- Ken Smith Workshop
- Lichtkunst:
- Leo Villareal
- Fläche:
- 228.515 m² Bruttogrundfläche




