H wie Hamburg
Hafencity-Universität von Code Unique
Grundrissmetaphern sind schon lange aus der Mode, und auch Code Unique (Dresden) sind dahingehend sicherlich unverdächtig. Aber: Ihr Neubau für die Hamburger Hafencity-Universität gleicht nicht nur im Grundriss einem schwungvollen H, der Verbindungsstrich zwischen Nord- und Südflügel ist in seiner Ausformung als gebäudehohes Atrium auch das kommunikative Herz des Gebäudes.
Für jede Hochschule ist Kommunikation ein zentrales Thema, für die HCU allerdings, die als Universität für Baukunst und Metropolenentwicklung aus einer nicht immer reibungslosen Fusion hervorging, ist sie überlebensnotwendig. Das Atrium wird hierfür das Seine tun, es fasst alle Wege zusammen und dient der Erschließung der Auditorien und Seminarräume. Wer der neuen Universität bei der Arbeit zusehen will, muss sich also nur eine Weile ins Erdgeschoss stellen.
Die Idee eines Bildungs- und Forschungsbaus, der zugleich der städtischen Öffentlichkeit im neuen Hafencity-Quartier dient, durchzieht den Entwurf von Anfang an. Das beginnt bei der prominenten Lage des Neubaus und seiner signalhaften Wirkung im Stadtraum, betrifft aber auch die Grundrissorganisation, die leicht eine externe Nutzung aller öffentlichkeitsrelevanten Einrichtungen erlaubt.
In den Obergeschossen folgt der studentische Alltag einem einfachen Prinzip. Während im nördlichen Trakt vor allem Laborräume untergebracht sind, dient der südliche Flügel mit seiner Lage am Hafen als Ort für kreative Auseinandersetzung, beherbergt also Ateliers und Werkstätten. In den Geschossen darüber befinden sich die Büros der Arbeits- und Forschungsgruppen, die sich in beide Richtungen orientieren.
Das Projekt hatte eine schwierige Realisierungsphase, was man leider insbesondere dem Äußeren anmerkt, das an einen uninspirierten Verwaltungsbau denken läst. Das Innere mit seinen lichten Sichtbeton-Räumen und den Hell-Dunkel-Kontrasten wirkt dagegen sehr gelungen. Und darauf kommt es an, schließlich ist eine Fassade bei den heutigen Halbwertzeiten schnell ausgetauscht. (sb)
Fotos: Robert Gommlich
Ach und Peter: wenn man die Kommentar-Funktion nicht mehr benutzen soll, um seine Meinung rauszuposaunen, dann hat das ganze Baunetz auf einmal keinen Sinn mehr.
Freu mich über ne nachvollziehbare Erklärung. Danke.
beim sonnenschutz hätte man sich eine geeignetere lösung gewünscht als raffstores die beim wind (an der elbe alltag, keine neuigkeit) während der vorlesung hochfahren bzw automatisch runterfahren und einen auf den balkonen aussperren. die fotos sind auch nur halbwegs von der schokoladenseite aufgenommen, wenn man das so nennen kann. die 0815 WDVS fassade in standard-büro-weiß zur Straße überzeugt gestalterisch überhaupt nicht. auch auf die eigens angefertigte u-bahn haltestelle wird im grundriss kein bezug genommen.
... also das finde ich schon etwas übetrieben, die Fassade als "Vergewaltung des öffentlichen Raums" zu bezeichnen. Ist kein Megahit, aber auch kein Drama und dass solche öffentlichen Projekte eben ihre ganz eigene Spar-Dynamik haben, ist nun nicht nur Schuld der Architekten. Und die Aussage, dass die Fassade die Leser überleben wird? Hm, wir erleben doch überall gerade, dass die 70er und auch die 80er komplett überarbeitet werden, erhalten bleibt oft nur der Rohbau und die Grundstruktur. Da gab es doch einige Projekte hier im Baunetz in letzter Zeit. Ist ja im übrigen auch der normale Verschleiß. Kritik und Polarisieren ist ja schön und gut, aber dafür braucht es auch eine tiefe, ausgewogene Auseinandersetzung mit entsprechend großem Aufwand, wenn man nicht einfach ins Kollegen-Bashing verfallen will. Das sieht man hier ja leider oft an den Kommentaren, was heraus kommt, wenn sich jemand 30 Sekunden mit etwas beschäftig und dann schon seine Meinung rausposaunt, siehe Jonny weiter unten. So gesehen finde ich die Texte meistens ganz gut, man erfährt zackig die wichtigsten Aspekte, und oft gibts doch sogar auch ein wenig Kritik oder ein paar weiterführende gedanken. Und ich meine, "uninspirierten Verwaltungsbau" ist jetzt auch nicht gerade ein Lob...