Der 2017 in Bayern gesetzlich beschlossene Wechsel zum neunjährigen Bildungsgang (G9) beeinflusst auch die Gebäude der Gymnasien. In München bezog das Städtische Thomas-Mann-Gymnasium kürzlich einen Neubau, um der gewachsenen Zahl an Schüler*innen gerecht zu werden. Für 118 Millionen Euro ließ die Landeshauptstadt das Haus samt Fahrradgarage errichten. Die Pläne stammen von h4a Gessert + Randecker Architekte (Stuttgart/München), die sich in einem VgV-Verfahren durchsetzen konnten.
Neben zusätzlichen Klassenräumen bietet der Neubau in der Gmunder Straße den Schüler*innen nun auch einen Außensportplatz, Ausstellungsräume für gefertigte Kunst und eine großzügige Lehrküche. In Summe sind über 26.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche entstanden. Das sechszügige Gymnasium ist – wie generell für Schulneubauten in der bayerischen Hauptstadt empfohlen – nach dem Münchner Lernhauskonzept organisiert. In diesen Lernhäusern gruppieren sich je vier bis sechs Klassen eines Jahrgangs mit etwa 100 Schüler*innen um eigene Lern- und Rückzugsbereiche. Dazu gehören auch Inklusions-, Team- und Multifunktionsräume.
Wer bei Lernhäusern an pavillonartige Schulen denkt, wird vom kompakten Baukörper überrascht. So kommt er als vollverglaster Quader mit umlaufenden Austritten daher. Intern findet sich das Prinzip allerdings in Form von zwei eingeschnittenen Atrien wieder, um die sich je Geschoss zwei Lernhäuser konzentrieren. Zudem sollen verschiebbare Wände stellenweise für mehr Flexibilität sorgen. Erschließung und Sanitäranlagen gruppieren sich um ein weiteres schmales Atrium im Zentrum.
Ein durchgehender Sockel schirmt den Schulhof von den beiden Hauptstraßen ab. Südlich ist er lediglich als Wand ausgebildet, die teils opak, teils transparent für Lärmschutz sorgt. Gegenüber nimmt er etwa die Rampe auf, die parallel zur Straße hinunter in die Fahrradgarage mit rund 450 Stellplätzen führt. Sie wurde durch Künstlerin Georgia Creimer gestaltet, die hier im Kontrast zum urbanen Kontext „Assoziationen zu Wald, Wiese und Himmel“ schaffen wollte. Hinter der Fahrradgarage verbergen sich die Sporthalle samt Tribüne und Außensportplätze für diverse Ballspiele. Einen dieser Plätze erkennt man auch von der Straße am filigranen Ballschutz, der ein wenig an das Dach des Wohnhauses Bellevue di Monaco denken lässt. Hier könnte es im nächsten Jahr etwas lauter werden – dann darf nämlich der erste G9-Jahrgang sein Abitur feiern. (tg)
Fotos: Zooey Braun, Studio Olaf Becker, Günter Richard Wett
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Die ursprüngliche Schule in der knapp anderthalb Kilometer entfernten Drygalski-Allee wurde in den 1960ern während eines Schulnotstands errichtet. Das zeigen nicht zuletzt zwei baugleiche Einrichtungen im Stadtgebiet. Die Zukunft des Bestands bleibt nach dem Auszug im letzten Jahr allerdings umstritten. So ist zwar der erneute Einzug von Gymnasialklassen einer anderen Schule geplant, doch sollen Sanierungsarbeiten erst sukzessive im laufenden Betrieb folgen.
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M. | 16.05.2025 09:53 Uhrring ring ring:
"alles raustreten zum freigang im hof"
da kann selbst zooey nicht mehr viel retten.
[Bild #11]