Von Quadern, Kegel und Cluster
Grundschule in Fellbach von löhle neubauer architekten
Das Fach Baukultur hat es zwar noch nicht in den allgemeinen Lehrplan geschafft, doch dürfte es in der Maickler-Grundschule im schwäbischen Fellbach nordöstlich von Stuttgart vielleicht ganz nebenbei unterrichtet werden. In direkter Nachbarschaft zur denkmalgeschützten Kirche Regina Maria, dem Hauptwerk des Architekten Klaus Franz von 1967, schufen löhle neubauer architekten (Augsburg) einen Neubau für eine Clusterschule im Auftrag der Stadt Fellbach. Der Kontrast zum umgebenden Wohnquartier mit seinen typischen Zeilen und Vorgärten sowie einem Schulbauensemble aus den 1960er Jahren fällt auf, spätestens im Detail.
Der rechteckige Neubau steht auch im formalen Kontrast zum markanten Kegelstumpf der Kirche nebenan und ist im Kontext eines Campus mit Realschule und Gymnasium verortet. Sie hätten den dreigeschossigen Bau mit fast quadratischem Grundriss so positioniert, dass er eine optimale Ausnutzung der Freiflächen ermöglicht, erklären die Architekt*innen. Über einen kleinen Vorplatz nach Osten beziehungsweise den Pausenhof im Westen lässt sich das Gebäude von zwei Seiten erschließen. Dabei springt das Erdgeschoss an mehreren Stellen zurück, die Obergeschosse kragen deutlich über die Eingangszonen und Teile des Hofes aus.
Die Pfosten-Riegel-Fassade im Sockel suggeriert Offenheit, der Rücksprung nimmt dem Quader die Massivität. Auffällig ist die Hülle der Obergeschosse: Die hinterlüftete Fassade versahen löhle neubauer architekten mit einem Glasmosaik, das in schwarz-braunen Tönen zwischen matt bis glänzend changiert. Die bandförmigen Öffnungen mit Holz-Aluminium-Fenstern bekamen an den Lüftungsflügeln vorgehängte Aluminiumgitter, während die Wandpartien im Erdgeschoss und den zwei Innenhöfen ebenfalls mit dunkelbronzenem Aluminium bekleidet sind.
Innen zeigt sich ein gut strukturiertes Raumprogramm für die 3,5-zügige Schule, die Platz für 350 Kinder beziehungsweise 400 Personen bietet. Eine Art Magistrale verbindet die beiden Eingänge und lässt sich mit der angrenzenden Mensa zu einem Multifunktionsraum zusammenschalten. Über eine mittige Treppe gelangt man in die zwei deckungsgleichen Obergeschosse. Dort speisen die begrünten Innenhöfe Licht in die Kernbereiche und über ein Atrium bis ins Erdgeschoss. Auf den Clusterebenen gruppieren sich pro Einheit je ein Klassen-, Gruppen-, Rückzugsraum und Teambüro rings um die Mitte. Die Zwischenräume füllen Lese- und Spielecken sowie Schalträume, die für Musikgruppen, Förderklassen oder Hortangebote genutzt werden können.
Die Tragstruktur aus Stahlbeton bleibt innen teils sichtig. Ansonsten dominieren Eichenholz für Böden und Einbauten, Terrazzo im Erdgeschoss, Holzwolle an den Decken sowie transparente Absturzsicherungen und Trennwände oder textile Raumteiler. Mit 750 Quadratmetern begrüntem Dach sowie Photovoltaik, Nahwärme, minimiertem Kunstlichtbedarf, Nachtauskühlung, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und Sonnenschutz ist einem wirtschaftlichen Energiekonzept Rechnung getragen.
Effizient scheint auch die Umsetzung. Das 6.400 Quadratmeter Bruttogrundfläche umfassende Projekt, das aus einem einstufigen, nicht offenen Wettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren 2018 hervorging, wurde in 2,5 Jahren Bauzeit realisiert. Zudem habe man laut der Verantwortlichen das Baubudget von 25 Millionen Euro unterschritten. (sab)
Fotos: Brigida González
Empfehlenswerte Lektüre zum Thema bieten zwei unserer Baunetzwochen.„Architektur in die Schule“, sagt unsere Baunetzwoche#340. Alles Wichtige über Cluster und Lernlandschaften findet man in der Baunetzwoche#528.
- anmerkungen über "geschmack"
- ambulatorisches zu syntax/grammatik der sprache
- namedropping (zeitliche einordnung genannter?)
- solidaritätsbekundungen
vorschlag, nivaeau im minimum gutes proseminar:
- h. häring / h.- scharoun ... leistungsform etc.
- auswirkungen aktuelle grw/wbw auf gebautes
- raum und prägung durch denselben
- weiteres
1. die, die es besser gekonnt hätten (Bild 14 zu trostlos)
2. die, die wüssten, wie es eigentlich gehört (im Grundriss fehlen die Türen)
3. die, die das Verfahren schon längst durchschaut haben (Wettbewerbe werden nur von Schachteln gewonnen)
4. die, die sich lieber mit anderen Dingen beschäftigen (Gender der Büroinhaber)
Vielleicht gehöre ich in diesem Zusammenhang zu den Exoten, aber ich finde diesen Schulbau außerordentlich gelungen.
Sowohl die Grundrissorganisation als auch die Farb- und Materialwahl, aber auch die konsequente Detaillierung zeugen von sehr sorgfältigen, behutsamen und überzeugenden Planungsüberlegungen.
Das Ergebnis überzeugt nicht nur in seiner Konsequenz sondern auch in der Vielfalt seiner Nutzbarkeit und letztendlich auch in der Hochwertigkeit seiner Materialien.
Ich wäre hier liebend gerne zur Schule gegangen und ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Kinder ihr Umfeld entsprechend zu schätzen wissen. Eine derart überragende Qualität ist im Schulbau nämlich alles andere als eine Selbstverständlichkeit.
Gratulation an die Architekten und die Bauherrschaft zu diesem absolut überzeugenden Ergebnis!
der hat dort auch schon schulen geplant die auch gebaut wurden §und das in schief und bunt.
viellecht ist es ja eine entwicklung, vielleicht hat der bauherr es so gewollt.
tatsache ist dass es eine gut organisierte schule ist.punkt.
der rest ist immer geschmackssache ...
DOCH!
Interessante Diskussion, leider größtenteils etwas off-topic und teilweise fast schon beleidigend - und ob das Büro seine bemerkenswert vielen Wettbewerbserfolge aufgrund interner Seilschaften feiert, ist 'not our cup of tea'. So ein Bashing unter Architekten erlebt man hier selten.
Vielleicht sind sie auch einfach gut.
Insgesamt würde ich das Gebäude im Bereich 'eher gelungen' einordnen. Sauber geplant, feine Details, auch bei den Einbaumöbeln.
Die Auskragung über der Glasfassade empfinde ich auch als etwas zu niedrig, das Innere hat tatsächlich etwas Büro-Charme und hätte für meinen Geschmack gerne etwas Farbe vertragen können. Und vielleicht weniger Glasgeländer.
Aber ansonsten: Stabil. Und weit über dem Durchschnitt.