Ein Dach, fünftausend Mahlzeiten
Großküche mit Kantine bei Paris von ateliers o-s architectes
Mehrere Schulkantinen und Seniorenheime in Ermont und Bessancourt in der nördlichen Banlieue von Paris beziehen ihr Essen seit Mitte 2025 aus einer neuen Großküche mit dem klingenden Namen L’Arche des Saveurs. Hier werden tagtäglich rund 5.000 Mahlzeiten gekocht. Das eigens dafür in der Nähe der Bahnstation Ermont-Eaubonne errichtete Gebäude entstand nach einem Entwurf von ateliers o-s architectes (Paris/Nantes). Die Stadt Ermont investierte rund 8,3 Millionen Euro in die Einrichtung, die mit einem integrierten restaurant solidaire auch bedürftige Bürger*innen mit günstigen Mahlzeiten versorgt. Sie kann außerdem für kulinarische Veranstaltungen genutzt werden.
Der funktionale Flachbau mit betont wuchtigem Dach liegt unmittelbar neben einem kleinen Park inmitten einer locker bebauten Wohngegend. Dort fügt er sich dank einer kompakten, pavillonartigen Form trotz seiner Bruttogrundfläche von immerhin rund 2.400 Quadratmetern gut ein. Der Baukörper wurde an der nördlichen Grundstücksgrenze platziert, an der südlichen befindet sich ein Bestandsbau mit weiteren Veranstaltungsflächen der Stadtverwaltung. Zwischen ihnen entstand ein Hof, in dem nun Anlieferung und Abholung erfolgen, sodass die Nachbarschaft wenig von der Essenslogistik mitbekommt.
Konstruktiv handelt es sich um eine modulare Hybridstruktur aus Holz und Beton. Auf dem teils mit hellem Metall verkleideten und teils aus Glasflächen bestehenden Sockel sitzt die markante, fast schon brutalistisch anmutende Dachstruktur aus Holz, in der partiell auch die technische Ausstattung untergebracht ist. Sie kragt gebäudeumlaufend leicht aus, vor dem zum Park hin orientierten Speisesaal sogar so weit, dass eine wettergeschützte Terrasse entstand. Halbkreisförmige Einschnitte akzentuieren die Dachplatte an allen vier Seiten. Ein Rücksprung an der südlichen Front markiert die Verladezone.
Eine möglichst flexible Raumaufteilung war zentrales Thema der Planung, um den Anforderungen an die Skalierbarkeit des Betriebs gerecht zu werden. Der großflächig verglaste Ostteil des Volumens nimmt zum einen die Küche und den Speisesaal auf. Zum anderen liegen hier Büros und ein kleiner Bildungsbereich mit Veranstaltungsraum. Im Westteil befinden sich Produktions- und Lagerräume. Wie die Architekt*innen mitteilen, ermöglicht ihre Anordnung einen U-förmigen Warenfluss, der für Effizienz und Sicherheit bei internen Arbeitsabläufen, Abfallentsorgung und der Bearbeitung von Lieferungen sorgen soll. (da)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- ateliers o-s architectes: Vincent Baur, Guillaume Colboc, Gaël Le Nouëne
- Team Entwurf:
- Fanny-Gaëlle Primard
- Team Bauausführung:
- Eleonore Lecoq, Emilie Gontier Anandappane
- Tragwerksplanung:
- EVP Ingénierie
- TGA, HLK, Küchenplanung:
- GEFI Ingénierie
- Akustik:
- ECKEA
- Baukostenplanung:
- VPEAS
- Bauherrschaft:
- Ville d’Ermont
- Fläche:
- 2.436 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 8.300.000 € netto




