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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Geschosswohnungsbau_von_Luetjens_Padmanabhan_6506806.html

07.06.2019

Zitierfreudig in Zürich

Geschosswohnungsbau von Lütjens Padmanabhan


Lütjens Padmanabhan Architekten wissen herauszufordern. Ihr Wohnhaus am Schlachthof erinnert äußerlich an Bürobauten der Achtzigerjahre und irritiert damit so manche Betrachter*in. Hintergrund dieser Fassade war die Auseinandersetzung mit der randstädtischen Heterogenität Zürichs, auf die die Architekten mit einem vorstellbar unangepassten Bauwerk reagieren wollten. Und auch ihr jüngstes Projekt, ein Mehrfamilienhaus am westlichen Rand von Zürich-Oerlikon, strapaziert eingefahrene Sehgewohnheiten.

Dabei sind die einzelnen Elemente des Fünfgeschossers nicht neu: Metallhütchen wie bei Hejduk’s IBA-Wohnturm, ein Schuppenkleid à la Venturi aus Eternitplatten oder ein Holzraster im Stil der Renaissance – das Umfeld am baulich fragmentierten Stadtausläufer verleitete Oliver Lütjens, Thomas Padmanabhan und das Team zu einem wahren Zitatefeuerwerk. Die Idee: Wenn der Kontext als starke äußere Referenz versagt, muss das Haus die Referenzen selbst schaffen – und schließlich wieder etwas zum Kontext beitragen.

Spitzwinklig steht der Neubau mit 3.699 Quadratmetern Geschossfläche im Allenmoosquartier. Die Architekten konnten den Wettbewerb der PWG-Stiftung, die sich in Zürich für den Erhalt preisgünstiger Wohn- und Gewerberäume einsetzt, 2013 als Nachwuchsteam für sich entscheiden. Insbesondere das Grundrisskonzept überzeugte das Preisgericht: Jede der 21 Mietwohnungen wird über eine so genannte Küchendiele betreten, die auch als Esszimmer dient. Die meisten weiteren Räume sind dort angeschlossen, nur zu den Bädern führen weitere Verteiler. Für höhere Nutzungsflexibilität variieren die Zimmer nur marginal in ihrer Größe.

Gestalterisch legten sich die Architekten im Inneren auf eine Zeitperiode fest: Es herrscht die Ästhetik der Neunzigerjahre. Ihre schwarz-weißen Kunststeinsteintreppen, schräg verlaufenden Materialwechsel und verkleideten Stützen mit gebautem Schatten mögen dann zwar wie zeitgeistige Spielereien erscheinen, für den Preis von umgerechnet circa 4.000 Euro pro Quadratmeter wurde und wird im Wohnungssektor allerdings weitaus charakterloser gebaut. (kms)

Fotos:
Hélène Binet


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