Muschelkalk für Stuttgart
Geschäftshaus von wulf architekten
Von typischen Fünfzigerjahrebauten umschlossen, erhebt sich in Stuttgart-Mitte ein neues, mit hellen Natursteinen verkleidetes Büro- und Geschäftshaus. Der Neubau von wulf architekten (Stuttgart) befindet sich in der Stiftstraße, die die Königsstraße, Stuttgarts Einkaufsmeile, mit dem vor drei Jahren neugestalteten Dorotheen Quartier verbindet. In unmittelbarer Nähe liegen nicht nur die denkmalgeschützte Stiftskirche, sondern auch das von Karl Gonser 1956 fertiggestellte und 2012 sanierte Bürogebäude mit Traventinfassaden. Das unter dem Namen „König von England“ bekannte Gebäude stellte den wichtigsten Bezugspunkt für die Gestaltung des Neubaus dar, so wulf architekten.
Mit ihrem Entwurf hatten sie 2015 den Realisierungswettbewerb für ein neues Büro- und Geschäftshaus mit einer Bruttogrundfläche von 2.440 Quadratmetern gewonnen. Das zum damaligen Zeitpunkt auf dem Grundstück bestehende Geschäftshaus entsprach „nicht mehr den marktüblichen Anforderungen in Bezug auf Adressbildung, Geschosshöhen und Tragwerksachsen“, heißt es in der Projektbeschreibung und wurde daher durch ein zeitgenössisches Gebäude ersetzt.
Die Struktur des Neubaus folgt erneut den umgebenden Fünfzigerjahrebauten: im Erdgeschoss eine zurückspringende Schaufensterfassade, darüber drei leicht auskragende Obergeschosse. Während der Erdgeschossbereich und das erste Obergeschoss für Handel vorgesehen sind, wurden die beiden oberen Etagen als Büroflächen gestaltet. Die fein strukturierte Fassade aus Muschelkalk nimmt ebenfalls die charakteristische Architektursprache der Fünfzigerjahrebauten auf und versucht, wie die Architekt*innen erklären, direkte Bezüge zu seinen berühmten Nachbarn herzustellen. Die Baukosten des Gechäftshauses, das bereits vom französischen Modekonzern Hermès bezogen wurde, werden mit 5,5 Millionen Euro angegeben. (mg)
Fotos: Brigida González
solide gemacht. auch wenn ich kein riesen fan von behnisch´s württemgebirge um die ecke bin - ein bischen mehr leichtigkeit, ein bischen mehr kleinteiligkeit würde der stuttgarter altstatt schon gut tun. die feingliedrigen nachkriegsbauten mögen gegenwärtig nicht viele beführwortende stimmen haben, denoch geben sie dieser innenstadtscholle einen angenehmeren maßstab als die die stuttgarter innenstadt dominierenden moderneren geschäftsbauten - hier wurde räumlich 1:1 ersetzt, jedoch mit härten konturen und einer traufe ohne feierlichkeit. eine nicht der architektur anzulastende expansion der eg-ladenzeilen monotonisiert die den markt mit dem alten schloss verbindene straße aufs weitere - mir ist bis heute ein rätsel, warum die stadt stuttgart keine, für den altstadtbereich ganzheitlich konzeptionel zusammenhängende stratgie entwickelt hat. das leonardsviertel ist bis heute ein gallisches dorf, fast eine enklave für sich, wohingegen sich der kernbereich der altstadt sich immer weiter zu einem vollumfassenden reinen geschäftsviertel häutet (gehäutet hat), eben auch in diesen sensiblen bereichen rund um die stiftskriche... mag das für die reine betrachtung der gut ausgeführten qualität des bauvorhabens keine bedeutung haben - im gesamtkontext ist das ausgetauschte puzzelstück allenfalls ein branchenspezifisches, jedoch kein stadtfunktionales. ...achja, sätzen wie diesen verdanken wir unser täglich brot: "nicht mehr den marktüblichen Anforderungen in Bezug auf Adressbildung, Geschosshöhen und Tragwerksachsen" ...hmmmm, der satz muss einfach überzeugen! ....so kommen wir richtig nah ran an den großen kuchen...nachhaltigkeit usw. wäre aber auch gegangen...irgendwie muss das ja weg, was schon da ist, sonst verliert sich die legitimation... ...ist halt blöd, wenn der architekt aus seinem baukasten sinnstiftendes hergeben muss, wenn doch der bauträger seine motivation mal auf tablett legen könnte...wertsteigerung, rendite und so...klingt halt nicht so (ab)mitreißend...