Sibirische Lärche auf der Elbinsel
Geplantes Seniorenheim in Hamburg-Wilhelmsburg
Der Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg ist besonders: Auf einer Elbinsel liegt er, abgeschnitten von der Innenstadt, umgeben von Wasser, Hafen und Industrie. Sein Name stammt aus dem 17. Jahrhundert, als Georg Wilhelm von Braunschweig das sumpfige Gebiet erwarb und trocken legte. Danach folgte eine lange proletarische Geschichte samt Arbeitersiedlungen und Backsteinexpressionismus, die schließlich in der Verwahrlosung dieses Erbes mündete.
Seit ein paar Jahren wandelt sich dieser periphäre Teil Hamburgs allerdings gewaltig. Gentrifizierung und postindustrielle Transformation sind die Schlagworte. Die IBA Hamburg, die vor allem die alte Elbinsel zur Spielstätte erhob, hat zum Wandel beigetragen. Seither zählt der knallbunte 200 Meter lange Schlängelbau der Stadtentwicklungsbehörde von Sauerbruch Hutton zur Landmarke auf der Insel.
Teil der Wandlung, die immer noch auf der Welle der IBA Hamburg liegt, ist ein neues Wohngebiet mit 2.000 Wohnungen. Zu dem städtebaulichen Projekt zählen auch 98 öffentlich geförderte Seniorenwohnungen. Diese wird nun mit Tim Schulenburg ein angehender Architekt aus einer alteingesessenen Familie bauen: die Schulenburgs leben selbst seit dem 17. Jahrhundert in Wilhelmsburg. Das Architekturbüro Schulenburg, vor dreißig Jahren von Gerhard Schulenburg in Buxtehude gegründet, wird im Auftrag der SG-Bau das sieben Stockwerke hohe Gebäude mit Appartements für ein bis zwei Personen bauen.
Die Materialwahl des Projekts ist ungewöhnlich: Kein klassischer Sichtbeton, sondern ein betonartiger grauer Stein wird dem Bau im Sockel vorgeblendet – damit, wie Architekt Tim Schulenburg in einer Regionalzeitung zitiert wird, der Bau „monolithisch wirkt“. Darüber wechselt Schulenburg zu sibirischer Lärche, die an ein gegenüber geplantes Wohnheim in Holzmodulbauweise anknüpft. Zur Straßenseite wird sich das Haus im Stil des Neuen Bauens mit einem verglasten Treppenhaus an abgekappter Ecke zeigen. Im Grundstücksinneren entsteht ein Hof mit Spielplatz und Fahrradstellplätzen. (sj)
Das Schlimme ist, das dieses Haus auch Geld kostet und ein Bauherr dafür Geld bezahlt. Ganz schlecht angelegtes Geld.
Kreative Lösungen kosten erstmal kein Geld, man muss nur die richtigen Leute fragen.
Mit einem Wettbewerb hätte sich der Bauherr die beste Lösung aussuchen können. Warum wird das nicht gemacht?
Hier werden Bauherren auch sehr schlecht beraten.
Wenn da nicht nachher noch die Lärchenfassade eingespart wird, weiß ich es nicht...
Trotzdem Dank an Baunetz, dass es uns die Augen öffnet darüber, was in unserem Land Normalität ist
Die Ansicht "erzählt" von einem Bunker; Die Kubatur ist ein riesiger Block; Das Lärchenholz in der Fassade erzählt von innovativen Materialen und Modernität, die es sonst im ganzen Entwurf nicht gibt.
Ein typisches Beispiel für schlechte Kulissenarichtektur (... soll halt modern aussehen, sonst alter Standard aus dem letzten Jahrhundert...)
Seniorenwohnen wird in unserer alternden Gesellschaft so ein wichtiges Thema werden.
Dieses Projekt ist kein positiver Beitrag dazu.
Warum gibt es hier keine Wettbewerbe? ... moderne neue Konzepte, innovative Lösungen?
Man kann nur hoffen das mal als älterer Mensch hier nicht einziehen muss.
Hier ist selten ein schlechterer Entwurf präsentiert worden. Das beginnt ja bereits mit der Anordnung einer verkrampften U-Form mit enger Hof-Schlucht - warum kein offener Winkel? Denn wenn man die Anlage nach Außen schon so verrammelt, sollte sie sich doch wohl wenigstens nach Innen öffnen.
Wer sowas baut, bestraft nicht nur die potenziellen Insassen, er setzt langfristig auch seine Investition in den Sand.
Ein Entwurf, der schon im ersten Semester durchgeflogen wäre.