Hölzerne Hybride
Geförderter Wohnungsbau von Kaden + Lager in Berlin
Holzbauweise im Sozialen Wohnungsbau ist in Deutschland bisher noch immer eine Seltenheit. Zu teuer, zu experimentell. Dabei kann der nachhaltige Baustoff ressourcenschonende, wirtschaftliche und innovative Lösungen bieten, wie beispielsweise jüngere Projekte aus der Schweiz zeigen. Die Berliner Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE traut sich was und lässt derzeit in Berlin-Adlershof über 1.000 Wohnungen mit gefördertem Anteil in Holzhybridbauweise errichten. Drei Gebäude unter dem Projekttitel „UH – Urbaner Holzbau“ wurden nun im März 2019 fertiggestellt, für die Planung und Umsetzung zeichnen die auf Holzbau spezialisierten Architekten von Kaden + Lager (Berlin) und der Generalübernehmer Brüninghoff (Heiden) verantwortlich. Das Projekt passt gut zur aktuellen Diskussion über die Berliner Wohnungspolitik und die Frage, ob auch nach der Einführung einer Mietobergrenze qualitativ hochwertiger Neubau möglich sei.
Auf rund 0,3 Hektar Grundstücksfläche stehen die drei zueinander verdrehten Gebäudevolumen in Würfeltypologie, in denen auf 3.480 Quadratmetern Bruttogrundfläche 42 Wohnungen Platz finden. 16 Wohnungen sind gefördert, was bedeutet, sie werden zunächst mit einer Einstiegsmiete von 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet. Die übrigen 26 Wohnungen sollen laut Angaben der HOWOGE im Mittel nicht mehr als zehn Euro pro Quadratmeter kosten – ein Betrag, der allerdings über der kolportierten Mietobergrenze von 7,96 Euro für Bauten bis 2013 liegen würde. Neubauten sollen freilich fürs erste vom geplanten Gesetz ausgenommen sein.
Die Ein- bis Vierzimmerwohnungen mit Größen von 36 bis 100 Quadratmetern planten Kaden + Lager durchgehend barrierefrei. Alle Gebäudekörper verfügen über vier Geschosse mit einem Staffelgeschoss, das jeweils mit dem vierten Stock über Maisonette-Wohnungen verbunden ist. Im ersten Geschoss befinden sich wiederum kleinere Studios mit offener Küchenzeile. Kompakt geplant, wickeln sich alle Wohnungen um einen zentralen Treppenkern. Fast jede Wohneinheit verfügt über einen Balkon.
Einer Hybridbauweise entsprechend besteht das Projekt nicht gänzlich aus Holz. Der innenliegende Treppenkern sowie alle Decken sind aus Stahlbetonfertigteilen errichtet, für Dach und Wände wurden Holztafelelemente eingesetzt und die Fassade mit einer Holzschalung verkleidet, so Projektleiter Stefan Gerdemann von Brüninghoff. Der Vorteil dieser Bauweise: Während Beton beispielsweise mehr Last aufnehmen kann, erlaubt Holz eine effektivere Raumausnutzung. Auf die Holzrahmenkonstruktion der Wände wird lediglich eine Gipsplatte innen und die Fassade außen angebracht. Bei gleicher Kubatur kann das im Vergleich zum Massivbau mehr Wohnfläche bedeuten. Die Vorfertigung vieler Bauteile reduzierte außerdem die Bauzeit auf eine Woche pro Geschoss, bei präziserer Ausführung und einer emissionsärmeren Baustelle. Die Fertigung fand unter anderem in Brüninghoffs Werken in der Nähe von Halle an der Saale statt.
In vielerlei Hinsicht kann der Holz-Hybridbau überzeugen, jedoch bestätigt sich die Erwartung, besonders preiswert bauen zu können, noch nicht. Eine deutliche Reduzierung der Kosten würde erst spürbar bei größeren Projekten. Die HOWOGE ist anscheinend dennoch überzeugt, für weitere Bauvorhaben im Mühlengrund und in den Johannishöfen möchte sie ebenfalls vorgefertigte Holztafelelemente im Fassadenbereich einsetzen. (kg)
Fotos: Brüninghoff, Dombrowsky
Mehr zum zunehmend auch bei Mehrgeschossern alltäglichen Baustoff Holz auch in der Baunetzwoche#506.
In Adlershof experimentierten kürzlich auch schon Roedig + Schop mit Holz im Wohungsbau.
@ balina: Ich verstehe die Aufregung in den Kommentaren über die Gestaltung auch nicht. Danke für die Profikritik.
Vielen Dank erst einmal für das Kompliment als Profikritiker. Gerne möchte ich noch einmal auf die genannten Punkte eingehen: Städtebau: Meinen Sie das Ernst? nur weil man entlang der diagonalen Achse jeden Würfel parallel zur angrenzenden Grundstücksgrenze dreht entsteht doch kein städtebauliches Konzept. Die Skizze zur Drehung entlarvt dies recht gut. Es entsteht weder eine Definierung von Plätzen, eine räumliche Rahmung noch ein geschützter Innenraum, zumindest eins von dreien sollte bei dem baulichen Volumen doch möglich sein? (Zugegebenermaßen ist der städtebauliche Rahmenplan für das Gebiet in Adlershof auch von vorneherein schon recht fragwürdig, man kan wohl diesem Projekt nicht die alleinige Schuld geben.) Erdgeschoß: Wenn wir anfangen ernsthaft Nebenräume als wünschenswerte Erdgeschoßnutzung für die Belebung eines Quartiers zu definieren, wird die Diskussion leider absurd. Tektonik: Gegen die horizontale Gliederung der Brandabschottung hat doch gar keiner was gesagt, die ist ja noch das Beste an der Fassade. Traurige Ironie ist nur wenn das einzige tektonische/gliedernde Element dann gegenüber den Renderings eine für den Brandschutz notwendige Teilung ist. In diesem Sinne gut das es zumindest den Brandschutz gegeben hat. Liebe(r) balina, daher gestehen Sie mir bitte zu hier auch Kritik zu benennen, das reflexhafte Kollegen gehate auf Baunetz stört mich ebenfalls oft, allerdings ist es in diesem Falle doch, wie man auch an den anderen Kommentaren sieht, wohl durchaus substanziell. Holzbau: Es geht mir hierbei nicht um eine pauschale Verurteilung des Holzbaus sondern darum, das es nicht nachhaltig wird wenn ein architektonisch fragwürdiges Projekt auf einmal zum neuen Standard im Wohnungsbau erhoben werden soll nur weil ein Teilaspekt dessen (Holzfassade) möglicherweise nachhaltig ist. Entschuldigung aber das erinnert mich dann doch an die Lobbyarbeit der WDVS Hersteller. Bisschen Holz an die Fassade stellen und alle Beteiligten können sich mit reinem Gewissen im Glanze ihrer nachhaltigen Projekte sonnen, ohne weitere Aspekte in Frage zu stellen. Kaden Lager hat ja auch durchaus ansprechendere Vorschläge zum Umgang mit Holzbau gemacht. Die Schelte gilt insofern auch dem Investor.
Zu dieser Meldung leider nicht der Fall. Wer Pläne und Texte lesen kann, dem wird geholfen. @Frauke und KarlStahl Städtebauliches Konzept? Im Rahmen der Blockgeometrie eindeutig abgeleitet. Erdgeschoßnutzung? Wohnungen und notwendige Nebenräume @alle anderen Berufspositivisten: fangen Sie bitte erst mal an zu bauen im Normendeutschland, dann reden wir weiter über ach so schlimme Fallrohre, Kostendruck und Das-haben-wir-aber-immer-schon-so-gemacht. Gratulation an K+L, ich bin mir sicher, dass das Meiste des Vorgenommenen geglückt ist, aber nicht alles Tektonik? GIbt sogar Bilder der Fertigung, die nach wie vor gegebenen Brandschutzvorgaben führen zwangsläufig zu den horizontalen Verblockungen der Hinterlüftung Nachhaltigkeit? Nachwachsende Rohstoffe liegen mit Abstand in der Gesamtbilanz vor Sondermüll-WDVS und Betonbau