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08.04.2019

Neustart in der alten Scheune

Galerie Zink eröffnet Standort in der Oberpfalz


Eine Handvoll Häuser, Kuhställe und eine Kirche – das beschauliche Waldkirchen auf halber Strecke zwischen Nürnberg, München und Regensburg zählt für Kunst- und Architekturinteressierte bisher nicht zu den relevanten Adressen. Das dürfte sich ändern, denn jetzt gibt es in dem kleinen Dorf auch eine namhafte Galerie für zeitgenössische Kunst: Im 25. Jahr ihres Bestehens und nach Stationen in Regensburg, München, New York und Berlin eröffnete die Galerie Zink am vergangenen Wochenende hier, mitten im sprichwörtlichen Nirgendwo, die Türen ihres neuen Domizils in einer eigens dafür umgebauten Scheune. Ein Ausflug in die Oberpfalz.

Von Diana Artus

Beim Öffnen der Autotür duftet es unverkennbar nach Land. Kein Wunder: In Waldkirchen kommen auf ganze 26 Einwohner gut 120 Kühe. Ein paar von ihnen gehören Michael Zink. Der Galerist bewohnt schon seit 2012 das ehemalige Pfarranwesen der Gemeinde. Nun ist auch seine Galerie, die sich bis 2016 direkt hinter der Berliner Volksbühne befand, hier angekommen. Es sei Zeit für einen fundamentalen Wechsel gewesen, so Michael Zink über den ungewöhnlichen Umzug in die tiefste Provinz, nachdem der Spaß an der Arbeit im überdrehten Kunst-Hotspot Berlin zunehmend auf der Strecke blieb. Statt oberflächlicher Blitzvisiten hofft er am neuen Standort auf Besucher*innen, die wieder Zeit, Muse und echte Neugier mitbringen – Entschleunigung und Erdung werden auch im schnelllebigen und hochgradig spekulativen Kunstbetrieb mehr und mehr zum dringenden Bedürfnis.

Einige kleinere Ausstellungen hatte Zink in den letzten Jahren schon in seinem Wohnhaus realisiert, die Verlagerung der gesamten Galerie jedoch erforderte neue, adäquate Räumlichkeiten. Sie entstanden in einer zur früheren Pfarrökonomie gehörenden Scheune. Zwei Jahre dauerte es, um aus dem alten Stadel einen Präsentationsort für hochkarätige Kunstwerke zu machen. Für die Planung dieser umfassenden Transformation konnte Michael Zink mit Tamara Henry und Mathieu Robitaille zwei Schweizer Architekt*innen gewinnen, die seine Leidenschaft für die Kunst teilen und auch als Sammler*innen in Erscheinung treten. Die beiden kennen sich seit ihrem Studium in Lausanne und haben anlässlich des Projekts in Waldkirchen ihr eigenes Büro gegründet: Vom Walliser Weindorf Flanthey aus agieren sie als Atelier Dimanche.

Der Umbau des Bestandsgebäudes mit massivem Steinfundament war nicht nur in denkmalpflegerischer Hinsicht eine Herausforderung für die jungen Architekt*innen. Auch die Vielzahl an Funktionen, die der Bau auf einer Grundfläche von knapp 269 Quadratmetern aufnehmen sollte, sorgte zunächst für einiges Kopfzerbrechen. Neben der Galerie mit Technik- und Lagerflächen wünschte sich Michael Zink nämlich auch eine Gästewohnung mit Studio, um Künstler*innen künftig längere Arbeitsaufenthalte auf dem Land zu ermöglichen – und außerdem Platz für eine Destillieranlage, mit der er sich in der Eigenproduktion von Obstbränden versuchen will.

Die Lösung dieser Bauaufgabe ist ein Hybridbau mit 694 Quadratmetern Bruttogrundfläche, der nach dem Prinzip „Haus im Haus“ funktioniert: Das Dach wurde dabei um circa zwei Meter nach oben versetzt, der ursprüngliche Charakter der äußeren Hülle blieb jedoch erhalten – Feldstein und Lärchenholzbalken verweisen auf die Geschichte des Gebäudes. Im Inneren hingegen bedient ein neuer Kern aus Sichtbeton die Bedürfnisse einer modernen Kunstgalerie. Am Torbogen kommt beides in schönster Harmonie zusammen: Beton trifft Mauerwerk.

Im fast zehn Meter hohen Eingangsfoyer mit offenem Treppenhaus schweift der Blick bis hinauf zum Dach. „Uns war es wichtig, neben den geplanten Nutzungen auch ein Void zu schaffen, um den Raum als solchen wirken zu lassen“, erklärt Tamara Henry im Gespräch. Ebenso habe der Einbezug der unmittelbaren Umgebung mittels präzise gesetzter Öffnungen eine wichtige Rolle bei ihren Überlegungen gespielt – die Fenster rahmen nicht nur den kontemplativen Blick in die Landschaft, sondern auch in die Krone einer alten Linde.

Im U-förmig angelegten Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss haben Atelier Dimanche als Entsprechung zur Eingangssituation den Raum ebenfalls partiell bis zum Dach geöffnet. Rechts und links der zentralen, mit sieben Metern beeindruckend hohen Wand liegen oben, direkt unter dem Giebel, Studioapartment und Werkstatt mit jeweils rund 45 Quadratmetern Fläche. Von hier aus schaut man durch große Gaubenfenster kilometerweit über die Wiesen und durch zwei innenliegende Öffnungen hinunter in die Galerie. Die gewünschte Mini-Brennerei wurde schließlich im Erdgeschoss untergebracht.

Michael Zink ist die Freude über sein neues Galeriegebäude bei der Eröffnung deutlich anzumerken. „Thinking with my hands“ heißt die erste große Ausstellung, die er hier präsentiert, und der Titel ist Programm: Die räumliche Neuausrichtung hat auch zu einer inhaltlichen Öffnung für explizit handwerkliche und designorientierte Positionen geführt. „Back to the roots“ – die Galerie Zink probiert’s aus und vermeldet auf ihrer Website: „Wir sind nicht von der Bildfläche verschwunden, wir tun nur das, was wir lieben, an einem Ort, an dem wir uns wohlfühlen.“

Fotos: Erich Spahn


Zum Thema:

www.zink-waldkirchen.de


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Der Sitz der Galerie Zink in Waldkirchen: Das ehemalige Pfarranwesen thront wie eine kleine Burg auf einem Hügel.

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In der von Atelier Dimanche umgebauten Scheune wird nun zeitgenössische Kunst präsentiert.

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Am Tor kommen alte und neue Bausubstanz zusammen.

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Ein fast zehn Meter hohes Atrium aus Sichtbeton empfängt die Gäste der Galerie.

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