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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Friedhofspavillon_in_Loenen_von_KAAN_Architecten_7505612.html

12.01.2021

Offene Räume zwischen Bäumen

Friedhofspavillon in Loenen von KAAN Architecten


Im Jahr 1947 beschloss die niederländische Regierung, die sterblichen Überreste von Niederländern, die während des Zweiten Weltkriegs außerhalb der Landesgrenzen ums Leben gekommen waren, heimzuholen. Dazu wurde von der Kriegsgräberfürsorge Oorlogsgravenstichting in einem Waldgebiet bei Loenen auf über 17 Hektar ein Friedhof mit rund 4.000 Gräbern angelegt. Diese sind nicht etwa in geraden Reihen organisiert, sondern wurden vom Landschaftsarchitekten Daniël Haspels organisch über das Gelände verteilt. Haspelswar der Meinung, dass stehende Grabsteine die Landschaft stören würden. Die Gräber sind darum mit flachen Steinen gekennzeichnet, auf dem die Namen der Toten zu lesen sind. Auf dem Gelände befinden sich bereits eine Kapelle und weiteres Gebäude des Architekten Abraham Mattheus de Rouville. Seit 2009 wurde das Gräberfeld um weitere Grabstellen erweitert, die unter anderem für Soldat*innen gedacht sind, die während Friedensmissionen der Vereinten Nationen ums Leben kamen.


Um die besonderen Hintergründe des Friedhofs zu erklären, gibt es außerdem seit Ende 2020 ein neues Informationszentrum, das vom Rotterdamer Büro KAAN Architecten geplant wurde. Der Pavillon verfügt über eine 52 mal 19 Meter große Grundfläche und bleibt in seiner niedrigen Kubatur unterhalb der Kronen der hochgewachsenen Birken und Pinien. Gemäß der gestalterischen Ideen Haspels, die Natur möglichst wenig zu stören, wurde der Pavillon auf einer bestehenden Sichtachsen platziert. Das Ergebnis ist ein schmales Volumen, für das nur wenige Bäume gefällt werden mussten. In der Umgebung befinden sich als Teil des Projekts auch noch zwei „Waldräume“, die von Karres en Brands gestaltet wurden.

Das Kernstück des Gebäudes bildet ein Auditorium, in dem neben Veranstaltungen auch Begräbnisfeiern ausgerichtet werden können. Des Weiteren gibt es einen Ausstellungs- und Infomationsraum. Für größere Anlässe lassen sich die beiden Räume auch zusammenlegen – bis zu 200 Menschen kann der Pavillon dann beherbergen. In den Innenräumen wurde gänzlich auf Korridore verzichtet, die unterschiedlichen Räume gehen ineinander über. Akzentuiert gesetzte Dachöffnungen geben den Blick in den Himmel und die Baumwipfel frei, große Glasflächen öffnen den Raum in den umgebenden Wald. Manch ein Detail erinnern dabei an das beeindruckende Krematorium, das die Architekt*innen 2018 in Aalst errichtet haben – nur dass in Loenen kein Beton, sondern quadratische Natursteinplatten den Eindruck bestimmen. (tl)

Fotos: Simone Bossi



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