Fast im Quadrat
Forschungsgebäude in Mannheim von Wulf Architekten
Bekanntlich hat Mannheim den Beinamen „Quadratestadt“, auch wenn die gitterförmige Grundstruktur der Altstadt größtenteils aus normalen Rechtecken besteht. Die Quadrate jedenfalls hat auch die Universität Mannheim in ihrem Wappen – und sie zieren nun auch die Fassade ihres neuen Forschungs- und Lehrgebäudes von Wulf Architekten (Stuttgart). Zumindest fast, denn die Hülle des Neubaus setzt auf eine nur annähernd quadratische Grundform. Der Eindruck bleibt jedoch der gleiche: streng geometrisch, stark vereinheitlicht, klar geordnet und wie ein Relief zeigt sich die Lochfassade des Hauses auf dem innerstädtischen Quadrat B6.
Aufgabe war, ein Haus mit Seminar- und Büroräumen sowie studentischen Arbeitsplätzen zu errichten, die von verschiedenen Fakultäten genutzt werden. Den geladenen Wettbewerb hatten Wulf Architekten im Jahr 2013 gewonnen. Der Neubau befindet sich auf einem ehemaligen Parkplatz am Rande der historischen Altstadt und schließt den Blockrand. Doch obwohl es sich um eine Blockrandbebauung handelt, steht der dreiflügelige Baukörper frei. Das einheitliche Fassadenraster aus hellbeige eingefärbten Betonelementen prägt das Haus also an allen Seiten.
Klar geordnet wie das Äußere ist auch die innere Organisation. In zwei Flügeln des Hauses liegen vor allem lange Reihen konventionell geschnittener Zellenbüros. Im dritten, tieferen Flügel befinden sich die Seminarräume. Hier sorgen vertikale Durchbrüche für Offenheit und eine angemessene Großzügigkeit. Geradezu barock mutet die zentrale, dreiläufige Treppenanlage an, die direkt in der Haupteingangsachse liegt und die vermutlich ebenfalls als eine Anspielung auf architektonische Traditionen der Stadt begriffen werden kann.
Der Neubau ist der erste von mehreren Bauabschnitten, die das Stadtquadrat B6 neu definieren. Auch das direkt anschließende Quadrat A5 wird städtebaulich neu geordnet. Langfristig ist die Aufwertung dieses Areals am Rande der Mannheimer Innenstadt und die Neugestaltung im Sinne eines Universitätscampus angestrebt. (gh)
Fotos: Roland Halbe, Markus Guhl
Aber immer wieder amüsant, wie man "klassizierende" Architektur mit Bauten unter Mussolini, Hitler und Stalin gleichsetzt.
nichts desto trotz ein tolles gebäude.
in jedem fall ist es aber ein beleg für die architektonische wandlungsfähigkeit des büros wulf. die - je nach blickwinkel - erdrückende nähe dieser architektur zu totalitären vorbildern aus der mussolini-, ns- oder stalinzeit könnte je nach sensibilität des betrachters auf diesen verstörend wirken.
sprich: wenn man sich gestalterisch so in die nähe gewisser klassizierender vorbilder begibt, sollte man als planverfasser dazu zumindest etwas sagen.