Arbeiten in Stampflehm
Firmenzentrale von Studio2050 in Darmstadt
Dem Naturkost-Unternehmen Alnatura war beim Bau seiner neuen Firmenzentrale eines besonders wichtig: der nachhaltige Umgang mit Ressourcen. Deshalb entstand auf dem ehemaligen US-Kasernengelände in Darmstadt das laut Eigentümerin europaweit größte Bürogebäude mit einer Fassade aus Lehm – ein Material, das komplett wiederverwendet werden kann. Außerdem enthalten die in Stampflehmtechnik erstellten Wände recyceltes Material aus dem Tunnelaushub von Stuttgart 21. Der Entwurf für das nun fertiggestellte Bürohaus stammt von den Stuttgarter Architekten haascookzemmrich Studio2050. Für die Tragwerksplanung war das Ingenieurbüro Knippers Helbig (Stuttgart) zuständig.
Im 13.500 Quadratmeter großen, dreigeschossigen Bürohaus arbeiten künftig bis zu 500 Menschen. Durch seinen einfachen Charakter soll der Neubau Offenheit gegenüber der Umgebung vermitteln. Dabei hoffen die Architekten, dass sein Erscheinungsbild architektonisch einladend und nicht allzu beeindruckend wirkt. Diesem Prinzip folgt auch das Innere: Vom ersten Obergeschoss bis unter das Dach ist die Bürolandschaft als ein offener Raum geplant, der komplett auf Innenwände verzichtet. Er ist einheitlich und vielfältig zugleich – je nach Bedarf können mit akustisch wirksamen Vorhängen Besprechungsbereiche abgetrennt werden.
Während die Stirnseiten des Gebäudes komplett verglast sind, wirken die beiden länglichen Nord- und Südfassaden aus Lehm geschlossen. Die einzelnen Stampflehmblöcke an den beiden Fassaden wurden zu selbsttragenden Wandscheiben geschichtet. Dabei wurden die Lehmfertigteile direkt neben der Baustelle produziert. Das Baumaterial ermöglicht es, das gesamte Gebäude ganzjährig natürlich zu belüften. Und für kalte Tagen ist ein innovatives Verfahren entwickelt worden: eine geothermische Wandheizung, die in die Lehmfassade integriert ist.
Die offenen Büroflächen und das mit einem öffentlichen Restaurant geplante Erdgeschoss werden von einer Holzlamellendecke überspannt. Treppen und Brücken verbinden die einzelnen Bereiche des Innenraumes miteinander. Den Abschluss des Neubaus bildet ein Satteldach mit asymmetrischem Dachfirst und einem Oberlichtband über die gesamte Gebäudelänge. (mg)
Fotos: Brigida Gonzalez und Roland Halbe
Sehr schöne Innenräume mit einer augenscheinlich angenehmen Lichtsituation kombiniert mit einer Gebäudehülle, die erfrischend vom üblichen 08-15 Langeweile-Büroblock abweicht. Toll auch die Umsetzung des Tragwerks und die wohl gelungene Integration der Gebäudetechnik in das Gesamtkonzept. Chapeau! @seppl: Zur Nachhaltigkeit (rein "ökologisch" ist mir zu wenig...) Leider wachsen Gebäude nicht an ihrem Standort aus dem Boden. Toll aber, dass Abbruchmaterial einer anderen Großbaustelle verwendet werden kann. Nicht bauen ist sicher "ökologischer", "nicht leben" auch... will aber ja keiner, insofern ist das in diesem Projekt wirklich sehr gut gemacht.
Schon die Lagerhallen (sieht man, wenn man mal die A5 entlang fährt) sind toll. Das hier ist wirklich super geworden. Kompliment. MfG, der dude
Gespart wurde hier bei all dem Gelungenen allerdings an einem: den Glasteilen! Die Glasfassade und auch das Oberlicht fallen in ihrer Qualität gestalterisch krass zu den sonst so eleganten Detaillösungen ab. Trotzdem insgesamt super!
War es sehr "ökologisch" das Recyclingmaterial von Stuttgart nach Darmstadt zu karren?